Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Google+
Aufatmen am Heinrich-Schütz-Konservatorium: Spannende Projekte und Nachdenken über die Zukunft

Aufatmen am Heinrich-Schütz-Konservatorium: Spannende Projekte und Nachdenken über die Zukunft

Hanna ist sechs und spielt Fagott. Genauer: Fagottino. Für ein normales Fagott ist das Mädchen noch zu klein. Für das Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden e.

Voriger Artikel
Polen entstauben Dresdner Kraszewski-Museum
Nächster Artikel
Der Blick einer jüngeren Generation: Christa Wolfs "Der geteilte Himmel" feiert morgen Premiere in Dresden

Neu und kindgerecht: Dank dem Rotary Club Dresden kann die sechsjährige Hanna Weise am Schütz-Konservatorium auf einem Fagottino musizieren.

Quelle: Dietrich Flechtner

V. ist die Anschaffung solcher Instrumente unerlässlich, um auch die Kinder früh zu fördern, die eben nicht Violine, Klavier oder Gitarre lernen wollen. Das städtische Konservatorium als größte Musikschule in Dresden setzt auf ein möglichst vielfältiges Angebot. Mit ihrem Fagott wird Hanna in nicht allzu ferner Zeit auch in einem der am Haus angesiedelten Orchester gern gesehen sein. Dort kann sie neben Musik auch Teamgeist, Verantwortungsgefühl und manches mehr fürs Leben lernen.

Gleichwohl musste das Konservatorium in den letzten Monaten zum wiederholten Mal um seine Existenz bangen, da es die Stadt zunächst ablehnte, die durch sinkende Landeszuschüsse und steigende Personalkosten entstandene Finanzierungslücke von 372 000 Euro auszugleichen (DNN berichteten). Der Haushaltsbeschluss von vergangener Woche und die Bestätigung durch den Kulturausschuss am Dienstag haben das Problem gelöst: Das Konservatorium erhält 2013 und 2014 jeweils 380 000 Euro mehr an zweckgebundenen Mitteln von der Landeshauptstadt, also insgesamt knapp 1,88 Millionen Euro pro Jahr. Dass dies nun sogar etwas mehr ist als beantragt, entspringt der Ahnung, dass die freistaatlichen Zuschüsse wohl noch weiter zurückgehen werden und man dies im Vorfeld abfedern will.

Status quo bleibt erhalten

Eine "sehr erleichternde" Nachricht für Geschäftsführerin Kati Kasper und ihre Mitstreiter, deren Dank an alle geht, die an einer konstruktiven Lösung des Problems mitarbeiteten. Die Nachricht bedeutet: Der Status quo an Angebot und Personalstruktur kann gehalten werden. Mehr aber auch nicht. Das Fagottino etwa, das Hanna leihweise zur Verfügung steht, hätte aus dem Haus-Etat nicht finanziert werden können; die 2745 Euro gab der Rotary Club Dresden. Und auf der Warteliste stehen aktuell über 1000 Interessenten, die gern sofort hier Unterricht nehmen würden, für die die Kapazitäten aber nicht reichen.

Auch andere Wünsche bleiben vorerst solche, etwa der nach einem Überaum für Schlagwerker. Abgesehen davon, dass das Zimmer in Sachen Schalldämmung entsprechend ausgestaltet sein müsste, mangelt es schlicht am Raum. Jedes noch so kleine Zimmerchen ist ausgelastet, und in Zukunft werden über Kooperationen mit Schulen genutzte Räumlichkeiten noch rarer werden, da diese aufgrund steigender Schülerzahlen von den Schulen selbst benötigt werden.

Die Kooperationen mit Kindertagesstätten und Schulen sind es, die dem Konservatorium einen Schülerzuwachs von 800 in den letzten zwei Jahren bescherten. Aktuell verzeichnet man 5945 Eleven. Denen mit voller Kraft ein zukunftsträchtiges Angebot zu unterbreiten, sieht Kati Kasper als vordringliche Aufgabe. "Ein Daseinskampf wie in den letzten Wochen bremst jegliches konzeptionelles Denken aus. Wir müssen uns darum für das Konservatorium um eine langfristig sichere finanzielle Aufstellung bemühen."

Milko Kersten, Leiter des Dresdner Jugendsinfonieorchesters am Konservatorium, bringt es so auf den Punkt: "Wir haben die lebensnotwendige Medizin erhalten, aber die Operation steht noch aus." Klaus Garber, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, sieht diese in einer Abkehr vom Vereinsdasein. "Sonst befinden wir uns stets mit anderen, ebenso ernsthafte Ziele verfolgenden Vereinen in Konkurrenz um ein gedeckeltes Gesamtbudget." Gaber, früher Umwelt- und Kulturdezernent Dresdens, liebäugelt mit einer Lösung wie in Leipzig, wo die etwa gleich große Musikschule städtischer Eigenbetrieb ist. Erste Denkversuche in diese Richtung gegenüber den Verantwortlichen seien, so Gaber, auf keine Resonanz, "geschweige denn Zustimmung" gestoßen. "Dabei geht es hier ja nicht um irgendwelche persönlichen Begehrlichkeiten, sondern um einen Bildungsauftrag, den die Stadt wahrzunehmen hat und den wir umsetzen", macht Gaber deutlich. Milko Kersten verweist auf den novellierten Kulturentwicklungsplan der Stadt: "Das Konservatorium wird dort als wichtigste Institution für musische Bildung in Dresden bezeichnet und soll auch auf die soziodemographische Entwicklung reagieren". Heißt zum Beispiel: Nicht nur der Babyboom bringt mehr Musikschüler, auch immer mehr Senioren werden die Angebote nachfragen.

In Sachen Elternbeiträge sieht Kati Kasper das Ende der Fahnenstange erreicht: "Wir haben schon jetzt überdurchschnittlich hohe Entgelte, zudem steigt die Nachfrage nach sozial bedingten Ermäßigungen. Keinesfalls wollen wir eine Musikschule für Besserverdienende sein." Zumal es oft mit dem regulären Beitrag nicht getan ist. "Viele Eltern unterstützen zusätzlich über Fördervereine die Projekte der Ensembles", berichtet Milko Kersten. Gerade diese seien es, die über die intensive Auseinandersetzung mit den aufzuführenden Werken ermöglichen, was er als wichtigste Aufgabe der Musikschule betrachtet: "Ein interessiertes, wissendes Publikum von morgen heranzuziehen."

Nachdem ob der drohenden Insolvenz vor allem jene Ensemblearbeit zur Disposition stand, verweist Kati Kasper eindrücklich auf die anstehenden Termine. Der nächstliegende ist am 23. Februar die Premiere der Kinderoper "Die Schneekönigin" von Pierangelo Valtinoni. Über 50 junge Sänger und Sängerinnen - darunter auch solche aus Musikschulen der Region oder von Dresdner Gymnasien - bereiten sich unter Leitung von Claudia Schmidt-Krahmer seit einem Jahr darauf vor. Beteiligt ist auch das Jugendsinfonieorchester, für das Milko Kersten als weiteren Höhepunkt das Familienkonzert mit der Dresdner Philharmonie am 31. Mai nennt. Dabei werden sich die jungen Musiker jubiläumsgerecht Richard Wagner widmen.

Umfangreiches Angebot

Die Kollegen vom Sinfonischen Blasorchester und ihr Chef Lutz Jurisch laden am 10. März zum Jahreskonzert, in dem Jurisch den einer indianischen Legende entstammenden menschenfressenden Drachenvogel Piasa als Symbol für das über den Kultureinrichtungen kreisende Problem Finanzen setzt. Der von Matthias Jung geleitete Knabenchor Dresden nimmt nicht nur ein neues CD-Projekt mit Volksliedern in alten und neuen Arrangements in Angriff, er geht im Mai auch auf Konzertreise nach Österreich, wird u.a. als Kulturbotschafter Dresdens in der Partnerstadt Salzburg auftreten. Mit dem dresdner motettenchor gastiert Jung beim Bachfest Leipzig und wird sich mit zwei Konzerten der internationalen Initiative "Britten 100" anschließen. Der Fachbereich Tanz in der Verantwortung von Petra Steinert bringt eine erfolgreiche Tanzinszenierung von 2011 zur zweiten Auflage: Im März gibt es vier Vorstellungen von "Sturmfreie Bude". Ein Tag der offenen Tür, ein Tag der Instrumente, der Landeswettbewerb von "Jugend musiziert" und vieles mehr komplettieren bis zur Sommerpause einen dichten Terminplan, der die an diesem Hause geleistete wertvolle Arbeit mehr als eindrücklich nach außen trägt und auch die davon profitieren lässt, die nicht hier Fagott lernen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.01.2013

Sybille Graf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr