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Ausstellung mit Werken Jürgen Wenzels in der Galerie am Blauen Wunder

Ausstellung mit Werken Jürgen Wenzels in der Galerie am Blauen Wunder

"Dort sieht es aus, als habe eine Kernfusion der Farbe soeben eine Art Urknall erzeugt...", schreibt Eberhard Roters 1994 anlässlich eines Besuches in Jürgen Wenzels Dresdner Atelier.

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Jürgen Wenzel, Vogel, 2010, Öl auf Hartfaser.

Quelle: Galerie

Und tatsächlich ist Wenzel einer der jungen ostdeutschen Maler, die fast gleichzeitig mit ihren Altersgenossen in Mülheim und Westberlin um 1980 die neoexpressive Malerei der "Neuen Wilden" begründeten. War es im Westen wohl eher der Überdruss an über zwei Jahrzehnten Minimal und Concept Art, so herrschte im Osten mehr die Freude an der Retrospektive des deutschen Expressionismus, der hier ja auch bis in die sechziger Jahre von der Kunstdiktatur verpönt war. Trotzdem kann man sagen, junge Künstler haben die deutsche Einheit nahezu unbeabsichtigt zehn Jahre eher vollzogen...

Wenzel wurde Anfang Dezember 1950 als Sohn eines Malermeisters in Annaberg geboren. Der Großvater war Kapellmeister am Annaberger Theater, womit eine musische Atmosphäre vorhanden war. Da der Sohn gut zeichnen konnte, finanzierte ihm sein Vater im Alter von 13/14 Jahren eine Ausbildung bei dem akademischen Maler Arthur Wirth. Im Schaufenster des Geschäftes der Eltern von Carlfriedrich Claus entdeckte er Picasso. 1967 begann er eine Lehre als Porzellanmaler in Meißen, den Beruf übte er bis zum Beginn seines Studiums aus. In Meißen befreundete er sich schnell mit den Künstlern Lothar Sell und Wolfram Hänsch, mit denen er "landschaftern" ging. 1975 begann er nach zwei vergeblichen Bewerbungen ein Studium an der Dresdner Kunsthochschule. Die Lehrer gaben ihm nichts, aus seiner Sicht war Siegfried Klotz der einzige wirkliche Maler an der Schule, aber kein so guter Lehrer.

Schon bei seinen Bewerbungen lernte er Bernd Hahn kennen, mit dem er dann das Studium begann. Beide befreundeten sich mit den gleichgesinnten Kommilitonen Andreas Küchler, Anton Paul Kammerer und dem Belgrader Serben Goran Djurovic. Da die fünf in ihren autarken künstlerischen Auffassungen weit auseinander liegen, hielt diese Künstlerfreundschaft bis heute bzw. bis zum viel zu frühen Tod von Andreas Küchler und Bernd Hahn. Die vier Dresdner gründeten nach dem 1980 beendeten Studium 1982 auf der Bürgerstraße 53 eine Druckerei, womit sie als Künstlergruppe "B 53" in die Kunstgeschichte eingehen. Aber auch mit Goran riss der Kontakt nie ab.

1984 gründeten sie die Edition "B 53" und 1991 den internationalen Freundeskreis "B 53", dem auch der oben zitierte Eberhard Roters, der Begründer der "Berlinischen Galerie" angehörte. Die Druckerei wurde 1992 in die Nachbarschaft des Malers Gerhard Schiffel nach Burgstädtel bei Borthen verlagert. 1997 bauten sich Hahn, Kammerer und Wenzel drei Atelierhäuser auf dem Grundstück der Druckerei. Aber von Druckgraphik, die sich auch bei Jürgen Wenzel weiterentwickelt, soll hier nicht länger die Rede sein.

Die Ausstellung in der galerie am blauen wunder widmet sich seiner Malerei, aufgelockert mit einigen Kohlezeichnungen. Schon frühzeitig hatte Wenzel seinen Namen "der Schlachthaus-Maler" weg. Die Hochschule hätte wohl gern "Arbeiterbildnisse" gesehen. Demzufolge sagte er sich zusammen mit seinem Ateliergenossen Goran: Alles Quatsch, wir gehen in den Schlachthof, das hat Tradition seit dem 19. Jahrhundert! Trotz eines interessanten Sujets war damit die Forderung der Schule in diplomatisch-ironischer Weise erfüllt. Es gibt auch Bilder mit den Arbeitern neben den abgehangenen Ochsen und Serien von Fleischer-Porträts, aber in der ausstellungstechnischen Wahrnehmung hat sich das Schlachtvieh als solches etabliert. Einige Bilder der Ausstellung belegen, dass das Thema bis heute unter vielen anderen geblieben ist, aber die sehr gut bewertete Diplomarbeit dazu hat er längst übermalt.

Eines Tages brachte der libanesische Kommilitone Emmanuel Guiragossian eine halb gerupfte Amsel mit in die Schule, die wohl eher aus Sachsen als vom "Amselfeld" kam. Auch diese Amsel ist seit dem Studium bis heute ständiges Motiv und als "Vogel" von 2010 in der Ausstellung zu sehen. Farblich explodierende Fische begleiten ihn über Jahre, einfache Stillleben können auch mit Schlachtvieh angereichert sein. Akte in Posen von Goya, Velasquez, Corot usw. werden von zeitgenössischem Umfeld befreit und behaupten sich in seinen Farbkaskaden. Helmar Penndorf veranstaltete Ende 1989 im Lindenau-Museum eine Ausstellung nur mit "Köpfen" von Wenzel; Fasane und Blumen runden das Bild ab. Diese kleine kabinettartige Ausstellung kann nicht alle Sujets zeigen, aber sie versucht, die Vielfalt anzudeuten.

Am Ende ist der Gegenstand bedeutungslos, jede Malerei ist im Gegensatz zur gegenständlichen Fotografie abstrakt und diese von Jürgen Wenzel ist reine Malerei! Dazu noch ein Zitat aus dem Text von Eberhard Roters: "Wenzels Atelier erinnert mich eher an die Schmiede des Vulkan... Wenzels Bilder sind... zugleich gegenständlich und abstrakt. Das ist nicht etwa ein Widerspruch in sich, weil es nämlich den Unterschied zwischen gegenständlich und abstrakt gar nicht gibt, er erweist als eine scholastische Hilfskonstruktion der Vernunft."

Der Ausstellung und Jürgen Wenzel einen lange nachhallenden, fortdauernden Urknall.

Die Ausstellung in der galerie am blauen wunder, Pillnitzer Landstraße 2, ist bis 8. Juni, Donnerstag bis Sonnabend, 14 bis 18 Uhr, geöffnet.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.05.2013

Gunter Ziller

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