Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Ausstellung von Ernst Lewinger in der Loschwitzer galerie am blauen wunder

Ausstellung von Ernst Lewinger in der Loschwitzer galerie am blauen wunder

Mit der Zerstörung der Stadt im Februar 1945 brach wie für viele Dresdner auch für Ernst Lewinger die bekannte Umwelt der Kindheit im kultivierten Elternhaus zusammen.

Voriger Artikel
EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider hält Neujahrs-Predigt in der Dresdner Frauenkirche
Nächster Artikel
Sächsischer Klang in den Alpen: Neue Wegscheider-Orgel in Südtirol

Ernst Lewinger: "Komposition mit Gelb". Aquarell, März 1958.Repro: Galerie

Gleichzeitig ließ mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches der rassische Druck auf seine Familie nach, wiewohl er Anfang der 1950er Jahre schon wieder als "bourgeoises Element" bezeichnet wurde. Durch Vermittlung seiner Mutter konnte er 1947 sechzehnjährig ein Privatstudium bei Edmund Kesting in der Mommsenstraße aufnehmen, der ihn an die Moderne heranführte. Mit Kubin und Klee setzte er sich intensiv auseinander. Als Kesting 1948 nach Berlin berufen wurde, vermittelte er Lewinger an Hegenbarth, der ihn an der Dresdner Kunsthochschule aufnahm.

Der kurzzeitige Rektor Mart Stam schätzte und unterstützte Lewinger, der auf Grund "bürgerlicher Herkunft" kein Stipendium erhielt. 1951 wurde ihm die Ausbildung in Dresden infolge der kommunistischen Ideologie unerträglich, so dass er seine Studien bis 1953 an der Hochschule der Künste in Berlin-Charlottenburg fortsetzte. Hier besuchte er die Klassen von Alexander Camaro und Hans Uhlmann, die ihm beide gleich wichtig waren. Der auch aus Dresden kommende wohl bedeutendste Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts Will Grohmann eröffnete ihm neue Perspektiven. Auch Karl Hofer lernte er kennen, doch an der Charlottenburger Schule war der unselige Streit zwischen Grohmann und Hofer, zwischen Abstraktion und Gegenstand noch nicht so präsent: Lewinger schätzt bis heute beides.

Nach seiner Rückkehr nach Dresden und längerer Krankheit schlug er sich als Gebrauchsgraphiker und Zeichenlehrer durch. Mit Josef Hegenbarth blieb er bis zu dessen Tod befreundet. Danach erstellte er im Auftrag von Johanna Hegenbarth das erste Verzeichnis der Druckgraphik des sächsisch-böhmischen Meisters. Fritz Löffler schrieb 1974 in der Zeitung "Die Union": "... Lewinger gehört zu den nur wenigen Schülern Hegenbarths, die er als solche anerkannte...." Zwischen 1960 und 1965 arbeitete Lewinger im Kupferstich-Kabinett Dresden mit, wo er mit der Katalogisierung der Rückgaben aus der Sowjetunion beschäftigt war und Werner Schmidt auf das Höchste schätzen lernte.

Sein bildnerisches Werk seit 1950 ist immer frei geblieben von Konzessionen an kulturpolitische Ideologie. Er festigte eine sensible Welt gleichnishafter Naturstücke und Szenerien, die vielleicht zunächst von den Federzeichnungen Kubins und Hegenbarths beeinflusst waren, dann aber durch extreme Verdichtung der zeichnerischen Struktur und ein ätherisches Gleißen der farbigen Blätter ganz eigentümlich "Lewinger" wurden. Diether Schmidt Schrieb in bezug darauf 1980 im Faltblatt der Galerie Nord: "...Die Lichtmodulation hätte ihre großen Vorläufer in Seurat und Meyer-Amden...." Man sollte noch Signac hinzufügen. Parallel dazu verfolgte Lewinger bis in die 1960er Jahre hinein eine Erkundung der visuellen Bausteine von Natur mittels gegenstandsfreier Kompositionen.

1959 veranstalteten Hanns-Conor von der Gabelentz und Helmut Scherf im Lindenau-Museum Altenburg eine Ausstellung von Hermann Naumann, Wolfgang Beier und eben Lewinger. Die Ausstellung wurde in den gerade eröffneten privaten Praxisräumen von Ursula Baring in Dresden-Strehlen wiederholt und war für Lewinger der Durchbruch bei Kennern der lokalen Szene. Wolfgang Balzer erwarb Arbeiten für das Kupferstich-Kabinett, Ausstellungen in damals spärlich gesäten Kunsthandlungen und Galerien folgten. Auch die Bekanntschaft mit Albert Wigand wurde hier begründet.

In der Folge profilierte sich Lewinger mit Illustrationen in Büchern, Programmheften, Zeitschriften und Zeitungen, womit sein Bekanntheitsgrad stieg und damit auch die Liebhaber seines freien Werkes zahlenmäßig erstarkten. Neben seinem reichhaltigen illustrativen Werk fließen die beiden Ströme seines Schaffens zusammen. Gegenstand und Abstraktion werden eins in zeitlos romantisierenden Landschaften organischer Natur und magischen Lichtes. Mit beachtlicher Konsequenz vorbei an jeder Modeströmung schöpft er aus den Vorwürfen sächsischer, böhmischer und nach 1990 auch italienischer Landschaften unvergleichliche Metaphern unantastbarer Natur. Die scheinbare Nähe zu den psychologisierenden Landschaftsadaptionen Gerhard Altenbourgs zerstreut sich wieder, wenn man entdeckt, dass bei Lewinger Psychologie direkt in der Landschaft inkarniert ist. Diesen Landschaften ist der größere Teil der Ausstellung der galerie am blauen wunder gewidmet.

Hatte die Ausstellung der Neuen Dresdner Galerie 1990 versucht, eine größere Gruppe früher gegenstandsfreier Arbeiten in seinem Gesamtwerk zu integrieren, was damals auch sehr gut gelang, so war heute im Fundus seiner Blätter nur noch ein einziges dieser Art aufzufinden. Diese "Komposition mit Gelb" vom März 1958 zeigt die Ausstellung noch einmal als Hinweis. Dagegen überrascht er das Publikum heute mit neuen gegenstandsfreien Pastellen aus dem letzten Jahrzehnt, die das Ätherisch-Vergeistigte seiner Landschaften zurückführen zum geistigen Ur-Impuls. Eine kleine Gruppe dieser Pastelle wird hier zum ersten Mal seinem weithin bekannten Werk zugeordnet. Und im etwa 2005 entstandenen "Abendhimmel", der auf der Einladung zu dieser Ausstellung abgebildet ist, deutet sich eine Symbiose der beiden Wege an- Man darf nach dieser Ausstellung anlässlich seines achtzigsten Geburtstags Anfang dieses Jahres auf kommende Arbeiten von der Hand Ernst Lewingers gespannt sein.

Die Ausstellung in der Galerie Pillnitzer Landstraße 2 am Körnerplatz ist bis 21. Januar jeweils donnerstags bis sonnabends von 14 bis 18 Uhr zu besichtigen (Silvester/Neujahr geschlossen).

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.12.2011

Gunter Ziller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr