Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 2 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Auf der Bühne von Semper 2 hat ?Prinz Bussel? Uraufführung - und der Kinderchor der Oper viel zu tun

Auf der Bühne von Semper 2 hat ?Prinz Bussel? Uraufführung - und der Kinderchor der Oper viel zu tun

"Die selbe Szene noch einmal mit der A-Besetzung. Nummer eins bis neun linke Gasse, zehn bis achtzehn nach rechts. Und zügig bitte", kommt Johannes Wulff-Woestens Stimme übers Mikrofon.

Kurzes Gewusel auf der Probebühne der Semperoper, dann stehen eins bis achtzehn wohlsortiert bereit, die Szene beginnt von vorn.

Mit den Nummern sind die Sänger des Kinderchores der Sächsischen Staatsoper gemeint, die an diesem Montagabend mit den gestandenen Ensemblemitgliedern des Hauses für "Prinz Bussel" proben. Am Sonnabend erlebt die von Johannes Wulff-Woesten auf ein Libretto von Manfred Weiß geschaffene Oper in Semper zwei ihre Uraufführung. Dass das Inszenierungsteam um Regisseurin Valentina Simeonova und Dirigent Wulff-Woesten die Kinder mit Nummern bezeichnet, hat nichts mit Missachtung der Persönlichkeit zu tun, sondern schlicht praktische Gründe. Bei zwei wechselnden Besetzungen mit insgesamt 40 Kindern muss jedes einzelne einen festen Platz, feste Gesten haben.

"Ganz großen Respekt, wie die Kinder das machen"

Dann ist es auch kein Problem, wenn Nummer acht der A-Besetzung für einen Vorstellungs-Termin mit Nummer acht der B-Besetzung tauscht, weil eine Abitur-Prüfung ansteht. Es ist inzwischen 20.45 Uhr, nach einigen Instruktionen durch Regieassistentin Anja Gläßl - die Schirmmützen immer rechtsrum drehen, auf die richtige Stufe stellen! - werden die Kinder nach Hause entlassen. Mit verschwitzen Haaren manch zehnjähriger Knabe, mit souveränem Schritt die jungen Damen. Zuvor haben sie mit Chorleiter Andreas Heinze den Tauschwunsch abgestimmt, und er weiß: Er kann sich darauf verlassen, dass alles klar geht.

Kinderchorist an der Semperoper zu sein, sorgt nicht nur für unvergessliche Bühnenerlebnisse, schult nicht nur Stimme und Körpersprache, es bildet auch Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftsgeist. "Es ist immer wieder beglückend zu sehen, wie die Kinder hier in ihre Aufgabe hineinwachsen, wie sie sich entwickeln und Engagement zeigen", sagt Andreas Heinze über seine Arbeit. Dieser geht der studierte Sänger und Chorleiter nun in der 19. Spielzeit neben seiner Anstellung als Mitglied des Staatsopernchores nach.

Zwischen 40 und 60 Aufführungen sind es pro Spielzeit, in denen der Kinderchor singt. Humperdincks "Hänsel und Gretel", Tschaikowskis "Nussknacker", Puccinis "La Bohème" sind typische Beispiele, aber auch in Stücken wie Kurt Weills "Street Scene" sind Kinderstimmen gefragt. Und eben in Produktionen der Jungen Szene, wie derzeit "Prinz Bussel".

Im Januar begann Andreas Heinze mit der Einstudierung der Partie, die, so der Chorleiter, "musikalisch nicht ganz ohne" ist: "In Nussknacker oder Hänsel geht es ja sehr harmonisch zu, das hier ist ungewohnt, rhythmisch vertrackt, auch mal derb. Aber die Kinder wachsen da rein, es sitzt jetzt."

Johannes Wulff-Woesten wusste, was er den jungen Choristen abverlangen kann: "Ich habe während des Komponierens immer mal bei Herrn Heinze nachgefragt: Wie hoch können die Kinder singen, schaffen sie den und den Rhythmus." Im Probenprozess ist vor allem Motivation gefragt: "Sie sollen hier eben nicht nur schön singen, sondern extrem charaktervoll, manchmal sogar schreien. Da musste man sie anfangs ein bisschen aus der Reserve locken, Mut wecken", berichtet der Studienleiter der Semperoper. Inzwischen kann Wulff-Woesten loben: "Das klappt schon ziemlich gut", ruft er den Kindern in der Probe zu, um sie zugleich noch mehr anzustacheln: "aber ihr könntet noch besser sprechen". In seinem "Prinz Bussel" hat der Kinderchor sowohl handlungstragende als auch kommentierende Funktion. Das 70-Minuten-Stück basiert auf dem gleichnamigen Buch der niederländischen Autorin und Illustratorin Joke van Leeuwen. Manfred Weiß entdeckte die Operntauglichkeit der Erzählung von Josofus, kleiner Bruder von sieben Schwestern, die die erfolgreichste Gesangsgruppe im Ja-Land sind. So gern würde der Junge mitsingen, darf aber nicht, weil seine Schwestern sagen, er klinge wie ein Kälbchen, das sich die Hinterbeine eingeklemmt hat. "Prinz Bussel" handelt von Einsamkeit, vom Ausgestoßen-Sein, von der Suche nach Identität und von den Umwegen, die das Glück manchmal geht. Bussel findet das seine, ist am Ende gar Retter des Ja-Landes.

Wie ein Ausflug in die eigene Kindheit

Wie ein Ausflug in die eigene Kindheit sei der Kompositionsprozess gewesen, berichtet Johannes Wulff-Woesten, Schöpfer von Kammeropern wie "Die weiße Fürstin" oder "Porqué -! Porqué -! Tango Orphée": "'Prinz Bussel' ist nicht ausschließlich eine Oper für Kinder, auch Erwachsene können hier viel für sich mitnehmen." Ob der Vielschichtigkeit der Geschichte habe er eine sehr ausdrucksstarke musikalische Sprache gesucht. "Das sollte nicht niedlich sein, sondern facettenreich und tief lotend", so der Komponist. Gleichwohl habe ihn die Arbeit wieder dahin gebracht, Einfälle ursprünglicher zu empfinden. "Man unterliegt ja sonst als Komponist gern dem Zwang zum Anderssein, wird verkopft." Hier habe er beides verknüpft: Vielschichtigkeit und Klarheit, einfache Intervalle und vertrackte Rhythmen, fassbare Melodien und expressionistische Klänge.

Neben den 13 Solisten, dem Kinderchor und einigen Statisten wird die neue Oper von einem Orchester aus 17 Musikern getragen. Das klassische Instrumente ist vertreten, dazu Harfe, Saxophon, E-Gitarre, großes Schlagwerk. Studierende und Absolventen der Dresdner Musikhochschule sowie Akademisten der Staatskapelle Dresden legen sich hier ebenso ins Zeug wie die Sänger auf der Bühne.

Deren jüngste sitzen, während diese Zeilen entstehen, in der Schule. Am Abend hat die A-Besetzung wieder Probe. Gerade vor einer Premiere ist der zeitliche Aufwand für das künstlerische Hobby enorm. "Ich habe ganz großen Respekt, wie die Kinder das machen", sagt Andreas Heinze. Trotz des hohen Anspruchs: Nachwuchssorgen kennt man im Kinderchor der Semperoper nicht. "Meine Warteliste ist lang", schätzt sich Heinze glücklich.

i"Prinz Bussel", Oper von Johannes Wulff-Woesten (Musik) und Manfred Weiß (Libretto) für Menschen ab 8. Uraufführung: Sonnabend, 16 Uhr, Semper 2. Es folgen in dieser Spielzeit elf weitere Vorstellungen.

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.04.2013

Sybille Graf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr