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Ausstellung von Gudrun Brückel in der Villa Eschebach ermöglicht, verschiedene Werkgruppen miteinander zu vergleichen

Ausstellung von Gudrun Brückel in der Villa Eschebach ermöglicht, verschiedene Werkgruppen miteinander zu vergleichen

Werke von Gudrun Brückel waren in Dresden bereits in zahlreichen Ausstellungen zu sehen; zum Beispiel in der galerie am blauen wunder im Jahr 2011, 2009 in der Galerie drei oder in der Sächsischen Landesärztekammer ein Jahr zuvor.

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Gudrun Brückel, Mitternachtssonne, 2013, Tintenstrahlpigmentdruck nach Collage.

Quelle: Villa Eschebach

Aber erst jetzt, in der Villa Eschebach, besteht die Möglichkeit, sich einen Überblick über Gudrun Brückels vielseitiges und in sich stimmiges Werk zu verschaffen. Die Ausstellung nimmt die gesamte Zeit in den Blick, die die Künstlerin hier in Dresden bislang verbracht hat.

1954 - also vor 60 Jahren - in Leonberg in Baden-Württemberg geboren, lebt Gudrun Brückel seit nunmehr 17 Jahren in dieser Stadt. Ein Studium der Kunsterziehung in Stuttgart und eines der Freien Malerei in Berlin gingen dieser Zeit voraus. Seit Sommer 1997 lebt und arbeitet Gudrun Brückel nun in Dresden. In diesem langen Zeitraum schuf sie ganz unterschiedliche und doch zusammengehörende Werkgruppen: Immer wieder überrascht sie mit neuen Serien - mal sind es Pflanzen, mal Landschaften, Tiere oder Architekturen. All diese unterschiedlichen Themen sind in der Ausstellung zu sehen. Gerade diese Möglichkeit, die verschiedenen Werkgruppen miteinander zu vergleichen, macht diese Schau so bereichernd. Erstaunt stellt man fest, dass die Arbeiten - so unterschiedlich sie auch sein mögen - ganz offensichtlich von einer Hand stammen. Was ist das Verbindende zwischen ihnen?

Schon die Pflanzenstillleben, die im Erdgeschoss in der Villa Eschebach zu sehen sind - Farne, die mit Materialdrucken farbig überdeckt sind -, offenbaren eine für Gudrun Brückel typische Arbeitsweise: Mehreren Arbeiten liegen dieselben zwei Farnblätter zugrunde, die in der Technik der Algrafie gedruckt sind: Das eine Blatt neigt sich nach links, das andere nach rechts. Diese Blätter werden mit geometrischen Formen und weiteren Pflanzenteilen kombiniert. Auf diese Weise erzeugt die Künstlerin verschiedene Stimmungen, Schwingungen, Temperaturen. Alles bleibt im ähnlichen Gepräge und verändert sich dennoch. Damit ist ein wesentliches Charakteristikum von Gudrun Brückels Arbeiten bereits ausgemacht. Es ist das Prinzip der Transparenz, der Schichtung und Wiederholung, das Übereinanderlegen und Ineinanderschieben verschiedener Bestandteile, welches das jeweilige Bild erst erzeugt. Hinten und vorn, neben und über: Wie verhält sich das eine zum anderen? Was passiert, wenn etwas verschoben wird?

Dieser Prozess geschieht zumeist leise, säuselnd, flüsternd - nichts ist fest und unnachgiebig, sondern alles verschiebbar, veränderlich - auch anders denkbar, auch anders möglich. Selbst Gudrun Brückels Architekturserie aus den Jahren 1997 bis 2002 ist nicht statisch fest, sondern luftig leicht. Fotografien, die sie auf Streifzügen in Dresden angefertigt hat, liegen dieser Serie zugrunde. Gudrun Brückel druckte ihre Fotos aus, zerschnitt sie in Einzelteile, veränderte diese in der Größe und übertrug ausgewählte, manchmal winzig kleine Details auf Seidenpapier, um sie anschließend wie Bausteine neu zu kombinieren, übereinanderzulegen und zu collagieren. Im Ergebnis entstehen fragile, transparente, eigentümliche Architekturen. Sie bestehen also aus lauter Einzelteilen, die sich verändern und verschieben lassen wie Theaterkulissen. Gerade die Architekturen sind im besten Sinne des Wortes "Denkgebäude". Die Künstlerin macht darin optisch erfahrbar, dass alles in Bewegung versetzt werden kann, dass nichts "fest steht".

Genauso geht sie auch in anderen Werkgruppen vor: Seit dem vergangenen Jahr befasst sie sich beispielswei- se vermehrt mit dem Elbsandsteinge- birge. Kleinste Details aus Aufnahmen der Bastei, die Gudrun Brückel Zeitungen und Fotobüchern entnimmt, verbindet sie mit Ausschnitten historischer Fotos der Sächsischen Schweiz: Arbeiter rücken dem Berg mit Leitern und Stegen zu Leibe. Durch teils verblüffende Zusammenstellungen verwandeln sich die wilden, dramatischen Felsschluchten in eine von langen Leitern übersäte und mit Häusern bebaute Kulturlandschaft.

Stets nutzt Gudrun Brückel vorgefundenes Material, nimmt es in einem nächsten Schritt bis ins Kleinste aus- einander - seziert die Welt also -, um die Einzelteile dann neu zu kombinieren. Es findet eine aufwendige, zeit- raubende und doch zurückhaltend- stille Verwandlung statt vom Bekann- ten hin zum Traumhaft-Fiktiven. Das Instabile, das den Werken eigen ist, hat bei Gudrun Brückel wenig Beängstigendes, sondern führt die Betrachter auf lyrische wie verspielte Weise in eine merkwürdig vertraute Fantasiewelt, in der Kleines groß werden kann, Leitern im Elbsandsteingebirge auf- tauchen und Häuser in Eislandschaften stehen dürfen. Gudrun Brückel weist in ihrer ganz eigenen Art auf die Veränderlichkeit alles Seienden hin. Ihre Werke bringen die Zeit, den Ort und den Zufall in der Idee der Schichtung zum Klingen - sie "fügen sich" wie Glücksmomente.

Ausstellung bis 5. September in der Villa Eschebach, Georgenstraße 6. Öffnungszeiten: Mo. und Mi. 8.30-16 Uhr, Di. und Do. 8.30-18 Uhr, Fr. 8.30-13 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.08.2014

Carolin Quermann

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