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Ausstellung "Zeitenwende" zu früher Druckgrafik im Dresdner Kupferstich-Kabinett

Ausstellung "Zeitenwende" zu früher Druckgrafik im Dresdner Kupferstich-Kabinett

Hartwig Fischer, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, nannte die neue Ausstellung "Zeitenwende" bei der gestrigen Pressekonferenz einen "Traum"; Bernhard Maaz, Direktor des Kupferstich-Kabinetts und der Galerie Alte Meister, sprach, auf die blaue Wandtönung anspielend, gar von einem "Traum in Blau".

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Andrea Mantegna: Kampf der Meeresgötter (linke Hälfte), Mitte 1470er Jahre (?), Kupferstich.

Quelle: Herbert Boswank

Ob "Traum" oder "Traum in Blau" - die gezeigten 100 Werke gehören zum wertvollen Bestand an der Wende von der Spätgotik zur Renaissance entstandener Druckgrafik aus Italien und den Niederlanden. Zeitlich handelt es sich um eine Periode, deren Ende um 1530 etwa mit der Gründung der Kunstkammer in Dresden zusammenfällt, die gewiss schon frühe Druckgrafik beherbergte.

War bisher vor allem der Bestand deutscher Druckgrafik dieser Zeit bekannt - Max Lehrs hatte ihn im mehrbändigen Werk "Geschichte und kritischer Katalog des deutschen, niederländischen und französischen Kupferstichs im 15. Jahrhundert" publiziert -, folgt nun ein weiteres Forschungsschwergewicht und Basis des aktuellen Ausstellungs-"Traums". Gundula Metze und Tobias Pfeifer-Helke haben die frühe italienische beziehungsweise niederländische Druckgrafik in jeweils einem Bestandskatalog verankert. Möglich wurde dieses, die Kunstsammlungen, wie angestrebt, erneut als Forschungsstandort ausweisende Ergebnis dank der Ernst von Siemens Kulturstiftung.

Dass Metze und Pfeifer-Helke nicht voraussetzungslos agierten, machen sie in einer Ausstellungsvitrine deutlich: Sie zeigt Katalogisierungen Johann Heinrich von Heuchers, der 1746 ein gesondertes Verzeichnis der Werke auf Papier des 15. und 16. Jahrhunderts vorlegte, sowie Schriftliches von Carl Heinrich von Heineken. Auf dessen Erkenntnis, dass die Druckgrafik im Norden früher aufkam als im Süden, stützt man sich bis heute. Die Anfänge des Kupferstichs - erste Holzschnitte hatte es schon um 1380 gegeben - datieren 1420 im Rheintal, zehn Jahre später etwa in den Niederlanden und um 1460 in Italien.

In der Schau kann man den ältesten niederländischen Kupferstich aus dem Kabinett bewundern: eine "Steinigung des heiligen Stephanus" aus den 1440-er Jahren. Auch aus dem ersten Jahrzehnt der italienischen Stecherkunst, 1460/70, gibt es ein Blatt. Es bezieht sich auf die Vergilslegende. Bei den italienischen Drucken fällt die über die christliche Problematik hinausgehende Ausweitung der Themen auf. Beispielhaft dafür ist eine Vorbildersammlung aus Norditalien, die sogenannten Tarock-Karten des Mantegna. Auch zwei Blätter der 1481 in Florenz entstandenen illustrierten Ausgabe von Dantes "Göttlicher Komödie" verdeutlichen dies. Ein interessanter Aspekt: Die frühesten Kupferstecher waren oft Gold- und Silberschmiede, benutzten Kupferstiche - durchaus auf die Bildwirkung bedacht - als "Reklameprospekte", von denen einige zu bewundern sind.

Häufig begegnet man einem Namen (sonst gibt es auch viele "Notnamen"): dem auch in der Galerie verankerten Andrea Mantegna. Während den "Triumph Caesars" andere Stecher umsetzten, gelten zwei "Bacchanale" und der "Kampf der Meeresgötter" als sein Werk. In Arbeiten wie diesen wird das intensive, für die Renaissance typische Antikenstudium deutlich. Dies zeigt beispielhaft auch der "Kampf der nackten Männer" von Antonio Pollaiuolo. Den Italienern nicht nach steht die "Sintflut" des Niederländers Dirk Vellerts - nicht zuletzt ein Beispiel für den zunehmenden Kunsttransfer zwischen Nord und Süd. Für den umgekehrten von Süd nach Nord ist Jacopo di Barbari ein Beispiel, der als Hofkünstler in Nürnberg, Sachsen und den burgundischen Niederlanden wirkte. Den Abschluss der Ausstellung markieren Arbeiten, die die Grenzen des klassischen Kupferstichs überschreiten, etwa mittels Punktiertechnik erzeugte Flächentöne zeigen (Giulio und Domenico Campagnola). Bald entstanden in den Niederlanden auch von der Hand Dirk Vellerts die ersten Radierungen (1522).

Gegen sonstige Gewohnheit wird diesmal der Blick absichtsvoll in den Schlosshof gelenkt, orientieren sich die dort an den Wänden sichtbaren Sgraffito-Arbeiten doch am Bildprogramm der frühen Druckgrafik. Damit in der Schau die Orientierung leichter wird, zeigt ein "N" den niederländischen und das Wort "Roma" den italienischen Ursprung der Arbeiten an.

bis 19. Januar 2014, geöffnet täglich 10 bis 18 Uhr, Di geschlossen

Katalog pro Band 19,95 Euro (zusammen 34,95 Euro)

Information zu Führungen und Vorträgen über besucherservice@skd.museum oder Tel. 4914 2000

www.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.10.2013

Lisa Werner-Art

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