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Auf den Spuren Oscar Wildes im Dresdner Societaetstheater

Tanztheater Auf den Spuren Oscar Wildes im Dresdner Societaetstheater

„Der Geburtstag der Infantin“ ist das Tanztheater betitelt, das im Societaetstheater Premiere feierte. Der Aufführung wohnt dabei ab und an eine Unentschiedenheit inne, die manchmal auch die Zuschauer verunsichert.

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Katja Erfurth und Florian Mayer.

Quelle: HL Boehme

Dresden. Ausgegrenzt zu sein, an den Freuden und Verlockungen anderer nicht teilhaben zu können, ist eine höchst bittere Erfahrung. Die in dem wunderbaren Kunstmärchen von Oscar Wilde „Der Geburtstag der Infantin“ letztlich auch ein tragisches Ende nimmt. Wenn der Zwerg in seiner verfehlten Zuneigung schließlich an gebrochenem Herzen stirbt, kommentiert das der Dichter lakonisch mit den Worten der schmollenden Infantin: „In Zukunft sollen die, die mit mir spielen, keine Herzen haben.“

Wer sich heute mit dieser Geschichte künstlerisch auseinandersetzt, muss dafür eine sehr persönliche Lesart finden. Zumal da gewiss auch noch andere Bilder im Kopf herumspuken. Wie beispielsweise jenes Velazquez-Gemälde von der Familie des spanischen Königs Philipp IV., ein Bild, auf dem manches ablesbar und ebenso rätselhaft ist, mit Infantin, Hofnarren und dem Maler selbst. Bei derlei Assoziationen geht es auch um die Frage, was Kunst überhaupt bewirken kann und wie, um Verquickungen von Kunst und Mächtigen oder, wie speziell auch bei Wilde, um die Macht und den Einfluss der wahrhaft Herzlosen.

Die Tänzerin und Choreografin Katja Erfurth befasst sich in ihrem jüngsten Tanztheaterstück „Der Geburtstag der Infantin“ mit einigen dieser Fragen und Möglichkeiten. Und verbündet sich dafür ein weiteres Mal mit dem Regisseur Volker Metzler, der auch für die Ausstattung verantwortlich zeichnet, sowie dem Pantomimen Wolfram von Bodecker (Körperarbeit und Illusion). Vor allem aber arbeitet sie erneut mit dem freien Musiker Florian Mayer zusammen, und das prägt das Bühnengeschehen von gut einer Stunde, bestimmt quasi die Struktur der Aufführung, die übrigens auch schon für Zuschauer ab 10 Jahren empfohlen wird.

Was sich zu diesem Experiment, und irgendwie sind doch alle Produktionen von Katja Erfurth letztlich persönlich-künstlerische Wagnisse, nun nach der ausverkauften Premiere im Kleinen Saal vom Societaetstheater sagen lässt? Das ist merkwürdig schwer in Worte zu fassen. Die Aufführung assoziiert im Gesamtgefüge eine Art von Unentschiedenheit, die zuweilen spürbar auch die Zuschauer verunsichert. Und spielt natürlich bewusst mit den Fähigkeiten der beiden Darsteller, kommt dabei aber über das punktuell Erzählende einfach nicht hinaus. Ob das nun aber auch die Ursache dafür ist, dass bei dieser Aufführung das Komische nicht eben komisch und das Tragische auch nicht eben tragisch ist, bleibt mal dahingestellt. Man muss und kann es wohl in jeder Aufführung neu hinterfragen.

Möglicherweise fällt es im Gegensatz zum analysierenden „Abendpublikum“ den jüngeren Zuschauern auch leichter, die Geschichte für sich zu entdecken, können sie besser die Feinheiten genießen, das Fabulierende im Detail. Andererseits sind diese auch keineswegs dem Premierenpublikum entgangen, ist gerade im Spiel mit Klängen und Materialien die Fantasie jeglichen Besuchers gefragt, spürt man deutlich den Spaß der Beteiligten daran.

Wie beispielsweise zu Beginn der Aufführung, wenn das im verfremdenden Kostüm assoziierte Zwergenwesen mit optisch verkürzten Gliedmaßen ein Augen- und Händespiel mit dem noch unsichtbaren Widerpart beginnt, der sich hinter dem Vorhang mit verrückten Klängen und speziellen Seidenpapierrollen (oder etwas in der Art) bemerkbar macht und schließlich das begehrte, knisternde Material auch herausrücken muss.

Fahrt nimmt die Vorstellung schließlich auf, wenn sich Florian Mayer und seine Geige vor dem Vorhang in ein rasantes Spiel hineinsteigern. Scheinbar um die Gunst des Publikums zu gewinnen. Was aber auch eine Art von Tanz auf dem Vulkan ist, ein assoziiertes Beben und Schwingen des Körpers, um zu gefallen. Da wäre man dann wieder bei der Geschichte von Zwerg und Infantin. Und dieserart Tanz auf der Geige, das kann Florian Mayer nun mal, muss sich auch nicht an Vorgegebenes halten, darf aus der Seele heraus improvisieren, was das Zeug hält.

 nächste Aufführungen: 24.4., Beginn 17 Uhr, zur Tanzwoche Dresden sowie im Rahmen der Langen Nacht der Dresdner Theater am 23. April

Von Gabriele Gorgas

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