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Ausstellung "Have you seen the mountains" von Karen Weinert in Technischen Sammlungen

Ausstellung "Have you seen the mountains" von Karen Weinert in Technischen Sammlungen

Der gelbe Keil ist schon fremd genug in dieser bergigen Landschaft. Aber seine Anwesenheit tritt angesichts eines anderen Bildmotivs in den Hintergrund. Wie selbstverständlich steht sie da: eine Jacht.

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Karen Weinert: Aus der Serie "Have you seen the mountains".Repro: Künstlerin

Aufgebockt, als würde sie darauf warten, dass jemand auftaucht, um sie zu reparieren oder zu säubern. Irgendwo hoch droben in den Schweizer Bergen, im Engadin. Nichts ist absurder als die Realität.

Karen Weinert hat Dinge aufgespürt, solche und ähnliche und ganz andere, die nicht nur Dinge sind, sondern kleine Szenen. Der Ort spielt dabei keine Rolle, zumindest keine vordergründige. Der verfallene Pool, umrankt, fast umsponnen von Grün, ebenfalls vor einer Bergkulisse, könnte so auch ganz woanders vor sich hin dämmern. Weinert bildet nicht einfach Zustände ab, sie verweist auf Eingriffe von Menschen, auf Interventionen. Die können ganz verschiedene Gestalt in ihren Fotos annehmen: Architektur, Absperrzäune, Werbeplakate, Wanderwegbeschilderungen. Weinerts Fotos sind aber nicht leergeräumt von Menschen. Auch sie tummeln sich, wirken jedoch wie Fremdkörper in einer Landschaft, die von Menschen maßgeblich verändert, oft genug einfach nur verbaut wurde.

Weinert zeigt all das und noch mehr in der Ausstellung "Fotografie Plus" ab heute in den Technischen Sammlungen. Direktor Roland Schwarz ließ durchblicken, dass damit eine neue Ausstellungsreihe eröffnet werde. Sie soll künftig Positionen künstlerischer Fotografie aus Dresden und Sachsen vorstellen. Eine Gegenbewegung also zum Fotografie-Stipendium des Hauses, das den Blick von außen auf die Stadt richtet.

Die Künstlerin hat nicht nur ihre Bilder zur Verfügung gestellt, sie ist auch maßgeblich an der stellenweise installatorisch wirkenden Inszenierung der Ausstellung beteiligt. Es gibt nicht nur Fotografien in herkömmlicher Hängung, sondern auch Bildtapeten, wie man sie aus der Werbung kennt. Außerdem spielt der Raum eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ist schon der eigentliche Ausstellungsteil eine Raum-im-Raum-Situation, wurde dort hinein quasi noch ein Kämmerchen gebaut, das ein fotografisches Herbarium beherbergt. Und nicht nur das: Auch das Ewige einer Fotografie, das Negativ, wird dort zerstört. Unter dickem Glas können die Besucher ihre Schritte auf die Überbleibsel setzen.

Vielleicht findet sich trotzdem Ewigkeit bei Weinert, ein Hauch zumindest. Und wenn, dann ist er überraschend in dem verborgen, was die Künstlerin als äußerst vergänglich in Szene setzen kann: den einzelnen Moment. Das findet sich in der Serie "Was passiert, wenn nichts passiert?", wo ein Wartehäuschen in Medingen die Hauptrolle spielt, oder auch in den zwölf Fotos "5,80m", die die Außenwand des Dresdner Gefängnisses am Hammerweg zeigen. Die Wand wird, je nach Jahreszeit, überwuchert von Pflanzen. Das, was den Bau ausmacht, wird kaschiert.

Eben jenes kaschierende Element wiederum taucht auch in den Fotos aus den Bergen auf, bekannt als Reihe "Have you seen the mountains", mit der Weinert bereits mehrfach bei der DNN-Kunstauktion punkten konnte. Ähnlich wie in ihren Stadtansichten, die von Dresden bis in die Niederlande reichen, schiebt sich das Grün oft wie eine Art Schutz ins Bild, als wollte es die abgebildete Architektur umfließen, ummanteln oder die kleinen menschlichen Fremdkörper, ob Touristen oder Soldaten mit Marschgepäck, sanft tadeln. Selbst wenn Straßen und Lärmschutzwände in einem Foto hart aufeinandertreffen, als Keile auf den Beobachter zulaufen, lässt sich das Grün dazwischen nicht zurückdrängen. Man könnte meinen, Weinert hätte es an dieser Stelle nur für diesen Zweck gepflanzt. Das aber hat sie an einem anderen Ort tatsächlich getan: in ihrem Projektraum an der Bautzner Straße. Drinnen säte sie Rasen und fotografierte das botanische Ergebnis. Das Grün hat es ihr wohl angetan.

Torsten Klaus

bis 23. September, geöffnet Di-Fr 9-17, Sa & So 10-18 Uhr

www.tsd.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.06.2012

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