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Ausstellung von Rammstein-Sänger in Dresden

Ausstellung von Rammstein-Sänger in Dresden

Dass ein Künstler wie Holger John neue Wege geht, ist keine Überraschung. Überraschend wäre vielmehr, Holger John auf ausgetretenen Pfaden zu finden.

Nun aber ist der Maler, Zeichner, Grafiker und Impresario tatsächlich unter die Galeristen gewechselt. Das Dresdner Multitalent hat diesen Herbst eine eigene Galerie aufgetan und sie zur "Langen Nacht der Galerien und Museen im Barockviertel" mit eigenen Arbeiten eröffnet. Ein Galerist wie alle anderen?

Wer den sich gern ein wenig geheimnisvoll gebenden Meister auch nur ein klein wenig kennt, konnte damals schon geahnt haben, hier hat er Größeres vor. Jetzt setzte er an zum Fanal und eröffnete die erste Exposition als Galerist in den neuen Räumen. Selbstverständlich bäckt ein Mann wie Holger John da keine kleinen Brötchen, schließlich sprüht er vor Ideen und ist im Kunstbetrieb bestens vernetzt. Also besann er sich auf seine Kontakte zur Band Rammstein, die im April 1994 ihr erstes öffentliches Konzert gegeben hatte - im Leipziger Klub naTo vor sage und schreibe 15 Besuchern!

Der weitere Werdegang dieser Band ist Geschichte und Kult und bestens bekannt: internationale Konzerte, knallharte Videos, Millionenverkäufe von CDs, feurige Shows - Dass der 1963 in Leipzig geborene Texter und Leadsänger Till Lindemann auch als eigenständiger Lyriker tätig ist, wird möglicherweise nur wenigen Rammstein-Fans und noch weniger Poesie-Liebhabern gegenwärtig sein. Dieses Jahr ist bei Kiepenheuer & Witsch sein zweiter Gedichtband erschienen, der mit Zeichnungen von Matthias Matthies versehen ist, einem ebenfalls aus Leipzig stammenden Fotografen (Jg. 1969), der Rammstein seit langem fotografisch begleitet. Die Vorlagen zu diesem Buch sind nun in einem ersten Teil der schon zur Vernissage heftig bestürmten Galerieausstellung zu sehen.

Schlaffe Glieder, steife Glieder sowie feuchte Träume, Schenkel und Laken gibt es da unter dem Titel "In stillen Nächten" zu sehen und zu lesen. Manche Reime sind so banal, dass die ausnahmslos unter den Gürtel gehenden Texte beinahe schon wieder originell sind. Die so deftigen wie fein ziselierten Illustrationen dazu tragen aber glücklicherweise nicht den Anspruch, die zotigen Betrachtungen die Liebes- und Leibeslebens eins zu eins abzubilden, sondern sind mal als Anleihe an Beardsley deutbar, mal mit einem direkten Zitat von Rodins "Denker" versehen. Witzige Pendants zu den Originalschriften von Lindemann.

Im zweiten Teil widmet sich Holger Johns erste Fremdausstellung dem Rammstein-Projekt "Made in Germany 1995-2011". Das Prozedere zur gleichnamigen Rammstein-CD initiierte - wer sonst? - Holger John, dem eine grandiose Prozession dazu einfiel. Die ist nun in Vorzeichnungen sowie als Video nachzuerleben, vor allem aber sind die damals verwendeten Totenmasken (nach einer Idee von Todd Schulz) wie in einem Schrein ausgestellt. Dieser bizarr-grandiosen Wirkung dieses Mausoleums kann sich wohl kaum ein Besucher entziehen.

Die meisten Exponate der Schau sind käuflich zu erwerben, wobei eine herausragend platzierte plastische Arbeit von Till Lindemann sowohl größte Aufmerksamkeit als auch das höchste Gebot provozieren dürfte. Sie stellt eine nicht wünschenswerte Injektion von Waffe und Vagina dar. Alle weiteren Arbeiten sind für drei- bis vierstellige Beträge zu haben. Der originell gestaltete Katalog hingegen kostet sparsame zehn Euro. Er soll Auftakt zu einer im gleichen Format erscheinenden Serie sein, die später einmal komplett im Schuber vereint ist. Denn - und das ist vielleicht die größte Überraschung dieser Galerie - Holger John will von nun an monatlich eine neue Ausstellung eröffnen.

Bis 13. Januar. Galerie Holger John, Rähnitzgasse 17, Die-So 14-19 Uhr

www.galerie-holgerjohn.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.12.2013

Michael Ernst

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