Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Google+
Auftakt zur Festwoche in der Frauenkirche

Auftakt zur Festwoche in der Frauenkirche

Gefeiert wird in diesem Herbst in Dresden fast so viel wie demonstriert. Nun steht also, zehn Jahre nach der offiziellen Weihe der Frauenkirche im Herbst 2005, unter der großen Kuppel am Neumarkt eine musikalische Festwoche ins Haus.

Dresden. Eröffnet wurde sie mit einem Jubiläumskonzert vom Chor der Frauenkirche und dem Ensemble Frauenkirche unter Kantor Matthias Grünert mit einem gediegenen, doch lebhaften Abend.

Ein bisschen mehr Zulauf hätte man, denkt man nur an den proppenvollen Neumarkt zur Weihe vor zehn Jahren zurück, für diesen Auftakt vielleicht erwartet. Zwar war das Kirchenschiff gut besetzt, auf den Emporen allerdings blieben zum Konzert noch viele Plätze frei. Umso intimer erschien denn die Atmosphäre, als das Kyrie aus Robert Schumanns "Missa Sacra", dem Hauptwerk dieses Abends, gedämpft anhob. Ein täuschend ruhiger Anfang, auf den Grünert und der Chor schon wenig später das Gloria geradezu pompös rauschend niederprasseln ließen, als wollten sie den "Frieden" mit aller Macht an diesem Ort heraufbeschwören. So glich der Auftakt jedoch eher einem Donnerwetter, dessen Wucht Grünert erst allmählich milderte. Er dirigierte Schumann dennoch überwiegend energisch, bescherte besonders in der ersten Hälfte dabei einige allzu ruppige Übergänge.

Jana Reiner (Mezzosopran) konnte diese Wucht mit ihrer klaren Stimme immerhin ein wenig besänftigten, sorgte bald für die nötige Ausgewogenheit. Im Sanctus wichen die scharfen Konturen des Anfangs dann einem sanfteren Tonfall, Grünert entwickelte nun mit Chor und Orchester ein sachte treibendes, berührendes Klangbild. Besonders der Wechselgesang der drei Solisten - Jana Reiner, Eric Stoklossa (Tenor) und Sebastian Richter (Bass) - gelang sehr spannungsvoll. Das Amen zum Schluss des Sanctus wirkte gar unbeschwert tänzerisch, und machte die fast unheimliche Wucht des Beginns gänzlich vergessen. Im Anschluss gestalteten Chor und Orchester mit dem Agnus Dei schließlich einen gediegenen, sinnenden Abschluss für Schumanns Werk, der in der Kirche tatsächlich endlich die Atomsphäre einer Friedensstätte spürbar werden ließ.

Als zweites Werk stand Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie Nr. 5 in d-Moll auf dem Programm. Ein schöner, fast unbeschwerter Schlusspunkt für den Abend. Grünert ging auch hierbei lebhaft zur Sache, verlieh der Sinfonie trotz allem Spiel mit Kontrasten aber durchaus Stringenz. Zu Beginn des ersten Satzes gab er besonders den Bläsern viel Raum, setzte dazu die weichen Streicherklänge in Beziehung - und ließ beißend dynamische Spitzen auflodern, um sie wieder sachte zurückzunehmen und zum Ende hin fast samtene Töne heraufzubeschwören. Der zweite Satz sprühte hingegen vor unbeschwerter Leichtigkeit, entwickelte bald festliche Klangfarben, welche die getragene Ernsthaftigkeit des dritten Satzes später wieder einfing. Zum Schluss ließ Grünert es erneut spannungsvoll brodeln, bevor er den vierten Satz zu einem beinahe pompösen Ende hin steigerte, erneut lebhaft, energisch, aber keineswegs übertrieben.

Nicole Czerwinka

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr