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Ausstellung im Dresdner Stadtmuseum über Napoleons letzten Sieg auf deutschem Boden

Ausstellung im Dresdner Stadtmuseum über Napoleons letzten Sieg auf deutschem Boden

In allen anderen Kriegen, und das waren weiß Gott nicht wenige gewesen, war die Dresdner Elbbrücke bislang nie zerstört worden. Am 19. März 1813 war es dann doch so weit.

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Der kolorierte Kupferstich aus der Städtischen Galerie zeigt die Ankunft des russischen Parlamentärs am 21. März 1813, dahinter die von den Franzosen zerstörte Elbbrücke.

Quelle: Buch

Zurückweichende französische Truppen sprengten den vierten Pfeiler der Brücke, wobei zwei Bögen mit einstürzten. Die Proteste der Dresdner wurden niedergeschlagen, der Appell des sächsischen Königs, die Brücke zu verschonen, verhallte ungehört.

Aufhalten ließen sich die russischen und preußischen Truppe nicht. Sie schlugen erst zwei Floßbrücken ober- und unterhalb der Stadt über die Elbe, dann verpassten sie der beschädigten Elbbrücke einen hölzernen Einbau. Und letztlich war die Sprengung der Elbbrücke für die bald darauf zurückkehrenden Franzosen kontraproduktiv - ebenso wie sie nun innerlich geflucht haben dürften, dass sie 1809 angeordnet hatten, die Festungswerke abzutragen, was bis 1812 geschehen war. Nun stand der Feind vor den Toren, mussten in den Vorstädten vorgelagerte Schanzen errichtet werden. Und mit am verheerendsten: Die Stimmung der Bevölkerung kippte. Mochte man den alliierten Truppen mit Bangen entgegen sehen, ahnen, dass Sachsen für die Nibelungentreue gegenüber Napoleon würde zahlen müssen, mit den Franzosen war man fertig.

200 Jahren ist es her, dass die von einer patriotischen Volksbewegung getragenen Befreiungskriege begannen, die im Namen der Freiheit geführt wurden, wohlweislich aber nicht Freiheitskriege genannt werden. Wie das damals war, anno 1813, beleuchtet nun eine Sonderausstellung im Dresdner Stadtmuseum. In zehn Abschnitten kann der Besucher die Geschehnisse zwischen Glanz und Elend nachvollziehen. Bilder der Ereignisse wurden damals etwa durch Druckgrafiken vermittelt, die in Buchhandlungen vertrieben wurden. Ergänzt werden sie durch historisches Kartenmaterial. Wer wissen will, wie Wilsdruffer Tor, Schwarzes Tor oder die Bastion Saturn einst aussahen, der sollte einen intensiven Bock auf Zeichnungen von Friedrich August Kannegießer werfen, der in über 100 Zeichnungen die Dresdner Festungswerke im Zustand von 1811 dokumentierte.

Mal abgesehen von Gemälden, Radierungen, Kupferstichen oder auch zwei wenig freundlichen Karikaturen von Napoleon, die dem Depotschlaf entrissen wurden, sind allerlei Waffen und sonstige Ausrüstungsgegenstände zu bestaunen. Besonders seltene Stücke sind etwa eine Tschapka der Chevau-légers-Polonais, von einem Regiment der leichten polnischen Kavallerie, oder auch ein Uniformrock von der Dresdner National-Bürgergarde.

Im Fokus stehen nicht zuletzt die elf Aufenthalte Napoleons in Dresden, wovon allerdings allein acht auf das Krisenjahr 1813 entfielen. Im Marcolini-Palais schlug Napoleon, der nach dem Desaster des Russlandfeldzugs 1812 eine neue Armee aus dem Boden gestampft und erklärte hatte, "in den Ebenen Sachsens muss sich das Schicksal Deutschlands entscheiden", sein Hauptquartier auf. Hier bekam Napoleon Ende Juni - vermutlich war es der 26. - Besuch: Österreichs Staatskanzler Fürst Klemens von Metternich gab sich - was leider nicht weiter beleuchtet wird - die Ehre.

In Sachsen lag zunächst alles andere als Befreiungskriegseuphorie gegen die französischen Besatzer in der Luft. Als im April 1813 in Dresden Geld für die Lützower Freischar gesammelt wurde, kamen gerade mal 580 Taler zusammen. Allein 500 davon hatte Appellationsrat Christian Gottfried Körner gespendet, dessen Sohn Theodor mit den Lützowschen Jägern, dem berühmtesten Freiwilligenverband in den Befreiungskriegen, in den Kampf zog und dann bei Gadebusch fiel. Es gab aber auch andere Verbände, wie ein Siegelstempel bezeugt, der 1813 vom "Banner der freiwilligen Sachsen" benutzt wurde.

Mochte man den Aufruf "An Sachsens Einwohner" von Preußens Feldmarschall Blücher am 23. März 1813, in dem versichert wurde, "Wir Preußen betreten euer Gebiet, Euch die brüderliche Hand bietend", auch mit Skepsis begegnen, die Franzosen hatten sich bei den zwangsverbündeteten Sachsen unbeliebt gemacht. In Wittenberg brannten 1813 "nur" die Vorstädte, Bischofswerda lag völlig in Schutt und Asche, nachdem ein von den Franzosen entfachtes Feuer außer Kontrolle geraten war. Die Frauenkirche wurde 1813 vom französischen Militär als Proviantlager benutzt. Peu à peu ramponierte die französische Armee zusehends ihr Ansehen. Bereits die Bedingungen des Friedensvertrags von Posen 1806 waren keineswegs so mild, wie lange behauptet wurde. Das Land war gleichwohl besetzt. Dresden erhielt einen französischen Stadtkommandanten, Sachsen hatte Reparationen in Höhe von 30 Millionen Francs zu zahlen. Und ob in Tirol 1809 oder beim Russlandfeldzug 1812 - tausende Soldaten, die Sachsen als Mitglied des Rheinbunds zu stellen hatte, waren gefallen. Auch nicht gut kam an, dass man ständig Pferde an die Franzosen zu übergeben hatte, wie eine Lithografie von 1814 bezeugt.

Thema der famosen Ausstellung ist natürlich die Schlacht von Dresden am 26. und 27. August 1813, der letzte Sieg Napoleons auf deutschen Boden, in deren Verlauf viele Dörfer rings herum schwere Schäden nahmen. Striesen etwa brannte einschließlich der Windmühlen bis auf drei Häuser nieder. Beleuchtet wird auch die Zeit zwischen November 1813 und Juni 1815, als Sachsen erst russisches, dann preußisches Generalgouvernement war - bis König Friedrich August I. dann in ein um die Hälfte des Territoriums verkleinertes Königreich zurückkehren durfte.

Hochwertige Leihgaben kommen aus der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Da wäre etwa der Sattel Napoleons, der deutliche Gebrauchsspuren aufweist und sich durch schlichte Eleganz auszeichnet. Auch ein Paar Reitstiefel von Napoleons Marschall Joachim Murat sind ein Blickfang. Die Stiefel stammen aus der persönlichen Schuhsammlung des Barons von Block. Es gibt ein Reiterbildnis Murats, geschaffen vom Maler Joseph-Boniface Franque, auf dem der schillernde Gefolgsmann Napoleons exakt solche Stiefel trägt.

Unbedingt einen Blick wert sind auch drei Zinnfiguren-Dioramen. Eines zeigt ein Karree des sächsischen Bataillons "Aus dem Winkel" in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt, wo die Sachsen an der Seite Preußens 1806 den Franzosen unterlegen waren.

Als Napoleon, der einstige "Sohn des Glücks" und General der Revolution, jedenfalls besiegt war, ist der Jubel in den meisten Ländern der groß. In Sachsen ist man zumindest froh, dass Frieden einkehrt. Einer der wenigen, die den Fall des Kaisers der Franzosen mit gemischten Gefühlen aufnehmen, ist Goethe, der sarkastisch notiert: "Wir sehen endlich wieder Kosaken / Die haben uns vom Tyrannen befreit, Sie befreien uns wohl auch von der Freiheit."

ibis 13. Oktober, geöffnet Di-So 10-18 Uhr, Fr bis 19 Uhr

Zu empfehlen ist der von Erika Eschebach und Friedrich Reichert, dem Kurator der Ausstellung, herausgegebene Katalog.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.06.2013

Christian Ruf

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