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Ausstellung: "KunstTherapie - ein Bild gebendes Verfahren" in Dresden

Ausstellung: "KunstTherapie - ein Bild gebendes Verfahren" in Dresden

Nicht nur die Dresdner Hochschule für Bildende Künste (HfBK) feiert ein Jubiläum - ihr 250. Auch der an ihr angesiedelte Aufbaustudiengang Kunsttherapie, seit gut zehn Jahren von Doris Titze geleitet, begeht sein 20. Jubiläum.

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In der Landesärztekammer werden derzeit Arbeiten gezeigt, die unter der Obhut des Studienganges KunstTherapie entstanden sind.

Quelle: HfbK

Dies ist Anlass, ihn unter dem Motto "KunstTherapie - ein Bild gebendes Verfahren" in der Sächsischen Landesärztekammer vorzustellen. Das Thema ist vor Ort zum zweiten Mal in dieser Form präsent, wurden hier doch vor einigen Jahren bildnerische Arbeiten von Patienten des Dresdner St.-Marien-Krankenhauses und des Sächsischen Krankenhauses Arnsdorf gezeigt. Gegenwärtig nun werden einige, unter Obhut von Mitarbeitern und Studenten des Aufbaustudiengangs - die mit einem Diplom endende zweijährige Ausbildung setzt ein künstlerisches Diplom voraus - realisierte Projekte präsentiert. Zudem werden zwei betreute Künstler vorgestellt.

Deren, die Aufmerksamkeit sofort herausfordernden Arbeiten begegnet der Besucher zuerst. Mark Lubins, geboren 1986 in Lettland und seit längerem in Dresden lebend, hat seit früher Jugend gemalt. Es war für den Autisten wohl eine wunderbare Möglichkeit, seine spezielle Sicht auf die Welt zum Ausdruck zu bringen. Der von der hiesigen Autismus-Ambulanz sowie einem ebenfalls aus der ehemaligen Sowjetunion stammenden Künstler begleitete junge Mann fällt mit farbkräftigen Gouachen auf, deren Szenerien an einen sonnigen Garten Eden mit vielen, teils personalisierten Tieren erinnern. Was auf den ersten Blick etwas naiv-märchenhaft wirkt, ist ein ungewöhnlicher Spiegel der Welt, in der es den alles entscheidenden Kampf zwischen Gut und Böse ebenso wie eine Sommerwiese als "Reich des Weißen Zauberers" oder die frühlingshafte Osterzeit gibt. Auch die "Eroberung der Neuen Welt durch die Konquistadoren" findet sich, aber auch Maori-Krieger oder allerlei Begebnisse in der sibirischen Taiga, dem Land des "guten Braunbären". Und da ist das "Land der Wasservögel, Wölfe und großen Fische" - die Oberlausitz hat die Phantasie von Mark Lubins schon beflügelt. Wenn vom Planet der Ratten, der Osterinsel oder anderen fernen Örtlichkeiten die Rede ist, scheinen auch Literatur und Film ihre Spuren hinterlassen zu haben.

Der ältere Johann Schrott (Jg. 1953), der lange Jahre als Ingenieur arbeitete, wurde zu Beginn der 1980er Jahre von einer psychischen Erkrankung ereilt, was zum Aufenthalt in Psychiatrien führte. Als er zu malen und zu zeichnen begann - seine Arbeiten mit Köpfen und Vogelwesen sind wohl häufig Selbstbilder -, war das eine Art Befreiung, die ihm half zu leben. Leider hatte er nicht immer diese Möglichkeiten, ja mittlerweile weiß man nichts mehr über ihn. Die Arbeiten stehen eigentlich dafür, dass es sich lohnt, Patienten auch mit Kunsttherapie zu stützen. Im Ergebnis geht es ihnen oft besser.

Gleichwohl ist die Betreuung psychisch Kranker nicht das einzige Arbeitsfeld von Kunsttherapeuten. Wie Kunsttherapie bei Alltagsproblemen unterstützen kann, zeigen zwei der Projekte, bei denen Schüler begleitet wurden. Es ging, anlässlich von Sanierungen, um notwendige, aber sicher etwas schwierige Umzüge. Das Kreuzgymnasium musste für einige Zeit nach Prohlis ausweichen. Der Aufbaustudiengang entwickelte dafür mit den Schülern das Körper-Bild-Projekt "Wir sind schon da". Jeder der "Umzügler" schuf von sich ein Körperbild, das ihn später im neuen Gebäude "empfing". Mit den Körperbildern erhielt das Interimsgebäude zugleich ein freundlicheres Gesicht. Den Kreuzgymnasiasten folgten die Schüler des Romain-Rolland-Gymasiums. In diesem Fall nahm jeder Beteiligte ein Stück von der "Heimatschule" mit - natürlich nicht im Original, sondern gestempelt, gezeichnet, gemalt. Auch diese Elemente verschönerten wiederum das Interim, machten es etwas heimisch. Genannt sei noch ein "Raumforschungsprojekt", das der Einbeziehung von Schülern in geplante Umbauten dienen könnte. Mittels Konstruktionen aus Pappe und Papier machten Schüler deutlich, was ihnen an einem Schulhaus wichtig ist.

Das alles ist interessant, gibt aber zwangsläufig nur einen kleinen Einblick in den Umfang kunsttherapeutischer Arbeit und die Breite der Ausbildung im Aufbaustudiengang KunstTherapie an der HfBk, der weitgehend mit Honorarlehrkräften gewährleistet wird. Kunsttherapie ist heute zunehmend - dies zeigen auch die Arbeitsbeispiele zu den Schulumzügen - im soziokulturellen Bereich relevant. Hinzu kommt die Arbeit mit Strafgefangenen. Hingewiesen sei abschließend auf die zahlreichen Publikationen, die aus dem Dresdner Aufbaustudiengang mittlerweile hervor gegangen sind. Darüber und anderes, etwa internationale Zusammenarbeit, gibt die die Ausstellung begleitende Ausstellungsmappe interessante Aufklärung.

Bis 20. Juli, Mo-Fr 9 bis 18 Uhr, Schützenhöhe 16, www.slaek.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.07.2014

Lisa Werner-Art

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