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Ausstellung der Künstlerin Tanja Pohl in der Landesärztekammer

Ausstellung der Künstlerin Tanja Pohl in der Landesärztekammer

"Erbmasse" heißt das museumsreife, 2014 geschaffene Hauptwerk einer gleichnamigen Ausstellung. Das derzeit in der Sächsischen Landesärztekammer gezeigte Gemälde der 1985 in Lengefeld/Vogtland geborenen Künstlerin Tanja Pohl punktet mit beeindruckendem Format und malerischer Qualität.

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Tanja Pohl. Rosamunde. 2003, Öl auf Leinwand

Quelle: Tanja Pohl

Vor dem Betrachter breitet sich, einer riesigen offenen Grube gleich, ein tief gestaffelter, in differenzierten Grau- bis Schwarztönen gehaltener Raum aus. Dieser scheint terrassenförmig in unendliche Tiefe, den Kern der Erde, vorzustoßen, aus dem wie aus dem "Auge" eines Vulkans ein Glühen dringt. An der einen oder anderen Stelle scheint Glut ausgetreten zu sein, wie leuchtende Farbakzente in der grauen Einöde, über die sich ein bleierner, unheilvoll wirkender Himmel spannt, vermuten lassen. Die Komposition erinnert oberflächlich besehen an einen geheimnisvollen Tagebau, der allerdings noch viel gewaltiger und bedrohlicher wirkt als deutsche Braunkohlentagebaue.

Die vom Menschen verursachten Verletzungen, aber auch, dass die Natur sich mit einem gewissen Maß an Unberechenbarkeit gegen menschliches Tun, gegen die besonders seit der industriellen Revolution übliche Aneignungsweise der Natur "wehrt", scheinen dem Bild inhärent. Die Frage nach dem Wechselverhältnis Mensch - Natur ist ganz offensichtlich Tanja Pohls Thema.

Sie begibt sich dorthin, wo die industrielle Produktion der Landschaft ihren Stempel aufgedrückt hat, wo aber zugleich sichtbar wird, dass die traditionelle Industrie an ihre Grenzen gekommen ist. Die Künstlerin führt den Betrachter in die Welt der verlassenen Produktionsorte. Dabei interessiert sie vor allem, was mit diesen geschieht, wenn sie verlassen bleiben. Sie registriert, wie die Natur sie sich zurückholt. Eindrücke dieser Art konnte die Künstlerin nicht zuletzt in ihrer engeren Heimat, dem Vogtland, sammeln, wo der gesellschaftliche Umbruch von 1989 eine weitgehende Stilllegung der heimischen Industrie mit allen ihren Folgen einschloss. Allerdings ist dies auch hier kein ganz neuer Prozess. Erinnert sei an den schon längst beendeten Bergbau.

In Tanja Pohls Arbeiten spürt man zugleich aber auch eine gewisse, vom Technischen und seinen Rudimenten ausgehende Faszination. Die in Bildern und vor allem Grafiken sichtbar gemachten mächtigen Strukturen strahlen etwas Faustisches aus. Schließlich ist es ja auch der Mensch, der die gewaltigen Maschinen, Schiffe und Industrien hervorgebracht hat. Produktivem wohnt Destruktives inne, aus Destruktivem können ebenso - was ist der Preis? - neue Möglichkeiten wachsen. Tanja Pohl reflektiert künstlerisch die durchaus offene Frage, wohin der Mensch der Gegenwart unterwegs ist. Dabei macht sie - ohne jeden Anklagegestus - die Gefährdung sichtbar, für die er mit seinem Tun verantwortlich zeichnet. Hier sollte man auch ihre sperrigen Köpfe, eher Kopflandschaften, erwähnen, die ebenfalls diese innere Widersprüchlichkeit zeigen. Man spürt, die Künstlerin fühlt sich selbst als Teil dieses Ganzen.

Das wird nicht zuletzt in ihrem gewählten Arbeitsumfeld mit den "Zwei alte(n) Lagerschuppen" (Tiefdruck auf Bütten, 2013) deutlich, befindet sich ihr Atelier doch in einem umgenutzten Fabrikgebäude der einst für ihre Stoffe bekannten Textilstadt Greiz. Die Räumlichkeit strahlt Ähnliches, Industrielles, wie ihre Arbeiten aus. Manchmal schallen aus diesem Atelier zudem entsprechende Klänge. Dann jazzt Tanja Pohl mit anderen. Sie ist eine Künstlerin mit breit aufgestellten Interessen, macht Performances, arbeitet plastisch mit Fundmaterialien. Ihre Hauptfelder aber sind Grafik und Malerei.

Tanja Pohl ist eine exzellente Radiererin. Sie nutzt deren unterschiedliche Verfahren variabel, kombiniert sie häufig, bezieht Collage und Decollage ein. Partiell setzt sie neben Schwarz-Weiß auf weitere Farben - mal ein Rot oder auch ein giftiges Gelb. Oft "spielt" sie mit einem Motiv, so dass neue Bildzusammenhänge entstehen. In ihrer Malerei zeigt sie einen ähnlichen, mit konstruktiven Linien und Elementen angereicherten Duktus. Farblich setzt die Künstlerin zum häufigen, differenzierten Grau/Schwarz bildnerisch und inhaltlich bedeutsame Kontraste mit leuchtenden Rot-, Orange-, Grün- und/oder Blautönen. Schöne Beispiele sind außer der erörterten "Erbmasse" die ebenfalls in der Ausstellung gezeigten Werke "Rosamunde", "Zirkuspferd", "Moloch" oder "Vor der roten Mauer" (alle 2013).

Tanja Pohl ist eine der bemerkenswertesten Absolventinnen der Hochschule für Bildende Künste Dresden der letzten Jahre. Schon seit frühester Jugend hat sie intensiv an ihrer künstlerischen Ausbildung gearbeitet. Folgerichtig führte sie 2005 ihr Weg an die Dresdner Akademie, wo sie 2010 bei Elke Hopfe ihr Diplom machte und anschließend bei dieser und bei Christian Macketanz ein Meisterschülerstudium bis 2013 dranhängte.

Dass ihre Kunst ob ihrer kraftvollen Ausstrahlung Aufmerksamkeit erregt, zeigen eine Reihe Stipendien und Preise sowie Ausstellungen und Messeteilnahmen, ebenso Ankäufe, etwa durch die Kulturstiftung des Freistaates. Tanja Pohls Kunst charakterisieren ein hohes Können und große Ehrlichkeit. Grundlage dafür ist auch, dass sie - anders als viele ihrer Altersgruppe - unermüdlich vor Ort zeichnet. Das Erleben der Dinge, denen sie Ausdruck geben will, und der erste Zugriff mit dem Zeichenstift auf entsprechende Orte und Gegebenheiten, ist erste Voraussetzung, um die Qualität zu erreichen, die ihre Arbeiten ausstrahlen.

Bis 21. September, Mo bis Fr 9 bis 18 Uhr. Sächsische Landesärztekammer, Schützenhöhe 16; www.slaek.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.09.2014

Lisa Werner-Art

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