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Aus der Raritätenkiste - Liederabend mit dem Tenor Marcus Ullmann

Konzert Aus der Raritätenkiste - Liederabend mit dem Tenor Marcus Ullmann

Nach längerer Zeit waren endlich wieder einmal der Tenor Marcus Ullmann und sein Pianist Alexander Schmalcz in Dresden zu erleben. Beide waren Kruzianer und haben hier in der Musikhochschule studiert.

Dresden. Das musikalische Erlebnis ihres Liederabends in der Hochschule gestaltete sich rundherum absolut erfreulich. Bei Marcus Ullmann besticht schon immer die sehr helle, sehr persönlich gefärbte Stimme. Schwebend leicht gleitet sie durch den Raum, in einer Weise höhensicher, die nicht alltäglich ist - ein Tenor von ganz besonderer lyrischer Schönheit. Mozart erwartet man bei diesen Voraussetzungen von Marcus Ullmann, natürlich. Es zeichnete ihn aus, dass er schon in diesem ersten Block nicht bei der "gängigen" Auswahl blieb (obwohl z.B. die sehr natürlich vorgetragene "Sehnsucht nach dem Frühling" ebenso wenig fehlte wie "An Chloe"). Aber die zwei zarten Stimmungsbilder nach Hermes "Ich würd auf meinem Pfad" und "Sei du mein Trost" erscheinen eher selten in Recitals.

Ein Muster an mittragender Inspiration ist seit Jahren der Pianist Alexander Schmalcz. Die Art, wie er auf die gestalterischen Intentionen des Sängers einging bzw. diese erst herausforderte, war beispielhaft. Nur in einer so optimalen Gemeinschaft war es überhaupt denkbar, dass die ganz großen Herausforderungen des Konzerts, Henze und Britten, dermaßen überzeugend gelangen - eine mutige Programmgestaltung.

Henzes "Three Auden Songs" aus dem Jahre 1983 haben ihren Ursprung in der Freundschaft mit dem Dichter H.W.Auden, der sich ebenso wie Henze nach dem zweiten Weltkrieg auf die Insel Ischia zurückgezogen hatte. Vom ruhigen Beginn des ersten, dem ungestümen Charakter des zweiten bis hin zur stillen Intimität des letzten, eines Strophenliedes wird eine große emotionale Bandbreite ausgeschritten. Marcus Ullmann hatte für diese Klanggebilde die zutreffenden stimmlichen wie gestalterischen Mittel parat und das ganz selbstverständlich, obwohl Henze darin enorme Anforderungen stellt. Faszinierend!

Ungefähr vierzig Jahre vorher hatte Benjamin Britten die sieben "Michelangelo-Sonette" op. 22 vertont und damit den ersten Zyklus für seinen Partner Peter Pears geschaffen. Ullmann und Schmalcz tauchten in die variantenreiche Welt der Gefühle in diesen Liebesgedichten ein. Ullmanns Timbre schien für diesen Britten-Zyklus wie geschaffen, denn selbst bösartig hoch liegende Passagen machten ihm wenig aus. Eine in sich geschlossene, kontrastreiche Wiedergabe.

Bleibt Robert Schumann, aber eben nicht Heine oder Eichendorff, sondern die von Melancholie überglänzten Lieder nach Nikolaus Lenau op. 90 (der Dichter war schon wegen des ähnlichen tragischen Schicksals Schumann wesensverwandt). Es geschieht allzu leicht, wenn dieser Zyklus ab und an als Ganzes gesungen wird, dass die jeweiligen Interpreten in triefendes Pathos abgleiten. Nicht so hier, bei Marcus Ullmann. Er sang hier eher karg, stark auf Verinnerlichung setzend.

Und dann krönten beide ihre wunderbare Leistung an diesem Abend noch mit einer Zugabe, mit Schumanns feierlichem "Einsiedler" nach Eichendorff.

Mareile Hanns

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