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Aus Semper 2 wird Semper Zwei

Neue Spielstätte der Semperoper Aus Semper 2 wird Semper Zwei

Knapp sechs Millionen Euro wurde in die neue Spielstätte der Semperoper investiert. Sie beendet die Zwischenlösung von Semper 2 auf der Probebühne, wo nach der Schließung des Hauses Kleine Szene auf der Bautzner Straße Kammeropern und Tanzstücke beheimatet waren. Semper Zwei will vor allem junges Publikum locken.

Semper Zwei/Junge Szene.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Dresdens jüngstes Schwimmbad wirkt schon reichlich angejahrt. Stockfleckig die Kacheln, aus den Fugen sprießt Gras, am Sprungturm nagt Rost. Dabei gibt es nicht mal Wasser. Am Sonntag soll die Eröffnung gefeiert werden. Mit einer Uraufführung!

Zum Glück ist alles Staffage, denn es handelt es sich um ein Theater-Bad. Es dient als Kulisse für die erste Produktion auf Semper Zwei, der neuen Spielstätte an der Semperoper. Das Auftragswerk „the killer in me is the killer in you my love“, eine Arbeit von Ali N. Askin nach dem gleichnamigen Schauspiel von Andri Beyeler, führt den Reigen an. Ein echtes Novum also, das da direkt neben dem Opernhaus entstanden ist und von nun an unter dem Namen Semper Zwei firmiert. Es beendet die Zwischenlösung von Semper 2 auf der Probebühne, wo nach der Schließung des Hauses Kleine Szene auf der Bautzner Straße Kammeropern und Tanzstücke beheimatet waren. Als Mieter sozusagen.

Zur Vorbesichtigung am Donnerstag von Semper Zwei versäumte es Wolfgang Rothe als Kaufmännischer Geschäftsführer und kommissarischer Intendant der Staatsoper denn auch nicht, neben der Freude über die neue Bühne auf die nach wie vor unbefriedigende Probensituation seines Hauses hinzuweisen. Allerdings betonte er mit berechtigtem Stolz, dass der Umbau des einstigen Gastronomiegebäudes zwischen Zwingerteich und dem Funktionsgebäude der Oper im Zeit- und Kostenrahmen erfolgt ist. Angesichts zahlreicher Großprojekte von Berlin über Hamburg bis Köln durchaus beachtenswert.

Knapp sechs Millionen Euro sind in das Projekt gesteckt worden, das diverse Hürden zu nehmen hatte. So steht die Fassade des 1985 entstandenen Gebäudes seit drei Jahren unter Denkmalschutz, durfte also nicht verändert werden. Für die ausführenden Firmen durchaus eine Herausforderung, wie Jan Seeger betonte. Der Technische Direktor musste den einen oder anderen Kompromiss finden, wodurch das Gesamtergebnis aber immer besser geworden sei, wie er fand. Damit entstand im Erdgeschoss des komplett behindertengerecht gestalteten Theaters der Kassen- und Garderobenbereich, die eigentliche Studiobühne musste in den oberen Etagen eingerichtet werden. Die bisherige Kantine der Oper wurde aus Gründen der Statik nach unten verlegt.

Das alles hat nun aber den Vorteil, dass der insgesamt 328 Quadratmeter große Saal über eine Raumhöhe von 6,5 Metern verfügt und aus der ehemaligen Küchenlüftung ein veritabler Schnürboden entstehen konnte. Das Ganze verfügt über modernste Licht- und Tontechnik, ist mit bis zu 160 Publikumsplätzen sehr variabel einzurichten und kann auch als Produktionsstätte für Musikaufnahmen genutzt werden. Lediglich um die Notwendigkeit, dass der von fast bodentiefen Fenstern umgebende Raum auch komplett abgedunkelt werden muss, habe es Diskussionen gegeben. Doch selbst die Nichtpraktiker unter den Politikern hätten sich überzeugen lassen, dass Theater bei Tageslicht nicht in jedem Fall funktioniert. Nun sorgen schwarze Samtvorhänge für ideale Bedingungen.

Feuerwerk an Neuproduktionen

Nach der Eröffnung mit dem Jugendstück „the killer …“, für das Regisseur Manfred Weiß als Künstlerischer Leiter von Semper Zwei / Junge Szene verantwortlich zeichnet, folgt auf der neuen Bühne ein regelrechtes Feuerwerk an Neuproduktionen. Schon Ende Oktober zieht die „Kapelle für Kids“ ins Haus, vier Wochen später folgt kindgerechtes Tanztheater mit „Orakel“ von Joseph Hernandez. Große Erwartungen liegen auf „Alles Schwindel“ von Mischa Spolansky, einer Revue aus den 1930er Jahren mit erschreckend deutlichen Parallelen zum Heute. Bis auf den Klavierauszug ging das Notenmaterial dazu verloren; als Wiederentdeckung wird von Max Renne nun eine Kammerfassung dieser Burleske erstellt. In Kooperation mit den Osterfestspielen Salzburg folgt im Frühjahr Salvatore Sciarrinos „Lohengrin“, märchenhaft gibt es gegen Ende der Spielzeit die Premiere von „Schneewitte“, einem generationsübergreifenden Musiktheaterstück von Jens Joneleit.

Von den bisherigen Produktionen auf Semper 2 können für Semper Zwei nur wenige übernommen werden, so „Der Kaiser von Atlantis“ und „Cinderella“ in der Saison 2017/18. Auf eine Vielzahl neuer Ideen hat Manfred Weiß aber schon einstimmen können. Denn die neue Spielstätte soll neben Kammeroper, Tanz und Jugendprojekten auch als Begegnungsstätte mit dem Publikum dienen. Neue Veranstaltungsreihen wie „Stimmkunst“ und „Semper Bar“ werden Künstlerinnen und Künstler näher vorstellen. Geplant sind ferner „Tanz à la carte“ sowie ein „Mozart-Pasticcio“ von und mit Omer Meir Wellber. Gut möglich, dass zum Kolloquium „350 Jahre Oper in Dresden“ Ende Februar dann auch schon Dresdens jüngstes Schwimmbad bzw. die neue Spielstätte Semper Zwei ein eigenes Thema sein wird.

Von Michael Ernst

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