Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Ausstellung im Stadtmuseum reflektiert die Dresdner Jahre Richard Wagners und sein Nachwirken

Ausstellung im Stadtmuseum reflektiert die Dresdner Jahre Richard Wagners und sein Nachwirken

Im Richard-Wagner-Festjahr 2013 lässt sich keine Kulturinstitution lumpen, auch nicht das Dresdner Stadtmuseum, wo man mit der Sonderausstellung "Richard Wagner in Dresden.

Mythos & Geschichte" explizit den Bezügen des Komponisten zur Dresdner Stadtgeschichte nachspürt. 180 Exponate werden präsentiert, manche Stiche oder Bilder aber nur als Reproduktion, denn ein Zuviel an Licht ist nun mal Gift für viele angejahrte Originale.

Nahezu ein Drittel seines Lebens - die Jahre seiner Kindheit 1814 bis 1827 mit eingerechnet - verbrachte der Opernrevolutionär in der sächsischen Residenzstadt. Die von Kurator Erik Omlor in zehn Themenabschnitte gegliederte Ausstellung ist "stark topographisch ausgerichtet", wie Erika Eschebach, die Direktorin des Stadtmuseums, erklärt. Wirkungsstätten, Aufenthaltsorte und Rückzugsräume Wagners stehen im Fokus, etwa ein kleines Gebäude in der Waisenhausstraße 5, wo das Ehepaar Wagner den Sommer des Jahres 1842 verbrachte - und zwar mit der Hoffnung auf Wagners baldigen künstlerischen Durchbruch in Dresden. Hübsch ist so manche saloppe, aber nichtsdestotrotz amüsante Formulierung: Wagner wird - durchaus mit einer gewissen Berechtigung - zum "Mietnomaden" erklärt.

Zu jedem Themenabschnitt gibt es oben an den Wänden hübsche Zitate von oder über Richard Wagner. "Richard Wagner als Politiker war sein Leben lang mehr Sozialist und Kulturoptimist im Sinne einer klassenlosen, vom Luxus und vom Fluch des Goldes befreiten, auf Liebe gegründeten Gesellschaft, wie er sie als das ideale Publikum seiner Kunst erträumte, denn Patriot im Sinne des Machtstaates. - Er ist den Weg des deutschen Bürgertums gegangen: von der Revolution zur Enttäuschung, zum Pessimismus und einer resignierten, machtgestützten Innerlichkeit", lautet etwa eines von Thomas Mann aus dem Jahr 1933.

Durch zahlreiche Porträts und historische Ansichten wird das Dresden der Biedermeierzeit vor Augen geführt. Dazu werden Persönlichkeiten des Geisteslebens und Kulturschaffens wie Wilhelmine Schröder-Devrient oder der aus Böhmen stammende Tenor Joseph Tichatscheck, aber auch Politiker und Entscheidungsträger, die Wagner als Künstler und politischen Kopf prägten, in Beziehung gesetzt.

Kleinere Abschnitte widmen sich dem Dresdner Opernwerk Wagners, wobei der an sich in Weimar uraufgeführte, aber eben in Dresden entstandene "Lohengrin" zum "Rienzi", "Tannhäuser" und "Holländer" subsumiert wird. Auch sonst ist die Zählweise eine Sache der Betrachtung. Auf einem Touchscreen wird die erste und die dritte (!) Semperoper gezeigt, die dritte ist also die seit 1985. Viele Multimedia-Elemente gibt es nicht, der akustische Erlebnisfaktor beschränkt sich auf ein paar Motive aus Wagner-Opern und zwei, drei Schüsse in der Ecke, in der es um den Maiaufstand 1849 geht. So manche Frage bleibt offen. Wie wichtig war der Beobachterposten auf dem Turm der Kreuzkirche?, fragt man sich unwillkürlich, wenn man liest, dass Wagner - bei aller Gefahr durch auf dem Turm der Frauenkirche postierte preußische Scharfschützen - "in den Stunden untätigen Wartens" mit dem Oberlehrer Wilhelm Berthold und anderen "intensive Gespräche über Politik und Philosophie" führen konnte.

Auch die Beziehung Wagners zu Carl Maria von Weber - verehrtes Vorbild seit Kindheitstagen - wird aufgegriffen. Die mit zahlreichen Mythen überlagerte Dresdner Rezeptionsgeschichte des Komponisten im 20./21. Jahrhundert bildet ein weiteres Ausstellungssegment. Schon im Kaiserreich entwickelte sich das Wagnersche Werk zu einem Identifikationsmittel des neu entstandenen Nationalstaates. Vor allem durch die Interpretation von Hofkapellmeister Ernst von Schuch erreichten die Werke Wagners eine bis dahin nie erreichte Popularität, fast quer durch alle Schichten, wie etwa auch Sammelbildchen zu den Opern belegen, die einst Schokoladen- und Zigarettenpackungen (häufig auch von Dresdner Firmen) beilagen. Einen nochmaligen Schub erhielt die Verehrung durch die Vereinnahmung Wagners im Dritten Reich. Nun sieht man zwar in der Schau ein - unscharfes - Bild Hitlers, der anwesend war, als die Reichstheaterwoche 1934 am 27. Mai mit einer Aufführung von "Tristan und Isolde" eröffnet wurde, aber letztlich hat sich außer bei notorischen Antiwagnerianern die Erkenntnis durchgesetzt: Wagner war der Komponist Hitlers, des einzigen überzeugten Wagnerianers in der Führungsspitze des NS-Regimes, aber nicht des Dritten Reiches.

Wurde im NS-Staat der Antisemitismus Wagners in den Vordergrund gerückt, waren es in der DDR seine sozialreformerischen, progressiven Bekenntnisse, die ihn für die sozialistische Kulturerbepolitik annehmbar machten. Über einem Plakat zur Wagner-Ausstellung 1963 liest man passenderweise das Credo der Abteilung Kultur des Zentralkomitees der SED: "Während in der Deutschen Demokratischen Republik eine wirklich schöpferische, vertiefte Aneignung des Wagnerschen Schaffens erfolgt, ist dieses in Westdeutschland angesichts der verschiedenen Gruppierungen reaktionär-mystischen bis zu formalistischen Deutungen ausgesetzt."

Zur Ausstellung ist eine Begleitpublikation erschienen, die in Kooperation mit dem Dresdner Sandsteinverlag entstanden ist. Eine Fundgrube sind nicht zuletzt die fünf Essays, die sich darin finden. So zeigt Reiner Zimmermann auf, wie ein Hofkapellmeister im Dresdner Allerlei zerrieben werden konnte. Schon zu Wagners Zeit klagten die Musiker über zu geringe Besoldung. Ihr Argument für mehr Geld: Die Partituren waren, auch mit Webers "Freischütz" und besonders seit dem "Rienzi" immer komplizierter geworden, die Künstler hätten physisch mehr zu leisten als in den älteren italienischen Opern. An der Museumskasse kostet die Publikation 18 Euro, im Buchhandel 25 Euro.

iAusstellung im Dresdner Stadtmuseum bis 25. August tgl. außer montags 10 bis 18 Uhr, freitags bis 19 Uhr

www.stadtmuseum-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.04.2013

Christian Ruf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr