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Ausstellung „Von Bank zu Bank“ von Irene Wieland in der galerie drei

Eins zu sein mit sich und der Natur Ausstellung „Von Bank zu Bank“ von Irene Wieland in der galerie drei

In der galerie drei der Dresdner Sezession 89 e.V. wird die Ausstellung „Von Bank zu Bank“ von Irene Wieland gezeigt. Die Arbeiten verraten eine sensible Beobachtungsgabe der Phänomene in der Natur und geben einfühlsam atmosphärische Erscheinungen wieder.

Irene Wieland. Erblüht. 2016

Quelle: galerie drei

Dresden. Man betritt die Galerie drei und ist erstaunt, setzt sich auf die Bank und möchte Vögel zwitschern hören, den Wind auf dem Gesicht spüren und die wärmenden Sonnenstrahlen des Tages, an dem Irene Wieland Pappelholzplatten auf die Wiese legte, um mit Acryltusche und ohne Vorzeichnung, mit dem Pinsel in der Hand, ihre Wahrnehmung auszuleben, diesen flüchtigen Moment von Glück, eins zu sein mit sich und dem Naturerlebnis. Man sieht an der Wand eine monumentale vierteilige Arbeit. Wenn man genauer hinschaut, dann bemerkt man auch, dass die hölzerne Oberfläche, die immer wieder durchscheint, mit dem Schnitzmesser bearbeitet wurde, einzelne Strukturen sich als plastische Vertiefung ausmachen lassen.

Man spürt eine stille Andacht, abseits alltäglicher Neurosen. Berauscht von der Naturbetrachtung, die Irene Wieland seit Herbst 2015 von Bank zu Bank in Dresden und seiner unmittelbarer Umgebung wandern lässt, entdeckte sie für sich die Pleinairmalerei neu. Sie war fasziniert von den atmosphärischen Stimmungen, dem Licht, den wechselnden Witterungsbedingungen, dem Verwelken und Erblühen und der Wiedergabe dieses intensiven Augenblicks einer vollkommenen sinnlichen Verschmelzung mit dem Gesehenen. In der Natur kann man ein Gefühl der Ermutigung erfahren, ein Gefühl innerer Klarheit und Ruhe finden, aber auch in Melancholie schwelgen. Die Arbeiten der Künstlerin haben darüber hinaus nichts Beschönigendes einer verklärenden Naturseligkeit an sich. Es handelt sich auch nicht um eine Spielart von Heimatmalerei. Die Arbeiten könnten an jedem Naturort entstanden sein.

Sie verraten eine sensible Beobachtungsgabe der Phänomene in der Natur und geben einfühlsam atmosphärische Erscheinungen wieder, wobei sich die Ursprünglichkeit einer Freiluftmalerei mit der Widerspiegelung innerer Visionen verbindet und im Ausschnitt mit der künstlerische Gabe, zu abstrahieren. Es ist ein Genuss, der Linie zu folgen, dem Pinselstrich, der sich nicht an naturalistischen Details festhält, sondern der Gesamtheit Ausdruck verleiht.

Man kennt Irene Wieland mit der Linie fabulierend, mit der sie einen märchenhaften, ursprünglich-archaischen Kosmos von wuchernden Gewächsen, schwellenden Formen in idyllischen Paradiesgärten konturiert, Tagträume in einem farbenfrohen, endlosen Gewimmel unerhörter Symbiosen von Mensch, Tier und Pflanze. Neben der Zeichnung hat sie für sich als Ausdrucksmittel auch eine besondere Form des Papierschnittes entdeckt und zwar den sogenannten Cutterschnitt. Mit dem Cuttermesser werden filigrane Strukturen in die Oberfläche von Passepartoutkartons geschnitten, die abgezogen werden können, so dass sich Schicht um Schicht eine reliefartige Binnenzeichnung entwickelt. Irene Wieland beherrscht diese Art der Schöpfung auch in der dritten Dimension. Wenn sie die Rohrfeder aus der Hand legt und zu Feile und Messer greift, entstehen wundersam raumgreifende vegetabile Objekte aus PU-Schaum oder Flachfiguren aus Aluminium.

Und wer aufmerksam durch die Ausstellung von Bild zu Bild, von Bank zu Bank wandelt, wird feststellen, dass sich mit den Bildern auf Pappelholz ihr bildnerischer Kosmos schließt. Der grafische Akzent wird durch eine freie, leichte malerische Sicht erweitert. Die Handschrift an sich, ist sozusagen eindeutig Irene Wieland zuzuschreiben. Faszinierend sind die Fernblicke, Durchblicke, der Blütenrausch, die Spiegelungen am Fluss, die von Bäumen gesäumten Wege, das Spiel mit Licht und Schatten, Schneelandschaften, ab und an schleichen sich auch Stadtlandschaften ein, kleine Begebenheiten des Draußenseins. Ausprobiert hatte sie das Malen auf Pappelholz bereits einmal in der Bretagne, als die Witterungsverhältnisse ein Zeichnen auf Papier nicht zuließen. Neben einer Tasche mit Pappelholzplatten gehören zu den Utensilien auch mit Wasser füllbare Pinsel, Pipetten mit Farben, Acryltusche und ein farbbeständiger russischer Aquarellkasten. Sie merkte, wie wertvoll jeder Moment ist und dass sich Veränderung in kürzester Zeit offenbart. Hier in der Ausstellung ist nur ein kleiner Ausschnitt des Bilderzyklus zu sehen. Wer mehr sehen möchte, kann sich auf eine Bank niederlassen und eine Diashow mit Bildern und den Bänken, von denen aus sie ihren Blick schweifen ließ, ansehen.

bis 9. Juli, galerie drei, Prießnitzstraße 43. Mi bis Fr 15 bis 18 Uhr und Sa 12 bis 14 Uhr

www.sezession89.de

Von Karin Weber

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