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Auf dem Weg zum eigenen Ausdruck: Studenten der Dresdner Palucca-Schule präsentierten ihre Bachelor-Arbeiten

Auf dem Weg zum eigenen Ausdruck: Studenten der Dresdner Palucca-Schule präsentierten ihre Bachelor-Arbeiten

Im Programmblatt der Abschlussprüfung steht als "Feststellung": Nie zuvor haben so viele Absolventen die Palucca Hochschule verlassen wie in diesem Jahr. Und es folgt als "Festlegung": Jede/r Absolvent/in muss ein Solo oder Duett choreografieren, in dem sie/er auch selbst tanzt.

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Lidia Melnikova und Lester René in der kurzweiligen Choreografie "Die Prinzessin auf der Erbse".

Quelle: Peter Fiebig

So hat es sich also zugetragen im Festspielhaus Hellerau - und in beachtlicher Zahl stellten sich auch die Zuschauer der Aufgabe, dabei zu sein. Da brauchte es nur noch eine Lösung für das logistische Problem: Wie lassen sich insgesamt 18 Choreografien in drei aufeinanderfolgenden "Blöcken" so organisieren, dass jeder Besucher alles sehen kann. Wer möchte, natürlich auch mehrmals.

Um es gleich vorweg zu nehmen - die Absolventen 2012 vom Bachelor-Studiengang Tanz haben das Fest- spielhaus wahrhaft in seinen Möglichkeiten ausgelotet. Der Große Saal war aufgeteilt in zwei überraschende Spielstätten, in denen zu Beginn und am Ende der bald drei Stunden alle Gäste einer Runde versam- melt waren. Im Mittelteil führte die tänzerische Erkundung zu jeweils einer der beiden Seitenbühnen sowie zum Nancy Spero Saal oder zum Dalcroze Saal. Eine Herausforderung auch für das Publikum - die einzige Pause war so kurz bemessen, dass es zum Verschnaufen kaum reichte. Wenn sich junge Tänzer in eigenen Choreografien vorstellen, erwartet natürlich keiner gleich Meisterwerke. Bei Hochschulabsolventen aber kann man darauf hoffen, dass die tänzerische Qualität gut ist. Das Fazit nach sechs Stunden Tanzmarathon (mit Wiederholungen und Varianten) war, dass sich der Bachelor-Jahrgang 2012 sehen lassen kann. Das zeigt sich auch in den Engagements - Absolventen der BAT III gehen nach Zürich, Bremerhaven, Rostock, St. Gallen, Mainz und Nordhausen. An den Landesbühnen Sachsen beginnt mit einem Gastvertrag Annika Wanger. Sie war gemeinsam mit Philipp Knapp in Hellerau in "Personal Reset" zu erleben.

Problematischer ist die Überlegung, inwieweit es die jungen Tänzer verstehen, Bewegungsfantasie zu entwickeln, herauszufinden, dass es nicht einfach nur um vermittelte Module geht, aus denen man sich austauschbare Abläufe schafft. Gerade bei choreografischen Versuchen wäre doch eine individuell geprägte Körpersprache wichtig, und das mit der Chance, etwas Eigenes "sagen" zu können. Dass die Absolventen das wollen, spürt man allenthalben, und sie meinen es auch durchweg ehrlich. Aber Bewegungsfantasie ist etwas Kostbares. Die Studierenden könnten in der Ausbildung, durch Freunde, Aufführungen dazu angeregt werden - entdecken aber müssen sie es selbst.

Worauf viele Absolventen Wert legen, ist die Art, sich möglichst wirkungsvoll zu präsentieren, beispielsweise mit medialen Mitteln. Und dazu lassen sie sich einiges einfallen, beziehen zuweilen auch die besondere Architektur des Hauses ein, lenken die Aufmerksamkeit auf Markantes, arbeiten mit Video, Schriftbildern, Verwandlungen. Doch der Impuls sollte schon vom Tanz kommen, und deutlich besitzen etliche Choreografien weder einen Anfang noch ein erkennbares Ende, hangeln man sich mit Schwarzblenden als Verlegenheitslösung durch.

Auch die Musikauswahl wirkt nicht selten etwas lieblos gehandhabt. Man kann sich von der Musik, dem Klang inspirieren lassen oder auch dagegen angehen, aber dazu verhalten müsste man sich schon. Und sich auch behaupten. Kirill Kalashnikov beispielsweise war ganz offensichtlich schlecht beraten, wenn er sich mit der suggestiven Filmmusik selbst die Chance nimmt, seine Geschichte konsequent weiter zu erzählen. Dankbar war man dann schon über den Einfall, dass Alicia Varela Carballo mit einem DJ (Thomas Jährling) zusammenarbeitete - doch es ging darüber nicht hinaus.

Ein stimmiges, kurzes Solo stammte von Jossia Clement, die sich erklärtermaßen frei machen will vom Herdendrang, nach einem eigenen Weg sucht und findet. Das ist prägnant und eigenwillig erzählt in der Körpersprache, verzichtet auf überflüssiges Beiwerk, verliert auch nicht beim zweiten Anschauen.

Sehenswert war auch die Geschichte von der Prinzessin auf der Erbse zu Vivaldi-Musik, ein Duett von Lidia Melnikova, das sie gemeinsam mit Lester René tanzt. Die beiden geben da ein kurioses Paar ab, und so ist auch die Story. Lidia Melnikova gehört übrigens zu jenen zwölf glücklichen jungen Tänzern, die für die Spielzeit 2012/2013 ins Elevenprogramm vom Semperoper Ballett übernommen werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.07.2012

Gabriele Gorgas

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