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Aus für Kraszewski-Museum - Exponate müssen zurück nach Polen

Aus für Kraszewski-Museum - Exponate müssen zurück nach Polen

Noch am Sonntag hatte das Dresdner Kraszewski-Museum seinem Facebook-Auftritt 16 neue Fotos hinzugefügt. Es war die Illustration eines Abgesangs. Gestern nahm sie dazu noch Schriftform an.

Eine Mail betitelten die Städtischen Museen Dresden mit "Einladung zur Pressekonferenz Räumung des Kraszewski-Museums", Termin dafür ist Donnerstag. Mit dieser Ankündigung bewahrheitet sich nun das, was bereits im Juli öffentlich geworden war (DNN berichteten): Das Museum muss im Dezember sämtliche Exponate an Polen zurückgeben, genauer an das Warschauer Literaturmuseum "Adam Mickiewicz", den Eigentümer und Leihgeber der Ausstellungsstücke.

Damit endet nach fünf Jahrzehnten das Dasein des Kraszewski-Museums in seiner bisherigen Form. Die polnische Seite bestand offenbar auf der strikten Umsetzung eines Gesetzes, wonach polnische Kulturgüter, die älter als 50 Jahre sind, nur noch maximal fünf Jahre im Ausland ausgestellt werden dürfen. Kraszewski lebte in Dresden mehr als 20 Jahre im Exil, hier entstanden zwischen 1873 und 1885 unter anderem sechs Sachsen-Romane, insgesamt schuf er etwa 240 Romane und Erzählungen. 1960 wurde das Museum eingerichtet, Mitarbeiter des Warschauer Museums erarbeiteten die Ausstellungskonzeption.

Die Frage ist: Wie soll es für das - eigenen Angaben zufolge - einzige binationale Museum Deutschlands weitergehen? Sie will der Direktor der Städtischen Museen, Gisbert Porstmann, am Donnerstag beantworten. Auf die vorab gestellte Frage, ob es überhaupt weitergeht, sagt er kurz: "Natürlich." Diese Antwort steht in direkter Linie seiner Aussage vom Juli, als er mit Blick auf das Museum und den drohenden Abgang der Exponate bemerkte, dass das Museum nicht geschlossen werde.

Offenbar will Porstmann mit seinen Mitarbeitern aus der Not eine Tugend machen und mit dem Haus neue Wege beschreiten. Der erzwungene Wechsel der Ausstellungsausrichtung könnte als Chance und Aufbruch verstanden werden, vor allem auch deshalb, um im deutsch-polnischen Verhältnis, besonders im 20. Jahr des bestehenden Nachbarschaftsvertrages, keine weiteren Unstimmigkeiten aufkommen zu lassen. Vielleicht kommen ja neue, andere polnische Partner mit ins Boot.

Die Zurückhaltung war gestern jedenfalls überall zu spüren. Auch Wolfgang Howald, Vorsitzender des Deutsch-Polnischen Gesellschaft Sachsen - der Verein hatte im Sommer das drohende Szenario öffentlich gemacht -, verwies lediglich auf die kommende Pressekonferenz. Anfragen beim sächsischen Kunstministerium blieben dagegen unbeantwortet. Dafür meldete sich das Auswärtige Amt in Berlin. Laut Sprecherin Theresa Schönfeld habe das Auswärtige Amt bei den Verhandlungen eine Art Vermittlerrolle eingenommen. Die Gespräche "über eine tragfähige Lösung" seien zwischen den Städtischen Museen Dresden und dem polnischen Kulturministerium geführt worden. "Wir haben auf Wunsch den Kontakt zur polnischen Botschaft hergestellt", sagte sie. Ob von der Rückführung von Exponaten nach Polen noch andere Museen in Deutschland betroffen sind, konnte sie nicht sagen. "Bis jetzt habe ich nichts weiter gehört." Torsten Klaus

www.stmd.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.11.2011

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