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Ausstellung im Dresdner Finanzministerium beschäftigt sich mit Künstlern im Grenzbereich der Medien

Ausstellung im Dresdner Finanzministerium beschäftigt sich mit Künstlern im Grenzbereich der Medien

Eng geht es zu in der Lichthalle des Sächsischen Finanzministeriums am Carolaplatz. Die Warschauer Kunstakademie und die 1994 gegründete Polnisch-Japanische Hochschule für Computertechnik präsentieren Ergebnisse ihrer seit 2005 andauernden Zusammenarbeit erstmals im Ausland.

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Quelle: Dietrich Flechtner

Dass unter der Überschrift "Medien-/Kunst aus Warschau" vor allem klassische bildnerische Arbeiten von Hochschullehrern den Raum dominieren, ja fast sprengen, mag auch den unvoreingenommenen Besucher irritieren. "Pinselstrich vs. Megapixel" ist wohl dann auch mehr als eine Selbstbehauptung der klassischen Genres im Zeitalter der multimedialen "Flutungen" zu verstehen.

Nicht nur im Bereich des Animationsfilms sind bildkünstlerische Fertigkeiten immer schon unverzichtbar - Kostproben sind unter anderem von Daniel Szczechura und Jacek Rokosz in den Nischen auf Bildschirmen zu sehen. Das Gleiche gilt für die Computergrafik und die Plakatgestaltung, die ja in Polen eine international herausragende Tradition hat. So sind es vor allem Maler, Grafiker, Bildhauer und Fotografen auch aus der Kunstakademie, die ihre handwerklich-bildnerischen Erfahrungen den Studenten der Hochschule für Computertechnik vermitteln.

Doch konsequent computergestützte Arbeiten sind in der Ausstellung kaum präsent. Einzig der Informatiker Krzysztof Kalinowski versucht, mit drei ausgedruckten Kostproben seiner "gerechneten" Animationen den Spielraum zwischen architektonischen Oberflächen und freier, wie Lithografie anmutender Grafik zu erkunden. Auch die Videoarbeiten von Anna Klimczak und Ostoja Linski experimentieren auf interessante Weise im Grenzbereich zwischen analoger und digitaler Bildfindung. Der Fotograf Thomas Myjak ist mit poetisch anmutenden Arbeiten präsent, die ebenfalls einer eher multimedialen Haltung verpflichtet sind. Der bekannte Veteran der angewandten Grafik, Stanislaw Wieczorek, zeigt informelle computergrafische Arbeiten als feines Farbspiel komponierter Quadrate. Eigenwillige Synthesen aus typografischer, bildnerischer und computergenerierter Arbeit entwickelt Eva Satelecka mit ihren Werken zwischen Schrift und dramaturgischem Raum.

In dem von der bildenden Kunst dominierten Raum heben sich die Gemälde von Piotr Nowinski und Artur Krajewski hervor. Die Arbeiten der jungen Künstler bewegen sich im Kontext internationaler Strömungen und sind zugleich Ausdruck ganz persönlicher existenzieller Erfahrung. Krajewski zeigt gekrümmte Positionen nackter menschlicher Existenz mit einer farbkräftigen, abstrakt-expressiven Anmutung. Nowinskis Werke erinnern auf den ersten Blick an "Heimatbilder". Doch seine Kindheits-Landschaften irritieren in ihrer grellen Farbigkeit und Plastizität.

Insgesamt handelt die Ausstellung mehr von der Schwierigkeit, Brücken zwischen klassischen bildnerischen Haltungen und einer genuin künstlerischen Arbeit mit neuen Medien herzustellen. Eine wirklich qualitative Transformation zwischen analoger und digitaler Kunst erfordert ein tieferes Eindringen in die ästhetischen Möglichkeitsräume von Netz- und Computertechnologien. Beispielhaft stehen dafür der in Chemnitz geborene Carsten Nicolai sowie der aus Dresden stammende Ulf Langheinrich (Granular_Synthesis). Beide weltweit präsentierten Künstler haben ihre Wurzeln in der bildenden Kunst und schöpfen den "Geist des Künstlerischen" auf eigensinnige Weise aus einem tiefen Verständnis von technischen Prozessen. Im letzten Jahr waren sowohl Nicolai als auch Langheinrich zur Medienkunst-Bienale in Montreal mit großräumigen, Arbeiten vertreten.

Die in Zusammenarbeit mit der Sächsischen Akademie der Künste vom polnischen Kulturinstitut in Leipzig initiierte Ausstellung soll vor allem Möglichkeiten der Zusammenarbeit auch mit hiesigen Hochschulen, allen voran der Dresdner Kunstakademie (HfBK) erkunden. Die Tradition der polnisch-sächsischen Verbindungen, insbesondere der zwischen Warschau und Dresden, liegt politisch wie auch kulturell auf der Hand. Aber an diese lässt sich nicht durch einfache politische Willensakte anknüpfen, zumal in einer globalisierten Welt. Die derzeit in Dresden weilenden Warschauer Hochschullehrer und Studenten werden die unterschiedlichen Fachbereiche der HfBK besuchen. Ob sich daraus gemeinsame Projekte und Kooperationen ergeben, wird sich zeigen.

Eines haben wohl die beiden Kunstakademien gemein: Sie bemühen sich - in Dresden gibt es die Medien- kunstklasse und aktuelle Versuche, Querverbindungen zur Technischen Universität herzustellen - Brücken zwischen Kunst und neuen Technologien zu schlagen. Und beide Hochschulen machen dabei die Erfahrung, dass einfache "Begegnungen" zwischen bildender Kunst und Computertchnik nicht ausreichen, um in die Tiefe einer qualitativ anderen Dimension von medientechnisch basierter Kunst vorzudringen. Es ist eben nicht das Bildnerische, sondern das Prozesshafte der Selbst- und Weltwahrnehmung, das mit der Medialisierung tief in unseren Alltag eindringt. Von da aus lässt sich die Frage nach einer künstlerischen Transformation von der Position des Pinselstrichs wohl kaum beantworten.

Wer, wie in der Überschrift angekündigt, "Megapixel" in der Ausstellung sucht, wird diese auf jeden Fall nicht finden. Überhaupt sind Pixel seit dem Einzug des HD-Formats scheinbar kein Thema mehr. So handelt das wichtige Austauschprojekt unter Schirmherrschaft des polnischen Botschafters und des sächsischen Landtagspräsidenten mehr von den Möglichkeiten, den Computer als Werkzeug in die bildende und Filmkunst zu integrieren. Die Frage nach einer eigenen Ästhetik von digital basierter Kunst stellt sich sowohl in Warschau als auch in Dresden. Das Dresdner Festival Cynetart beschäftigt sich ja seit 1997 mit internationalen Tendenzen der Medienkunst. Dies vielleicht nicht zufällig jenseits des akademischen Kunstverständnisses.

iAusstellung bis 25. Juni im Lichthof, sächsisches Finanzministerium, Carolaplatz 1. werktags von 9 bis 18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.05.2013

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