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Ausstellung "Region" mit Werken Olaf Holzapfels im Leonhardi-Museum Dresden

Ausstellung "Region" mit Werken Olaf Holzapfels im Leonhardi-Museum Dresden

Olaf Holzapfel (geb. 1969 in Görlitz), Absolvent der Hochschule für Bildende Künste Dresden (1996 bis 2001 Studium der Malerei bei Ralf Kerbach), zuvor Student der Architektur an der TU, gehört mittlerweile zu den international geschätzten Künstlern, vertreten von der Galerie Gebr.

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Olaf Holzapfel: Lichtbild Linien - Vertikale Ecke, 2012, Heu, Eschenholz.

Quelle: Flyer

Lehmann. Gastprofessuren in Karlsruhe und Hamburg (2006 bis 2010) bestätigen auf ihre Weise diese Entwicklung. Das "Versprechen" von Holzapfels Diplom - von der Architektur inspirierte, farblich fein abgestimmte, konstruktiv anmutende Bilder - war mehr als ein kurzes Aufleuchten. Mittlerweile gibt es ein breit aufgestelltes Werk aus Bildern, teils riesigen Computergrafiken, temporären, dekonstruierbaren Installationen, die von Erfahrungen in indischen Elendsvierteln und anderswo angeregt wurden, sowie das "Begreifen" herausfordernden, fließend geformten, farblich getönten Skulpturen aus durchscheinendem Polyester.

Derzeit widmet ihm das Leonhardi-Museum eine Ausstellung, die direkt für den Ort konzipiert ist. Das Thema der Schau ist die "Region", deren Landschaft, ihre Bauweisen und Materialien. Dabei geht es auch um eigene Wurzeln, die den gebürtigen Görlitzer Holzapfel möglicherweise mehr prägten, als er ursprünglich annahm. Der Ausstellungsort selbst, das Leonhardi-Museum, bietet sich auf seine Weise für eine solche Reflexion an, ist es doch selbst in wesentlichen Teilen - wie viele ländliche Häuser in Lausitz und Erzgebirge - eine Fachwerkkonstruktion ist. Letztere ist zentrales Element respektive Problemstellung in der Ausstellung, begleitet den Besucher durch fast alle Räume. Olaf Holzapfel verbindet eigene Arbeiten mit Modellen und Objekten aus anderen Quellen, um die ins Auge gefassten historischen und persönlichen Bezüge sichtbar zu machen.

So zeigt er im Erdgeschoss aus Museumsbestand Modelle alter Werkzeuge/Maschinen (vor 1800) aus der Bergakademie Freiberg, die auf einem Holzgerüst basierten, etwa zum Abstoßen und Rammen von Erdreich dienten und wohl von Menschen- oder Pferdekraft angetrieben wurden. Im einstigen Aquarellzimmer Leonhardis sind in Vitrinen Zeugnisse sorbischer Stickerei, kunsthandwerkliche Strohobjekte und dokumentierende, volkskundliche Bildbände platziert, darunter auch solche, die die Umgebindebauweise der Oberlausitz dokumentieren. Dieser Raum ist vielleicht auch Rückerinnerung des in Görlitz Gebürtigen an seine Kindheits- und Jugendjahre, an die damals im Umland gesammelten Seherfahrungen. Die Zusammenführung von Stickerei und Bauweise wiederum führt noch zu einem weiteren Verbindungssstrang: erinnert doch die Technik des Kreuzstichs, aus der die reichhaltigsten Muster entstehen, an miteinander verbundene, sich kreuzende "Balken", respektive Linien. Der Linie bedienen sich auch die hier mit verankerten konstruktiven Arbeiten Her-mann Glöckners. Im folgenden Raum, der den spätromantischen Bildern August Leonhardis gewidmet ist, hat der Künstler zahlreiche eigene gerüstartige Objekte postiert, die für Holzapfel "Häuser" (2012), aber auch "Trassen" (2012) oder etwa die "Küche hinter dem Atelier" (2010) assoziieren. Begleitet werden diese immer wieder an die Ständerbauweise erinnernden Arbeiten von Landschaftsfotografien Hermann Krones aus der "Region". Nicht zuletzt ist auch Leonhardis Malerei der Region verpflichtet.

Der Saal des Leonhardi-Museums bietet sich schließlich für eine raumgreifende Installation nahezu an. Und genau eine solche - ein aus Balken zusammen gefügtes Haus-"Gerüst" - hat er hier platziert und hat es "Industrielles Haus" (2012) genannt. Der Titel lässt an die Holzhäuser Poelzigs denken, die dieser einst in Niesky herstellen ließ. Ob dafür gedacht, bleibt dahin gestellt, aber das "Gerüst" ist so stabil, das man es betreten könnte, um daran zu arbeiten - etwa die Zwischenräume mit organischem Material auszufüllen, auf das dann möglicherweise Lehm oder eine Verschalung kommt. Als Material könnte das dunkel getränkte, dick geflochtene Heu dienen, das Holzapfel zu einem "Heubild Nr. 5" und anderen Objekten verarbeitet hat. Ihnen kann wohl nicht so schnell irgendetwas etwas anhaben. Im wahrsten Sinn des Wortes etwas Farbe bringen die zwei Querner-Aquarelle in den Saal, die Häuser aus Börnchen zeigen, etwa in der viel gerühmten "Gasse" (Gasse im Winter, 1975). Sie schließen auf ihre Weise den Bogen zur Realität, zu den regionalen Bezugspunkten. Gewiss: diese Schau ist ein wenig nüchtern. Gleichwohl ist sie überzeugend. Das Konzept, die Hinwendung zu den Quellen sichtbar zu machen, erschließt sich dem "mitgehenden" Besucher fast ohne Mühe, was in einer konzeptuell angelegten Schau nicht so häufig ist. Lisa Werner-Art

bis 30. Dezember, geöffnet Di-Fr 14-18, Sa/So 10-18 Uhr, geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember 2012 sowie am 1. Januar 2013, am 26. Dezember 14 bis 18 Uhr geöffnet

Katalog erscheint im Sandstein Verlag (29,90 Euro)

www.leonhardi-museum.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.12.2012

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