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Auf höchstem Niveau: Das Artemis Quartett bei den Dresdner Musikfestspielen

Auf höchstem Niveau: Das Artemis Quartett bei den Dresdner Musikfestspielen

Zum Besten der Dresdner Musikfestspiele gehört es, die großen Streichquartette dieser Welt einzuladen - jetzt das Berliner Artemis Quartett. 1989 gegründet, in der heutigen Besetzung - wieder mit der Primaria Natalia Prishepenko sowie Gregor Sigl, Friedemann Weigle und Eckart Runge - seit 2007 zusammen, wird es gern als legitimer Erbe des legendären Alban-Berg-Quartetts gesehen.

Es wäre aber zu kurz gedacht, es nur darauf zu beschränken, weist es doch zugleich ein ganz eigenes, spektakuläres Profil von höchstem Niveau auf. Wieder zogen die Musiker mit ihrer absoluten klanglichen und ausdrucksmäßigen Homogenität, mit kristalliner Durchhörbarkeit, mit ihrer atemberaubenden Feinarbeit in ihren Bann. Vor allem aber kennzeichnet das Ensemble der ausgeprägte Hang zur Kommunikation mit Wimpernschlag und Mimik, besonders aber mit jenen inneren Sensoren, die Voraussetzung für gemeinsames Wollen und Tun bei Gestaltung und musikalischer Erfüllung sind.

Auch die Programmatik des Konzerts bewegte sich auf ungewöhnlichen Bahnen. Haydns op. 76, Nr. 5 ist ein Quartett der Reifezeit. Mit Maß, Präzision und Klangsinnlichkeit spürten die Artemisianer den wundervollen Eingebungen Haydns nach. So etwas wie das sanft getönte, sensibel ausgeleuchtete Largo vergisst man so schnell nicht. Ein Werk des Anfangs, eines noch Suchenden ist hingegen Bartóks op. 7 aus dem Jahre 1908 mit einer effektvollen Mischung verschiedener Stilmittel. Das Artemis Quartett spielte es ohne Spannungsverlust, sich in die heftigen Kontraste versenkend, nichts glättend, ungeheuer vital.

Schuberts "Rosamunde"-Quartett D 804 macht es den Ausführenden nicht einfach, lauern hinter scheinbar harmloser Melodienseligkeit doch verzweifelte Abgründe, die man nicht verwischen darf. Und gerade dieses Spannungsfeld war beim Artemis Quartett bestens aufgehoben - melancholisch träumend auf der einen Seite (Beginn des Kopfsatzes), burschikos im Menuetto und aufwühlend im Finale auf der anderen. Dass als Zugabe noch der kantige Quartettsatz c-Moll D 103 folgte, war nur logisch und rundete den großen Abend ab, vor allem, da auch er so widerborstig und motorisch-drängend musiziert wurde.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.05.2012

M.Hanns

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