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Ausgerechnet am Jagdschloss Graupa ist "Wagners Welt: Dresden" zu erleben

Ausgerechnet am Jagdschloss Graupa ist "Wagners Welt: Dresden" zu erleben

Es hätte so schön werden können! Sommertheater in Graupa, der historische "Lohengrin"-Ort erstmals beim Dresdner Elbhangfest mit dabei, und dann aber doch die große Angst, dass die Premiere der Richard-Wagner-Spiele ins Wasser fallen könnte.

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Jochen Kretschmer als Onkel Adolph, der sich rührend um Klein-Richard (Moritz Bachmann) kümmert.

Quelle: Johannes Gärtner

Seit Monaten wurde unermüdlich an diesem Spektakel gewerkelt, Lohengrin-Haus und Jagdschloss waren bestens präpariert, ebenso zahllose Laien- und Profi-Darsteller sowie Helfer, Sponsoren und Förderer - was sollte da schiefgehen, wenn nicht das Wetter?

Es hat so schön begonnen! Bei Sonnenschein und Vogelgezwitscher wurde der erste Wagner-Salon im einstigen Schäferschen Gut ausgerichtet, an jenem authentischen Ort, wo Richard Wagner vor genau 167 Jahren seinen "Lohengrin" konzipierte. Viermal heißt es dort "Mein Wagner", viermal werden Prominente im Gespräch ihre Sicht auf den Dichter-Komponisten aus Leipzig präsentieren. Den Anfang machte am Freitag Kammersänger René Pape, folgen werden die Wagner-Kenner Ingo Zimmermann, Friedrich Dieckmann und Hans John.

Diesen Salon gibt es jeweils als Auftakt zu "Wagners Welt: Dresden", den anlässlich des 200. Geburtstags von Erz-Richard W. ausgerichteten Richard-Wagner-Spielen 2013. Im Hof des vor erst einem halben Jahr zur Gedenkstätte umfunktionierten Jagdschlosses.

Die Kulisse ist zauberhaft, das Ambiente absolut stimmig. Zielgenau dafür hat der Dresdner Autor und Regisseur Johannes Gärtner seine Wagner-Spiele konzipiert. Den biografischen Bogen schlägt er mit der Ankunft des Ehepaars Minna und Richard Wagner nach den Pariser Hungerjahren bis hin zur raschen Flucht des Kurzzeit-Revolutionärs im Frühjahr 1849. Dazwischen kreist das Stück um die schillernde Persönlichkeit des stets selbstbewussten und meist mittellosen Musikers sowie um seine Konflikte mit Geld, Geldgebern und Gönnern, mit Frauen und Vorgesetzten, mit Künstlern, Kollegen und dem Königshaus.

Gärtners Buchvorlage für diese Szenen ist ein Zitatenreich aus Briefen und Weltliteratur, er hat ziemlich genau den biedermeierlichen Zeitgeist getroffen und hält die Balance aus Spannung und Witz. Dramaturgisch korrekt ist "Wagners Welt: Dresden" von einem Prolog im Himmel und - drei Stunden später - einem nicht minder himmlischen Epilog gerahmt, in denen göttliche Mimen trefflich über des Künstlers Erlösung streiten können. Dazwischen wirbelt Wagner schlitzohrig manipulativ mit Zeitgenossen wie Bakunin, Röckel, Schumann, Semper und Tichatschek herum, lässt die Mit-Revolutionäre zum Schluss im Regen stehen, ringt fle-hend um die Gunst des Komponisten, verbündet sich mit dem Architekten und entzweit sich voll und ganz mit seinem Sänger-Intendanten. Der Schauspieler Robby Langer ist als Wagner eine Idealbesetzung, brilliert in einem Mix aus Biedersinn und Größenwahn, auf dass selbst heutiges Publikum noch einmal von der Persönlichkeit des einstigen Hofkapellmeisters hingerissen ist.

Der hat in Dresden in rascher Folge "Rienzi" und "Der fliegende Holländer" uraufgeführt, "Tannhäuser" folgte gut zwei Jahre später, "Lohengrin" ist in wesentlichen Zügen hier entstanden und kam 1850 in Weimar heraus. Selbstverständlich erklingen Ausschnitte aus all diesen Werken, das Dresdner Streichquartett musiziert eigens in Fassungen von Friedmann Dreßler im Stil eines Liebhaberorchester erst aus der Ecke des Schlosshofs, nach einsetzendem Regen dann aus einem Nebengebäude heraus. Dass damit akustische Beeinträchtigungen einhergingen, war unvermeidlich. Auch die nicht eben homogene Sängerbesetzung mit Ewa Zeuner als Minna Wagner, Ingeborg Schöpf als Wilhelmine Schröder-Devrient, Barry Coleman als Joseph Tichatschek und Dietrich Greve unter anderem als Carl-Maria von Weber war nicht nur zum Verwöhnen musisch geschulter Ohren angetreten. Überrascht haben der von Jürgen Wirrmann geleitete Richard-Wagner-Chor Graupa sowie die Singegemeinschaft "Harmonie" unter Wolfgang Heyne nicht zuletzt mit einem sehr femininen Matrosenchor aus dem "Holländer" als gut gemeintes Schwimmfest.

Hier war der Maßstab von Sommertheater gesetzt, und der war trotz eines kräftigen Schauers zur Halbzeit nicht zu erschüttern. Nach Tannhäuser-Wolframs "Lied an den Abendstern" funkelte sogar ein versöhnlicher Nachthimmel überm Wagner-Spektakel, in dem es mit Kutsche, Kindern, Bauern und Bürgern, Pfaffen, Pferden und Polizisten hoch herging. Ein grandioser Jochen Kretschmer etwa kümmert sich als Onkel Adolph hingebungsvoll um Klein-Richard, als der noch Geyer hieß. Wie dies von Moritz Bachmann gespielt wird, hat der den Schalk des großen Richard Wagner schon im Nacken.

Die notgedrungen weit gefassten Zeitsprünge vermischen ein wenig die persönlichen Notlagen bei Wagners mit dem revolutionären Geist des Künstlers und dem davon unberührten Kunstanspruch. Gerade dies hat ja Wagners Welt in Dresden auch tatsächlich ausgemacht. Wie gut, dass diese Ära gerade noch ein gutes Ende fand und die Flucht gen Zürich gelang. Glücklich reist Robby Richard Langer-Wagner in der Kutsche vom Schlosshof. So schön hat es geendet.

nächste Termine: 5., 6., 12. Juli - Wagner-Salon im Lohengrin-Haus jeweils 19.30 Uhr, "Wagners Welt: Dresden" jeweils 20.30 Uhr am Jagdschloss Graupa

www.wagnerstaetten.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.07.2013

Michael Ernst

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