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Ausnahmegeigerin MIdori gibt Konzert und Meisterkurs an Dresdens Musikhochschule

Ausnahmegeigerin MIdori gibt Konzert und Meisterkurs an Dresdens Musikhochschule

Sie ist eine der berühmtesten Geigerinnen der Welt, eine der wenigen, bei denen Superlative wie das Wort von der Ausnahmekünstlerin tatsächlich angebracht sind.

Wenn sie am heutigen Freitag im Konzertsaal der Musikhochschule aufspielt, dann ist dieser Abend zunächst einmal Bestandteil ihrer derzeitigen Europa-Tournee - diese Woche begann Midori Goto - kurz: Midori - in Flensburg und Eckernförde, am Dienstag trat sie im italienischen Savona und gestern Abend in Hamburg auf. Gemeinsam mit ihrem Pianisten Özgür Aydin absolviert die lange Zeit in New York und heute in Los Angeles lebende Künstlerin derzeit ein enormes Programm mit Kompositionen von Beethoven und Brahms, Dvorák und Kurtág.

Darüber hinaus aber ist die Dresden-Visite sowohl eine Kooperation mit dem Moritzburg Festival und den Dresdner Musikfestspielen (um da schon mal musikalisch auf das diesjährige Motto "Herz Europas" einzustimmen) als auch Ausdruck von Midoris pädagogischem Anspruch. "Ich brauche das Unterrichten wie ein Fisch das Wasser", sagt sie, "das ist ebenso wie jedes Konzert ein Teil von dem, was ich tue." Die Geigerin wird am Samstag ganz für den studentischen Nachwuchs da sein und in einem Meisterkurs Violine dem Nachwuchs mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wie zur Entschuldigung fügt sie im DNN-Gespräch an, dass diese Verbindung von Konzert und Kurs ein Wunsch des Veranstalters sei. Neulich in Hamburg war das nicht anders. Und als ob derlei Verpflichtungen noch nicht genug sind, steht obendrein noch für den kommenden Dienstag, kurz bevor sie Ende Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos für ihr weltweites Engagement geehrt werden soll, die überarbeitete Neuausgabe von Midoris Autobiografie "Einfach Midori" an.

Das 2004 erstmals herausgekommene Buch ist inzwischen auf gut 300 Seiten angewachsen. Seinerzeit zunächst beargwöhnt, was eine so junge Musikerin denn schon an autobiografischem Material zu bieten haben sollte, beeindruckte das Werk mit Substanz. Inzwischen leitet die in plauderhaftem Ton verfasste und dennoch sehr informative Schrift das 30jährige Bühnenjubiläum Midoris ein.

Ein wesentliches Bekenntnis darin: "Mein Hauptanliegen ist die Jugend." Midoris Studenten genießen oberste Priorität. "Da mache ich keine Unterschiede, ob jemand fest bei mir studiert, ob wir uns in einem mehrtägigen Kurs treffen oder ob wir nur wenige Stunden Zeit miteinander verbringen," erklärte sie gestern. Aber was kann in so kurzen Begegnungen denn vermittelt werden? Da lässt sie sich nicht gern in die Karten schauen: "Das ist abhängig von der jeweiligen Individualität der jungen Menschen. Auch wenn ich viel international unterwegs bin - die größten Unterschiede sehe ich nicht in den Ländern, sondern in den einzelnen Persönlichkeiten, die mir begegnen."

Bedenkt man, in wie vielen Projekten sich Midori engagiert, wie viel Zeit sie mit Reisen rund um den Globus verbringt, dass sie Konzerte und Recitals nicht nur präsentiert, sondern auch vorbereiten muss, kann man über die unermüdliche Aktivität dieser grazilen Dame nur staunen. Dennoch nimmt sie sich selbst am Konzerttag für ein Interview konzentriert Zeit, als gäbe es für sie gar nichts anderes. Die immer wieder für ihre Perfektion gefeierte Geigerin räumt ein, dass absolut sichere Technik zwar "die unerlässliche Grundlage" sei, sich in den Dienst der Musik zu stellen. Allerdings dürften "technische Freiheit, Präzision und Überzeugungskraft nie zum Selbstzweck werden, sind aber die Grundvoraussetzung für etwas Höheres."

Man könnte ja meinen, diese Frau hat alles erreicht. Doch erstes war dieser Weg mit harter Arbeit, dem Verzicht auf kindliche Unbeschwertheit sowie krassen Abstürzen verbunden, und zweitens gibt sie unermüdlich weiter, ist lehrend und in mehreren Projekten auch gemeinnützig tätig, wie nebenbei absolviert sie ihre zahlreichen Konzerte auf höchstem Niveau und erfreut die weltweite Musikgemeinde mit ihrem Können. Midori ist zäh. Ruhephasen, so scheint es, will sie gar nicht erst kennen. Gut möglich, dass ihr das die Mutter eingedrillt hat. Selbst in einer Stadt wie Dresden wird sie da kaum Zeit zum Schlendern finden. Mit einer Stringenz - die offenbar mit Unermüdlichkeit gepaart ist - sind ihre Tage geplant. Leerräume gibt es da für sie nicht.

Ein Leitspruch Midoris, die sich nach diversen Falschaussprachen ihres vollständigen Namens Midori Goto als Künstlerin nur für den Vornamen entschied: "Wir alle - und ich ganz bestimmt - tragen viele Wünsche und Ambitionen in uns, und ich kann nur hoffen, dass mein Unvermögen, mich vollkommen von meinen Fehlern zu befreien, mich weiterhin motivieren und meinen Respekt und meine Achtung vor dem Leben nur noch steigern wird." Ihr enormes Engagement scheint eine Haltung zu sein, die sie zum menschlichen Dasein besitzt. Geradezu zwangsläufig unterstützt sie als Friedensbotschafterin auch UN-Projekte. Ihr wichtigsten Ziel dabei: "Frieden herzustellen und das Bewusstsein für kritische globale Fragen zu steigern, zu welchen regionale Konflikte und Sicherheit, wirtschaftliche und soziale Entwicklung, Menschenrechte und der Klimawandel zählen." Michael Ernst

Konzertsaal der HfM Dresden, 13.1., 19.30 Uhr

Leipzig, Gewandhaus, 26.2., 11 Uhr - Mendelssohn-Violinkonzert, Jun Märkl, MDR-Sinfonieorchester

- geboren 1971 in der japanischen Präfektur Osaka

- wurde in frühester Kindheit von ihrer Mutter im Geigenspiel unterwiesen

- am Silvestervorabend 1982 Debüt mit den New Yorker Philharmonikern unter Zubin Mehta

- Mitwirkung bei namhaften Festivals wie Salzburg, Schleswig-Holstein, Tanglewood

- Bachelor of Arts in New York, 2000, Studium der Psychologie

- eigene Lehrtätigkeiten u.a. an der Manhattan School of Music, ab 2007 Leiterin der Streicherabteilung an der USC School of Music Los Angeles

- zahlreiche sehr renommierte Ehrungen sowohl für ihre künstlerischen Leistungen als auch für ihre gemeinnützigen Projekte (u.a. "Midori & Friends" zur Förderung der kindlichen Entwicklung mithilfe von Musik, "Partners in Performance" als Kulturarbeit im ländlichen Raum, "Orchestra Residencies Program" zur Unterstützung von Jugendorchestern und "Music Sharing" zur Pflege traditioneller Musik in Japan)

- wurde 2007 von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zur Botschafterin des Friedens ernannt

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.01.2012

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