Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Ausstellung "back in black" in der galerie drei

Ausstellung "back in black" in der galerie drei

"back in black" nennt Susan Donath ihre Ausstellung in der galerie drei, was so viel bedeutet wie "zurück in Schwarz". Manchen wird der Titel bekannt vorkommen, denn genauso hieß das 6. Studioalbum der australischen Hard-Rock-Band AC/DC, das 1980 veröffentlicht wurde.

Voriger Artikel
Politschelte von HG Butzko in der Herkuleskeule
Nächster Artikel
Kölner von Spar mit Album "Streetlife" im Beatpol

In "Snow White with Brown Sugar und Black Mamba" zeigt Susan Donath überhöhte Frauenrollen anhand von Barbie-Puppen.

Quelle: galerie drei

Wie die Bandmitglieder trägt Susan Donath keine rosarote Brille, mit der sie sich die Realität schön sieht. Sie macht sich nichts vor, sieht die Tatsachen, mit denen sie konfrontiert ist, will sich erinnern, wo andere nur schweigen möchten, und stellt unbequeme Fragen. Ohne schwarz zu malen, weiß sie die Endlichkeit allen menschlichen Begehrens, sieht sie die Abgründe menschlicher Handlungsweisen, rüttelt sie am kollektiven Gedächtnis und kommentiert sinnlich, poetisch, mitunter radikal, was ihr aufgefallen ist, was sie beunruhigt.

Dabei fällt sie niemals aus der Zeit. Sie ist mittendrin und begehrt auf, indem sie ganz einfach handelt. Sie verspricht sich nichts davon, unangenehme Dinge einfach unter den Tisch zu kehren, wie es die Eltern- und Großelterngeneration so oft getan hat.

Oft stellt sie sich auf die Seite derer, die ausgegrenzt werden, macht sichtbar, was für viele doch bitte schön für immer unsichtbar bleiben sollte, um nicht etwa Stellung beziehen zu müssen. Das ist eine durchaus mutige Position, mit der man nicht nur Lob und Anerkennung erntet, sondern angreifbar wird.

Susan Donath denkt mit archetypischen Symbolen über das Leben nach und grenzt dabei das Sterben nicht aus. Seit längerer Zeit schon hat sie Elemente der Sepulkrakultur, der Sterbekultur, in ihre Kunst übernommen: Perlenkränze, den Sarg, die Urne, wobei sie jedoch mit den Bedeutungsebenen spielt. Tod ist nicht nur Sterben, sondern bedeutet auch Abschied, ein Kranz ist nicht nur Grabschmuck, sondern auch Siegerkranz. Drei Kränze, aus mattierten künstlichen Weintrauben gewunden, tragen den Titel "Schwarz-Rot-Gold". Eine Verbindung zu Deutschland liegt nahe, doch die Weintraube ist auch das Symbol für Jesus, für Kindersegen, für Tod und Auferstehung und für das Märtyrertum. Die Assoziationskraft des Betrachters ist immens gefordert. Susan Donath macht es uns nicht leicht.

Sie ist ganz einfach eine überaus wache und wachsame Zeitgenossin, die sich Zeitphänomenen stellt, die mit Materialpoesie, suggestiven Installationen und unerhörten Zusammenstellungen das Wirkliche in mehreren Dimensionen zeigt, Klischees und Sehgewohnheiten hinterfragt. Und so ist es nur folgerichtig, dass sie, wenn sie damit persönlich konfrontiert wird, auch zu Pegida Stellung bezieht oder zum Nationalismus in Frankreich.

1979 in Apolda geboren, studierte sie von 2000 bis 2005 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Prof. Bosslet Bildhauerei. Es schloss sich bis 2007 ein Meisterschülerstudium bei Prof. Sery an. Nach dem Studium wurde ihr immer mehr bewusst, dass in unserer Gesellschaft, die immer noch von patriarchalischen Strukturen geprägt ist, die gesetzlich fixierte Gleichberechtigung und Toleranz Frauen gegenüber in der Realität doch ganz anders aufgefasst wird. Sie begann, das tradierte Rollenverständnis kritisch zu hinterfragen, und arbeitete das in einer inszenierten Grablegung von Schneewittchen auf, einer installativen Arbeit, die sich ständig veränderte. Schneewittchen zu begraben, heißt das etwa, die Märchenstunde ist vorbei? Heißt es, man kann nicht bestehen in der heutigen Zeit, wenn man schön und gutmütig, lieb und hörig ist, ganz einfach macht, was andere sagen? "Um Schneewittchen trauern sieben Zwerge, die Tiere des Waldes, Kinder, die ihre Geschichte kennen, Erwachsene, die ihre Geschichte rührt. Wir nehmen Abschied von Schneewittchen." Ironie schlägt oftmals in Sarkasmus um. Der Wahrheitsgehalt, der offenbar wird, macht sprachlos.

In einer anderen Arbeit entwarf die Künstlerin eine Urne mit der Aufschrift "Stasi-Akten der Familie Donath". Ob dem wirklich so ist, sei dem Betrachter zu glauben anheim gestellt. Auf jeden Fall wird offensichtlich, dass sich die Künstlerin auch mit Familiengeschichte auseinandersetzt und diese in den Kontext des kollektiven Gedächtnisses stellt.

Immer wieder ist es der männliche Blick auf die Frau, der diese erniedrigt und demütigt, dem die Künstlerin nachstellt. "Snow White with Brown Sugar and Black Mamba". Der Titel diese Arbeit, die hier in der Ausstellung zu sehen ist, klingt wie eine Menüabfolge. Die üblichen Frauenrollen überhöhte Susan Donath exemplarisch mit Barbiepuppen, die sie künstlerisch verwandelte und mit schlüssigen Attributen versah: die Braut mit weißen Lilien, Symbol von Reinheit, Märtyrertum und Tod, die Hure, modisch und chic, die Pflegerin und Mutter, rein gewaschen mit Ariel. Alle drei befinden sich auf gleicher Ebene, in gleicher hierarchischer Ordnung, wobei die Hautfarbe immer dunkler wird, mit zunehmender, dienender Funktion.

"Für A." ist eine Installation, mit der man in der galerie drei empfangen wird. Ein schwarzer Kranzrohling hängt an der Wand, ein Arbeitstisch steht darunter, auf dem sich in den Farbnuancen von Blau über Weiß bis Rot Perlen in Schachteln befinden, aus denen Blumen gefertigt werden, die einer symbolischen, aber auch einer moralischen Bedeutung folgen und auf den Trauerkranz verwoben werden.

Hiermit lehnt sich Susan Donath an die Tradition im Elsass und Süddeutschland im 19. und frühen 20. Jahrhundert an, natürliche Blumengestecke zu Allerheiligen durch Perlengestecke zu ersetzen. Susan Donath bekennt sich zu einem romantischen Hintergrund, zu einer Liebe für Details, zu einer Ästhetik, die einem mitunter den Atem nimmt, zu hintergründigem Humor, zu pathetischer Üppigkeit und zu einer sozial determinierten Ernsthaftigkeit. Sie hinterfragt negativ besetzte Tatsachen und versucht sie in ein ästhetisch ansprechendes Bild zu bringen. Man ist im ersten Moment von der Schönheit fasziniert, erst später mündet die Schönheit in Fragen. Auch das Hässliche, Unangenehme gehört zum Leben dazu, wie der Tod.

bis 18. April, galerie drei, Prießnitzstraße 43, 01097 Dresden, geöffnet: Mittwoch bis Freitag 15 bis 18 Uhr, Sonnabend 12 bis 14 Uhr/ KünstlerInnengespräch, am 11. April um 12 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.04.2015

Karin Weber

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr