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Auf der Suche nach neuen Wegen - Das Kunstgewerbemuseum in Pillnitz zeigt ab heute "Rochaden"

Auf der Suche nach neuen Wegen - Das Kunstgewerbemuseum in Pillnitz zeigt ab heute "Rochaden"

Fünf internationale, junge, aber gestandene Designstudios hatte Tulga Beyerle, Direktorin des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, vor einiger Zeit eingeladen, im Pillnitzer Depot auf Entdeckungsreise zu gehen.

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Ein-, Durch- und Ausblick zugleich: SKD-Praktikantin Amalie Hänsch an einer Installation des niederländischen Teams Daphna Laurens.

Quelle: Dietrich Flechtner

Anliegen der seit Anfang 2014 tätigen Sammlungschefin war, so diese beim gestrigen Pressetermin, in einem ersten Schritt ihr Vorhaben in Angriff zu nehmen, "neue Wege zu suchen, wie die wunderbare Sammlung präsentiert werden kann". Seit heute ist das Ergebnis zu besichtigen: unaufdringliche "Rochaden". Es handelt sich um eine Art "Zwischenspiele", die in die ständige Ausstellung im Wasserpalais und im Bergpalais "eingesetzt" sind. In letzterem trifft man zudem auf die schon seit Saisonbeginn präsentierte, in mehreren Ländern gezeigte Übernahme-Schau "WerkStadt Vienna. Design Engaging the City", die ebenfalls vom Gedanken der Begegnung zwischen traditionellem (Wiener) Kunstgewerbe und jungen Designern getragen ist und an deren Entstehung Tulga Beyerle noch in ihrer Wiener Zeit entscheidenden Anteil hatte.

So verwundert es auch nicht, dass mit Katharina Mischer und Thomas Traxler, unter anderem Preisträger der Design Basel Miami, eines der "WerkStadt Vienna"-Teams zu den direkt für Pillnitz konzipierten "Rochaden" wechselte. Beide begeisterten sich im Depot für Spitzen und ihre Trägermaterialien. Letztere wurden für sie spannend, weil die Muster infolge des Ausbleichens der dem Licht ausgesetzten Partien darauf "abgebildet" sind. Dieses Positiv-Negativ-Schema regte sie an, dünne Kupferplatten in einem Elektrolysebad so zu behandeln, dass über mehrere Zwischenschritte ein Schachspiel mit Figuren geschaffen werden konnte, welche insgesamt diesem Prinzip folgt. Dass das Objekt im Museum verbleibt, freute Tulga Beyerle besonders.

Wozu wiederum der orientalische Archetyp einer Schere ein Designer-Paar inspirieren kann, ist an dem Projekt des niederländischen Teams Daphna Laurens nachvollziehbar. Sie wandelten diesen in viele verschiedene Mobile-Objekte, die man ausdrücklich anfassen darf. Der lichte, nicht einfach zu bespielende Bogengang des Wasserpalais dürfte nun vielleicht für Familien besonders spannend sein. Spielen macht immer Spaß!

Zum absoluten Liebling aller Frauen könnte sich dagegen der Raum des Prager Dechem Studio entwickeln, der einen explizit sinnlichen Zugang zu modernem Design bereithält. Das Künstlerduo, dessen Spezialität - bei Böhmen eigentlich kein Wunder - Glas ist, hat sich in mehrere Richtungen bewegt. Nimmt es einerseits in verschiedenen Glasarbeiten, darunter ein Flakon, das an mehreren Kunstgegenständen aus dem Depot zu entdeckende Leoparden-Motiv auf, zeigt es andererseits eine wunderbare, wohl von Rückseiten alter Stoffe oder zusammenfließendem farbigen Glas inspirierte Stoffbahn. Der Clou aber ist, und dies passt zum Flakon, dass sich Dechem Studio vom Duft des Depots - mancher wird sich vielleicht wundern - anregen ließ und die Essenz "Fragments of Fragrance" kreiert hat, der man den Übergang in die Produktion wünscht.

Mit der Mischung aus Oud, schwarzem Moschus, Muskatnuss, Salbei und Weihrauch in der Nase wechselt man ins Bergpalais. Hier empfängt unter anderem die Berlinerin Judith Seng im ausgeräumten Weinlig-Zimmer. Ihr haben es Klöppelspitzen angetan. Im Mittelpunkt ihrer installativen Arbeit steht ein schwarzes, ein wenig an den Maibaum erinnerndes Gebilde, von dem nicht Bänder, sondern viele Schnüre hängen. Dabei soll es nicht bleiben: Am Sonnabend wird mit 28 Teilnehmern (es werden noch einige gesucht!) eine "Bandltanz"-Performance stattfinden, bei der durch die wechselnden Bewegungen ein verknüpftes Gebilde entstehen soll.

Ebenfalls Textiles haben Loris & Livia, ein bei Unternehmen wie Galerien gefragtes Duo aus der Schweiz, ins Zentrum gestellt. Sie entwickelten eine Präsentationsform, mit der man alte Stoffe - das Kunstgewerbemuseum verfügt über eine große, in Schüben verwahrte Sammlung - von beiden Seiten betrachten kann. Es handelt sich um stehende schwarze, für den Geschmack der Schreiberin ein wenig dominante Rahmen, in die eine Folie eingehängt ist, in die wiederum die Stofffragmente eingepasst wurden. So kann man diese in ihrer ganzen, auch rückwärtigen und oft frischeren Schönheit betrachten. Alles in allem: "Rochaden", aber auch "WerkStadt Vienna" lassen die Richtung erkennen, die Tulga Beyerle für das Museum und seine Präsentation vorschwebt: die Verbindung mit der Gegenwart, das Fruchtbarmachen für heute. Das wird nur schrittweise gehen, auch einiger Mittel bedürfen. Aber schon jetzt werden die beteiligten Designer von dem Reichtum der Sammlung erzählen können, erzählen können, dass es interessant ist, auch wegen des Kunstgewerbes nach Dresden zu fahren.

bis 2. November (WerkStadt Vienna bis 27. August), täglich 10 bis 18 Uhr, Mo geschlossen

Zur Information liegen ein Saisonflyer und eine Ausstellungszeitung vor

"Bandltanz"-Performance: Sa, 21. Juni, 18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.06.2014

Lisa Werner-Art

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