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Auftakt für die neue Saison "Das Lied in Dresden"

Auftakt für die neue Saison "Das Lied in Dresden"

Die Stadt ist wieder stiller geworden. Ermattet der dudelnde, blinkende Weihnachtskaufrausch. Verraucht der krachende Jahreskehraus. Hören wir die leisen Töne noch? Der Saisonauftakt der Reihe "Das Lied in Dresden" wagte den Versuch.

So verloren, wie der Hammerflügel auf der noch leeren Bühne im Konzertsaal der Musikhochschule wirkte, schienen auch seine ersten Klänge unter Ludger Rémys Händen durch den Raum zu flirren. Das fokussierte des Hörers Konzentration. Und bald hatte man sich eingehört auf diesen Klang, der einiges leiser ist als der eines modernen Konzertflügels und so viel mehr verschmilzt mit der menschlichen Stimme.

Für die war an diesem Abend die Sopranistin Dorothee Mields zuständig; gemeinsam liefen beide Künstler ein Stück Musikgeschichte ab. Ihr Programm "Sturm und Drang - ein Weg in die Romantik" wollte freilich keine chronologische Entwicklung aufzeigen, als vielmehr thematische Spielarten ausleuchten. In drei Gruppen zusammengefasst - "Was mit Blumen und Liebenden geschieht", "Lachen und Weinen" sowie "Zeit und Endlichkeit" - erklangen Lieder von Johann Friedrich Reichardt, Mozart, Beethoven, Schubert und Chopin auf Texte u.a. von Goethe, Rückert, Seidl oder diversen Landsmännern Chopins.

Gerade dessen Lieder findet man ja nicht allzu häufig auf Liedprogrammen - für viele dürfte es interessant gewesen sein zu hören, wie sehr sich der so aufs Klavier fokussierte Chopin hier in Sachen Tastenpart zurückhielt. Um so mehr Möglichkeiten hatte Dorothee Mields, mit ihrer interpretatorischen Einfühlsamkeit zu glänzen - die Eleganz und stille Freude etwa des "Litauischen Liedes" kamen hier wunderbar zum Tragen. Ihr geschmeidiger, schwebender und ausgeglichener Sopran glänzte auch in den schönen Bögen von Schuberts "Du bist die Ruh" oder dem zwar spielerisch anmutenden und doch Tragik atmenden "Frühlingsboten" von Chopin.

Was ihrer Stimme wie ihrer sängerischen Natur weniger liegen, sind die wirklich dunklen, schmerzlich-dramatischen Töne, wie sie etwa in Mozarts "Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte" oder Reichardts "Johanna Sebus" anklingen. Da fehlte es ein wenig an Erdenschwere und Körperlichkeit. Das hintersinnige Erzählen etwa von Schuberts "Die Männer sind méchant" überzeugte dagegen.

Mit Ludger Rémy hatte Dorothee Mields nicht nur einen höchst erfahrenen, flexibel reagierenden Kammermusiker an ihrer Seite, sondern auch einen Spezialisten in Sachen Zeit und Instrument. Der Facettenreichtum jedenfalls, den er dem Hammerflügel im Verlauf des Abends entlockte, war beeindruckend. Seine Krönung fand er in zwei fast bizarr anmutenden Klavierwerken Carl Philipp Emanuel Bachs, die zwischen den Liedblöcken standen - eine von großer Brüchigkeit lebende Fantasia in C und das zehn Minuten lang vier Takte variierende, nach dem Tod von Bachs Sohn entstandene Rondo in a-Moll mit beeindruckendem, aus stoischer Ruhe erwachsendem Schlussrauschen.

Das Schlusswort freilich gehörte wieder den stillen Klängen: Schuberts "Leiermann" und - als Zugabe - Hugo Wolfs "Sterb ich, so hüllt in Blumen meine Glieder". Ein großes Publikum nahm sie dankbar an, die leisen Töne, die eben auch zum Leben gehören.

"Das Lied in Dresden" wieder am 21. April, dann mit dem 100. Abend der Reihe, gestaltet von Camilla Nylund (Sopran) und Jobst Schneiderat (Klavier) im Konzertsaal der Musikhochschule

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.01.2013

Sybille Graf

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