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Ausstellung von Florian Auer im Albertinum Dresden

Intervention aus der Hyperrealität Ausstellung von Florian Auer im Albertinum Dresden

Was haben Adaptionen stylisher Fußballtrikots im Museum zu suchen? Im Albertinum wurde die „Intervention“ von Florian Auer in der Sammlungspräsentation der Neuen Meister der Staatlichen Kunstsammlungen neu eingerichtet.

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Florian Auer, YOU’RE LIVE (Physical States), Albertinum, Degas-Kabinett

Quelle: Foto: Estel/ Klut, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Dresden. Was haben Adaptionen stylischer Fußballtrikots im Museum zu suchen? Der niedrigschwellige Zugang ist guter, aber nicht pragmatisch zu verstehender Grund für die neu eingerichtete „Intervention“ von Florian Auer in der Sammlungspräsentation der Neuen Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Die Einladung des Berliner Künstlers erfolgte vor dem Hintergrund der Bemühung um „Vergegenwärtigung“ der Museumspräsentation im Rahmen der 2015 begonnenen Reihe zeitgenössischer temporärer Interventionen.

Die im Degas-Kabinett im 2. Obergeschoss gezeigte installative Arbeit „YOU‘RE LIVE (PHYSICAL STATES)“ läuft durchaus nicht auf oberflächliche Popularisierung hinaus. Was sie begründet, ist ein umfassender Anspruch der Verbindung von High und Low und Kunst und Leben, bezogen ebenso auf die Kunstrezeption wie auf die Kunstproduktion. Nicht zuletzt auch als eine nachhaltige Lektion der Pop-Art, mit Kunst etwas anderes zu verbinden, als sie im Museum „auf ihrem Arsch“ sitzen zu lassen, wie Claes Oldenburg 1981 einforderte. Deutlich geht es der einladenden Direktorin Hilke Wagner nicht um eine bloße Eventisierung und ein Aufpeppen der Museumswahrnehmung, sondern ganz konsequent um die Frage nach der bildnerischen Relevanz und Praxis zwischen Überlieferung, Alltagsrealität und Medienaktualität, die das Museum als Plattform aktiver Bildpraxis und der Genealogie von Bildentwicklungen verpflichtet versteht sowie Bildwirklichkeit in Wechselwirkung von Kunstgeschichte und Gegenwart sieht.

Indem die Interventionen dem Museumsbesucher unmittelbar innerhalb der Sammlungspräsentation begegnen sollen, gibt es keine expliziten Einladungen zur Eröffnung, in der Laufzeit werden aber Künstlergespräche angeboten in einem in Kürze breiter ausgebauten Veranstaltungsprogramm. Derzeit mischen sich in die Ausstellungspräsentation bereits die Interventionen „Schaum“ von Björn Dahlem in der Skulpturenhalle und „Made in China“ von Fernando Sanchez Castillo im Mosaiksaal. Auch die Videoarbeit von Yael Bartana in Referenz zu den assyrischen Reliefs im Schaudepot „Antike bis Barock“ im 1. Obergeschoss steht in derselben Diskussionslinie, die noch vor der Reihe der Interventionen und der Amtszeit Hilke Wagners integriert wurde.

Florian Auer als jüngst eingeladener Interventionist wählte selbst seinen Standort innerhalb der Sammlungspräsentation. Während die Referenz seiner vier Relief-Torsi zur Antike augenfällig ist – im Motiv des Athleten und der Bewegungsdrehung einerseits zu antiken Skulpturen und in der Reihung und Fragmentation andererseits zur Antiken-Sammlungstradition (die sich im Gläsernen Depot des Eingangsbereiches des Albertinums spiegelt), wird die Installation im Standort des Degas-Kabinetts vor Lithografien Toulouse-Lautrecs und Degas’ „Kleiner Tänzerin“ durch den weiteren Referenzpunkt mit dem „Live“-Aspekt der impressionistischen „Momentaufnahme“ und „Lebewelt“-Motivik ergänzt.

Auer geht als Vertreter der post-Internet-Generation in seiner künstlerischen Auseinandersetzung neben einer deutlichen Prägung durch die klassische skulpturale Tradition und ein handgreifliches plastisches Interesse ganz bewusst von moderner Alltagswahrnehmung und medialer Wirklichkeit aus und ist als Städel-Schüler Tobias Rehbergers entscheidend durch Produktdesigns und Lifestyle beeinflusst. Auer interessiert sich für das Fernsehen als moderne Bildform und die Ästhetik einer medial und digital gespiegelten Wirklichkeit. Dabei ist das Thema Fußball und Sportswear nicht plakativ gewählt, sondern dient ihm als Werkzeug, um über die mediale Wahrnehmung und Abbildung zu handeln. Sein Fokus liegt auf der medialen Ästhetisierung von Sportlern in dynamischer Bewegung, die in seinen Kunstharz-Torsi ganz bewusst das klassisch modellierte Figurenrelief mit der visuellen Textur digital geformter Körper durch das aufgedruckte Design verbinden. Indem bereits die Muster moderner Sporttrikots auf die Darstellbarkeit im Fernsehen abgestimmt ist, nutzt er sie ebenso in einem Zwischenzustand zwischen Foto und Objekt. Die Körperlichkeit in ihren Schatten und Falten wird sowohl durch die Oberfläche des auf Glasfasermaterial aufwändig nachgeformten Reliefs selbst als auch durch den darauf aufgebrachten Digitalprint erzeugt. Die Objekte bewegen sich damit zwischen Zwei- und Dreidimensionalität und gewinnen mit ihrer realen Präsenz im Raum wiederum einen weiteren Aspekt hinzu. Indem die Aufreihung sowohl in Bezug zu traditionellen Antiken- und Abgusssammlungen als auch zu kommerziellem Produktplacement erscheint, macht Auer die Referenznahme der Werbewelt als nicht unabhängig von der Genealogie unseres historischen Bilderkontextes deutlich. Im Zusammendenken der Bildwirklichkeit kann der Künstleransatz einleuchten und weist im Museum über den Elfenbeinturm hinaus.

Albertinum, 2. OG, Degas-Kabinett, bis 22. Mai 2016, Öffnungszeiten: 10-18Uhr, montags geschlossen

Kunstgespräch heute, 16.30 Uhr, Albertinum, mit dem Kurator Mathias Wagner

(Treff Kasse)

Von Lydia Hempel

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