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Auf der Klaviatur der großen Gefühle: Elton John begeisterte auf dem Dresdner Theaterplatz

Auf der Klaviatur der großen Gefühle: Elton John begeisterte auf dem Dresdner Theaterplatz

„Bitch“. So blinkt es groß und breit auf dem Bildschirm im Bühnenhintergrund auf. Einmal. Zweimal. Dann noch einmal. Und noch einmal.

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The Rocket Man: Elton John am Freitagabend in Dresden.

Quelle: Patrick Johannsen

„Bitch“. Hündin=Miststück-Luder=Schlampe. So in etwa wäre Bitch je nach Kontext zu übersetzen. In Russland führen sie gerade Debatten darüber, dass Schimpfwörter und derbe Flüche in Medien, Filmen und der allgemeinen Kunst nun unter Geldstrafe verboten sind, wobei Verteidiger anführen, dass diese „Mat“ (Mutterflüche) elementarer Teil der Nationalkultur seien. Das Wort „Bitch“ jedenfalls beendet jede Freundschaft, im Büroalltag verwendet, wird man zu einem klärenden Dienstgespräch gebeten. Aber beim Konzert von Elton John geht es anstandslos durch. Ist der Jubel groß. Einer der Hits von Elton John heißt nun mal „The Bitch is back“.

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The Rocket Man: Elton John am Freitagabend in Dresden.

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Nun war er endlich da. Auch der Himmel spielte mit. Kurz vor Konzertbeginn stoppte der Regen. Die Vorband – die Gruppe um den walisischen Pop-Sänger Bright Light Bright Light war gut – aber letztlich wartete dann doch alles erst mal gebannt auf den Meister. Der erschien mit Ohrclip, blauer Brille und blauer Glitzerjacke. Ein vergleichsweise dezenter Look für einen Mann, der an sich den großen Auftritt liebt und schon als Freiheitsstatue, Donald Duck und als Banane auf der Bühne stand. Aber John hat ja in den vergangenen Jahren sich eifrig bemüht, nicht als „schwuler Sänger mit der Insektenbrille“ in Erinnerung zu bleiben, wie er einmal erklärte. Jedenfalls hat der Meister der Ballade auf seinen letzten Alben zu jener anrührenden Schlichtheit zurückgefunden, die auch jene zu schätzen wissen, denen seine extravaganten Outfits kalt lassen.

Ja, der Mann hatte sichtlich Spiellaune, und seine Mitmusiker nicht minder. Immer wieder lächelt Elton John verschmitzt ins Publikum, springt vom Klavierhocker auf, genießt den Jubel. Könnte an der „Location“ gelegen haben – der Musiker liebt den ein ums andere Mal eine prachtvolle Kulisse abgebenden Theaterplatz, wo er schon 2009 Triumphe feierte. Könnte aber natürlich daran liegen, dass da einer, der im Gegensatz zu anderen seine Eskapaden mit erstaunlichen Mengen an Kokain überlebt hat, sich des Lebens freut, wobei die geliebten zwei Söhne, die er erwähnt, vermutlich nicht unerheblich dazu beitragen. A propos Triumph. Der Künstler scheint mit Fußball nicht wie andere Schöngeister zu fremdeln, jedenfalls sprach der Brite von einer fantastischen Woche für Deutschland, ermunterte zwei Tage vor dem Endspiel in Rio de Janeiro die Deutschen dazu – an britischem Sportsgeist fehlt es ihm nicht –, sich den Cup zu holen.

„Candle in the Wind“, das Lied, der selbst Anti-Royalisten um die „Königin der Herzen“, auch bekannt als Lady Di, trauern ließ, wurde von dem Spezialisten für große Gefühle und entsprechend ergreifender Popsongs schon als drittes Lied des Auftritts gegeben. Dazu waren im Hintergrund flackernde Kerzenlichter zu sehen. Aber bevor die Stimmung in Rührseligkeit kippte, ließen es Elton John und seine Band krachen, richtig krachen, ohne nun aber gleich auf Heavy-Metal-Combo zu machen. Auch das kann der kleine Mann mit dem großen Herzen und den begnadeten Tastenhänden: Das Tempo virtuos variieren, kurz drosseln, um dann umgehend die Stimmung wieder zum Brodeln zu bringen.

Natürlich waren auch ein paar Songs aus jüngerer Zeit zu hören, eindeutig mehr kamen aber die Hits aus alten Zeiten an. Da war auch das Publikum, bei dem die Frauen definitiv in der Überzahl waren, textsicherer. Naja, die ganze Tournee steht ja auch unter dem Motto „Greatest Hits Live“. Großen Beifall gab’s erwartungsgemäß für „Rocket Man“, einen Song, der keine Juri-Gagarin-Gedächtnis-Hymne ist, sondern von einem exzessiven Leben handelt, bei dem Ähnlichkeiten zu dem des Künstlers nicht ausgeschlossen werden können. Noch mehr Jubel und Standing Ovation erhielten „I Guess that‘s why they call it the Blues “ oder auch „I’m still standing“. Die letzte halbe Stunde des zweieinhalbstündigen Konzerts stand das Publikum dann ohnehin vor Begeisterung.

Christian Ruf

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