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Ausstellung des Künstlerbundes zum Thema "Idylle" in der "Galerie 2. Stock" im Dresdner Rathaus

Ausstellung des Künstlerbundes zum Thema "Idylle" in der "Galerie 2. Stock" im Dresdner Rathaus

In diesem Jahr präsentiert das Dresdner Rathaus in seiner "Galerie 2. Stock" eine dreiteilige Ausstellungsreihe, die unter den beziehungsreichen Titeln "Idylle-Umbrüche-Wandlungen" laufen wird.

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Mit ihrem Fischstillleben "Im Glas" thematisiert Karola Smy die schweigsam-idyllische Welt der Fische (und der Menschen), aber auch die Enge, die oft damit verbunden ist. Repro: Heinz Weißflog

Nach einem Wettbewerb, den der Dresdner Künstlerbund auslobte, wählten elf Mitglieder des Ausstellungsrates 31 Werke von 25 Künstler/innen für die erste Ausstellung aus, die unter dem Thema "Idylle" steht, einem aus dem Griechischen stammenden Begriff (eydyllion), eigentlich zur Bezeichnung eines kleinen Gedichts oder Bildes, das zur Erbauung vorgetragen oder bei sich getragen wurde.

Als Hirtengedicht ist es in der klassischen und antiken Literatur bekannt. In der Malerei hat sich besonders die Klassik hervorgetan, die Bilder mit Hirten- oder Liebesszenen inmitten arkadischer Landschaften zeigt. Idylle - das ist der ungestörte Raum, in dem ein geborgenes und harmonisches Leben möglich wird. Dass es diesen Schutzraum nicht gibt, und wenn, dann nur partiell, bestätigt sich jeden Tag. In Zeiten globaler Katastrophen und Kriege, des Werteverfalls, politischer und sozialer Unsicherheit, übt das Ideale, eine Vorstellung des Menschen, eine große Anziehung auf jeden aus. Künstler haben das Glück, sich über ihr Werk mit ihrer Fantasie in das Reich der Schönheit und der Harmonie zu begeben, um aus der harten Realität zu flüchten und dem Grauen das Schöne entgegenzusetzen.

Die ausgestellten Arbeiten umfassen Themen wie Landschaft, Figur, Stillleben, Tier-und Fantasieszenen in verschiedenen künstlerischen Techniken, als Gemälde, Grafik, Collage und Fotografie. Eine glückliche und nach Themen geordnete Hängung stellt die Arbeit eines jeden in den Gesamtzusammenhang. Von Wandbogen zu Wandbogen ändern sich Stimmung und Charakter der Bilder: Olaf Ambergs bonbonfarbenes Ölbild "Herbst an der Elbe" bildet als Blickfang den Mittelpunkt eines Wandbogens zusammen mit den erdfarbenen heimischen Landschaften von Andre Uhlig und Heino Hellwigs an die konkrete Kunst erinnernden Flächenvereinfachungen von Ostseelandschaften.

Hans-Jürgen Reichelts Radierung "Der große Traum des Antiquars" (2005) erzählt von magischen Landschaften als Gleichnis auf die moderne dekadente Zivilisation. Sie hat ihre Wurzeln im Fantastischen und ähnelt der Traumwelt von Alfred Kubin. In dunklem, blau schimmernden Nebellicht, mystisch verborgen, liegt der "Lilienstein" von Rudolf Lipowski, ein kalt-braunes Massiv hinter einem weinroten Feld. Eine leicht abstrahierende Landschaft, mit der Spachtel von Maria Mednikowa sukzessive gebaut, überzeugt durch besondere kühle Farbigkeit, Strenge und Konsequenz. Mandy Friedrichs "Gartenhaus" dagegen hellt den Raum mit seinen frühlingshaften Farben auf und schafft eine Traumidylle aus Rot, Gelb und Grün.

Impressionen von Claude Monets Lebensmittelpunkt, dem französischen "Giverny", hat Carsten Gille nach einer Reise in einem Ölbild verarbeitet: Der helle, ultramarinblaue Fluss und die dichte Vegetation ergeben eine Orgie aus Blau und Grün. Daneben finden sich Jürgen Barths minimalistische Papierklebestücke mit Umsetzungen von Naturerlebnissen in klaren Formen und frischen Farben.

Auf Konrad Maass Ölbild "Amalfiküste" ist ein antiker Tempel zu sehen, der als Kiosk benutzt, eine ironische Anspielung auf Urlaub und Kommerz in Italien ist.

Von Sorrent erzählt eine Farbradierung von Hartmut Trache mit stark strukturierten Hügelketten in Ocker und dunklem Ultramarin. Die schwarz-weiße, mit dem Bleistift fein gestrichelte Struktur unspektakulärer Landschaften von Franziska Hesse führt in leicht abstrahierte, durch Linie und Schraffur verlebendigte Bildräume. Rita Geisslers "Winterlandschaft" atmet die Stille eines Waldstückes am Bach, erzielt mit wenigen Strichen große Wirkung.

Die beiden Collagen "Das Leben spielt" von Anette von Bodecker-Büttner vereinen verschiedene Versatzstücke aus der Welt des Orients, scheren-und fahnenähnliche Formen mit dem Zeichen des Mondes, während Gudrun Trendafilovs in tiefdunkles Blau getauchtes Liebespaar mit folkloristischem Federschmuck archaische Gefühlswelten und eine große Sehnsucht ausstrahlt.

Auch eine Collage von Jeanette Mörz spielt auf Wünsche und Begehren im Zustand des vergeblichen Verliebtseins an. Das "Liebespaar unter blühendem Kirschbaum" von Heinz Werner ist ein heiteres und luftiges Paradiesstück, während Angelika-Christina Bróska mit ihrer Mischtechnik "In den Paradiesen der Wildnis" einen Blick in einen tropischen Urwald wirft. Wolfgang Smy idealisiert die Musik und überträgt die Figur ins Serielle, in die schnurgerade Anordnung geklonter Violinisten. Karola Smy bemüht mit ihrem Fischstillleben "Im Glas" die schweigsam-idyllische Welt der Fische (und der Menschen), aber auch die Enge, die oft damit verbunden ist.

Die Tieridylle greift auch Ines Westenhöfer auf: Ihr Schnappschuss "Ziegenidyll", während eines Indienaufenthaltes entdeckt, vereint Komik und Würde und gibt Einblick in ein kulturell bedingtes, anderes Verhältnis zum Tier.

In seinem Ölbild "Die Wunderflasche" zelebriert Michael Dobbelt wie gewohnt eine surreale Szene mit Plüschtier und Viole, während die Radebeuler Fotografin Gabriele Seitz das ausgelassene Spiel von Kindern auf einem Spielplatz mit der Kamera beobachtet hat. In seiner Collage "Il Penseroso"=der Sinnende (für Picasso; "iberische Suite Nr. 22") montierte Jürgen Schieferdecker Teile von Picassos Bild mit Fotografien von seinen Spanienreisen, darunter die Kulisse einer andalusischen Kakteenberglandschaft.

Bis 11. Mai, Galerie 2. Stock, Rathaus Dresden, Dr.-Külz. Ring 19, 01067 Dresden. Kontakt: 4 88 26 94 oder www.dresden.de, geöffnet: Mo-Fr 9-18 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.04.2012

Heinz Weißflog

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