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Ausstellung mit Exponaten aus Dresdner Kupferstichkabinett erinnert an "Asienfahrer"

Ausstellung mit Exponaten aus Dresdner Kupferstichkabinett erinnert an "Asienfahrer"

Gleich mehrfach besuchte Emil Orlik im März 1900 eine mit 150 Werken repräsentativ bestücke Japan-Ausstellung der Wiener Sezession, bald darauf brach der deutsch-böhmische Zeichner, Grafiker und Maler selbst in den Fernen Osten auf, nicht zuletzt wegen seines Interesses an der technischen Ausführung des japanischen Farbholzschnittes.

Aus Hongkong meldete er sich begeistert: "Natur, Volk und Gebräche alles so neu. Alles eine malerische Schatzgrube!" Aber als Orlik in Japan eintraf, war er erst mal enttäuscht. Ihm gefiel "der scheussliche moderne Firnis", der sich über Japan im Zuge der Reformen der Meiji-Ära unter dem Tennõ Mutsuhito gelegt hatte, gar nicht. Unter dem gesellschaftlich-kulturelle Wandel war das alte Nippon, das Orlik zu finden gehofft hatte, (scheinbar) ziemlich verschütt gegangen.

Aber bald darauf schrieb Orlik seinem Förderer und Freund Max Lehrs (1855-1938): "Japan gefällt mir mehr und mehr". Letztlich stieß er, wie die mit ausgesuchten Leihgaben aufwartende Ausstellung "Zwischen Japan und Amerika. Emil Orlik - Ein Künstler der Jahrhundertwende" im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg deutlich macht, im Verlauf seiner monatelangen Tour dann doch auf "Dinge" des alten Japan, die "noch über Erwarten schön" seien. Dass der Prozess der Meinungsbildung Zeit brauche, betonte er mehrfach. "Ich glaube, der Aufenthalt in Japan selbst ist das beste Mittel, einen vor dem Japonismus zu bewahren", resümierte Orlik, der schon auf dem Schiff begonnen hatte, die Landessprache zu lernen, die Erfahrungen der ersten Wochen.

Die alte Kaiserstadt Kyoto im Westen des Landes wurde zwei Mal besucht - "wie japanisch", charakterisierte sie Orlik. Der Künstler sah (Sumo-)Ringwett-Kämpfe und Tempelfeste, eine besondere Faszination hegte Orlik für das Nô- Theater, jene auf der Arbeit mit Masken basierende traditionelle Theaterform der Samurai. Über das, was an Kunst geschaffen wurde, ließ er den Kunsthistoriker Lehrs wissen: "Im Allgemeinen ist das Gute, das heutzutage hier in Kunst geschaffen wird, meistens Imitation ober Verschlechterung des ,guten Alten'." Andere Ziele wie Hakone im Vorland des Fuji im Süden fanden erst nach Orliks zweiter Japan-Reise 1912 Eingang in das grafische Werk. So wie er in Fernost Geishas und Straßenszenen festhielt oder in London "Tagediebe" und in Holland pfeiferauchende Männer, faszinierten ihn später das besondere Licht Ägyptens und die Wolkenkratzer New Yorks. Auffallend: Kaum eines der radierten Blätter, die Orlik im Land am Nil machte, kommt ohne ein Erkennungszeichen für den Orient aus: Palmen, Kamele, Männer mit Turban oder verschleierte Frauen, einfache, würfelähnliche Architekturen und halbkugelförmige Kuppeln. Wieder und wieder erkor der Künstler eine Feluke als Motiv, das kleine Segelboot mit diagonal aufgehängter Stange, wie sie das Bild auf dem Nil prägten.

Über Orliks Reisen nach Japan und an viele andere Ecken der Welt informieren vor allem die Briefe und Postkarten (summa summarum sind es 446, die überliefert sind), die er an seinen Freund und Förderer Max Lehrs nach Dresden schickte. Lehrs hatte schon als Assistent am Dresdner Kupferstich-Kabinett zwischen 1883 und 1904 begonnen, Orliks Grafik zu sammeln, und setzte die Ankäufe fort, als er zum dortigen Direktor (1908-1924) aufgestiegen war. Lehrs sah in dem in Prag als Sohn eines Schneidermeisters geborenen Orlik einen "feinfühligen Künstler", der zu lernen versteht, ohne sich selbst untreu zu werden". Entsprechend sind in der faszinierenden Schau viele Leihgaben aus Dresdner Beständen zu sehen. Das Spektrum reicht vom Holzschnitt "Alt-Wien (Stehende Dame)" von 1904 bis zur partiell kolorierten Farbradierung "Japanische Kinder als Zuschauer bei einem Umzug" von 1901. Zum Bestand des Dresdner Kupferstich-Kabinetts gehört auch ein Plakat, eine farbige Kreide- und Pinsellithografie, mit dem 1913 für eine Ausstellung mit Grafik-Reisestudien von Orlik in der Kunsthandlung Amsler & Ruthardt in der Reichshauptstadt Berlin geworben wurde.

Dresden war überhaupt ein Ort, an dem wie in München und Hamburg schon früh kunstgewerbliche Objekte und Farbholzschnitte made in Japan gesammelt wurde. Woldemar von Seidlitz, Vortragender Rat im Generaldirektorium der Königlichen Sammlungen für Wissenschaft und Kunst, erwarb auf Auslandsreisen nach Frankreich und Großbritannien zahlreiche Farbholzschnitte, die er ab 1896 nach und nach dem Dresdner Kupferstich-Kabinett schenkte. Lehrs zeigte eine erste Ausstellung zu diesem Genre im Sommer 1897; eine weitere Präsentation im Januar 1900 vereinte die japanischen Farbholzschnitte mit einer Auswahl von Orliks Arbeiten im selben Medium, um zu veranschaulichen, dass dieser sich, so Lehrs, "an den Japanern gebildet" habe, "und er versteht es bei seinem stark ausgeprägten Farbensinn, die unfehlbare Sicherheit in der Vertheilung der Tonwerthe, die wir an den Japanern bewundern, mit der im Figürlichen wenigstens den Japanern europäischen Zeichnung zu vereinigen."

Im Mährischen Gewerbemuseum in Brünn fand 1902 die "Orlik-Japan-Ausstellung" statt. Präsentationen in Dresden, Prag und Wien folgten noch im selben Jahr. Der "Asienfahrer" und "Vielgewanderte", wie Orlik sich selbst später einmal nannte - war ein gefragter Mann, er wurde immer wieder zu Vorträgen eingeladen, in seinen Erinnerungen heißt es: "Auf der Rückreise habe ich in Dresden im liter. Verein einen Vortrag mit Lichtbildern ,Reise eines Malers nach Japan' gehalten. Eine Improvisation mit zum Teil neuen sehr interessanten Lichtbildern, sehr gute Zuhörer, sehr guter Erfolg. Eine Art Sport von mir, um für ,wahre' ostasiat. Kultur als eine Art Missionär zu wirken." Christian Ruf

Bis 3. Februar, Di-So 10-17 Uhr, Do bis 20 Uhr

Katalog zur Ausstellung im Kerber Verlag (160 S. mit 105 farbigen Abbildungen); an der Museumskasse 22,80 Euro, sonst 33,90 Euro, ISBN:978-3-86678-714-8

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.01.2013

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