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"Ausrangiert": Pilotprojekt der HfBK Dresden und der Alten Feuerwache Loschwitz

Raus aus dem Schutzraum "Ausrangiert": Pilotprojekt der HfBK Dresden und der Alten Feuerwache Loschwitz

Beim Betreten des Ausstellungsraumes der Galerie Alte Feuerwache Loschwitz durchfährt einen ein leichter Schreck: Der Raum hat sich grundlegend verändert. Der Tisch mit den Katalogen und Flyern steht an anderer Stelle, die rechte Wandseite klafft leer und weiß.

Blick in die kleine Ausstellung mit äußerst unterschiedlichen Arbeiten.

Quelle: Heinz Weißflog

Dresden. Beim Betreten des Ausstellungsraumes der Galerie Alte Feuerwache Loschwitz durchfährt einen ein leichter Schreck: Der Raum hat sich grundlegend verändert. Der Tisch mit den dort immer präsentierten Katalogen und Flyern steht an anderer Stelle, die rechte Wandseite klafft leer und weiß. Genau gegenüber ist eine einzige Wand, fast spärlich, mit Arbeiten von elf Studenten der HfBK Dresden bestückt. Thema der Ausstellung: "Ausrangiert". Die weiße Wand wirkt, als ob einige Arbeiten bereits abgehängt wurden. Auch die gezeigten Blätter und Leinwandbilder scheinen darauf zu warten.

Und wirklich: Bei diesem Pilotprojekt zwischen den Studenten der HfBK Dresden und der Alten Feuerwache Loschwitz werden Arbeiten aus unterschiedlichen Medien gezeigt, die sonst, abgelegt, vielleicht in der Schublade verkümmern würden. Der das Projekt betreuende Professor Wolfram Scheffler hat ebenfalls seinen Teil beigesteuert: Einen Berg von verworfenen Zeichnungen und grafischen Blättern (Bitte nicht berühren!), der sich ein wenig abseits türmt. Auch die angesprochenen Arbeiten berühren längst fällige Problemlösungen und setzen sich kritisch mit konventionellen Sichtweisen und Moralvorstellungen zum Thema "ausrangiert" auseinander.

Die erste Ausstellung mit studentischen Positionen der HfBK Dresden ist in dieser Weise neu und vielversprechend: Die Studenten verlassen der gewohnten "Schutzraum" ihrer Hochschule und wagen sich auf das schwierige Terrain einer öffentlichen Galerie, testen sich und eignen sich Grundkenntnisse der Gestaltung und Präsentation in Ausstellungen an. Zugleich beginnt ein Prozess der Öffentlichmachung der noch im Entstehen begriffenen künstlerischen Befähigung. Dies geschah im Falle der Feuerwache-Ausstellung mit großer Neugier und Begeisterung seitens der Studenten. "Ausrangiert" ist eine nachdenkenswerte Ausstellung über die kritische Sicht von jungen Künstlern auf die gesellschaftliche Realität hierzulande und in der Welt.

Einige Arbeiten knüpfen direkt an das Thema an: Allen voran Katharina Franz mit ihrer schwarzen Tusche-Kohle-Gesso auf Leinwand, durch die mittenhindurch ein klaffender Riss geht und durch den man in die Konstruktion des Rahmens blickt. Anders dagegen sind ihre realistischen Bleistiftzeichnungen von weiblichen Akten, die einen Hauch Existentialität und Körperschönheit verbreiten. Ebenso intensiv sind die farbigen Monotypien von Ivo Krys mit androgynen Akten alter Menschen in seltsamer körperlicher Verschränkung von Frau und Mann. Geschichten von Flucht und Gewalt erzählt Lina Gause mit ihren Fineliner-Aquarellzeichnungen. Die einzige plastische Arbeit (sie steht fast verlassen auf dem Boden) stammt von Christine Wacker, die zerbrochene Tonfigur eines weiblichen Aktes. Sie präsentiert aber auch minimalistische Eddingzeichnungen. Anja Herzogs kleines Monster fährt auf stürmischem Meer (Mischtechnik) und droht unterzugehen. Flora Patrix' Tuschezeichnungen widmen sich dem ausgeräumten Raum mit Restinventar, der Absence, die nur mit wenigen konstruktiven Strichen auskommt. Benjamin Butter hat die Farbe seiner wasservermalbaren Stifte als zarte Verlaufsspuren über seine beiden Blätter laufen lassen. Seltsame Vogel-und Schmetterlingsmetamorphosen bevölkern die beiden Aquarellblätter von Cecilia Pape. Butterfly assoziiert skurrile Fensteraussichten und den Blick in den Fernseher, in dem ein Atompilz gezeigt wird. Naive Zeichnungen mit Interieurs und Figurationen auf Packpapier und im Miniformat hat Natalie Burgmann geschaffen. Schließlich zauberte Martin Paul Müller Hände in den Mittelpunkt seines geheimnisvoll dunkel gehaltenen Offsetdruckes.

bis 7. Februar, Alte Feuerwache Loschwitz, Fidelio-F.-Finke-Straße 4, Tel. 0351/267 86 26, So-Do 12-18 Uhr www.Feuerwache-Loschwitz.de

von Heinz Weißflog

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