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Auf dem Theaterkahn war man mit der letzten Spielzeit sehr zufrieden

Auf dem Theaterkahn war man mit der letzten Spielzeit sehr zufrieden

Ob im Tatort oder im Polizeiruf 110: Eine glücklich-harmonische Beziehung oder gar Ehe führt eigentlich keiner der ermittelnden Kommissare. Unbeweibt sind sie als einsamer Wolf unterwegs.

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Thomas Stecher, Friedrich-Wilhelm Junge und Robert Seiler (v.l) spielen in "Bauland" auf dem Theaterkahn.

Quelle: Carsten Nüssler/PR

Da ist Inspektor Colombo, der von Peter Falk gespielte Ermittler der gleichnamigen US-Krimiserie, anders. Er hat es doch tatsächlich zu einer Frau gebracht, die er immer wieder erwähnt, um ein scheinbar unverfängliches Gespräch zu führen, aber erstaunlicherweise taucht "Mrs. Columbo" nie auf.

Auch in Holger Böhmes Stück "Bauland", das am 4. September auf dem Theaterkahn Premiere hat, sind Frauen präsent und spielen sogar eine entscheidende Rolle, treten aber nicht in Erscheinung. Es stehen - in drei völlig gleichberechtigten Rollen - drei Männer auf der Bühne, die zwar derselben Familie, aber drei unterschiedlichen Generationen angehören und sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie der Familienbetrieb, eine Autowerkstatt, weitergeführt werden soll.

Friedrich-Wilhelm Junge spielt den Großvater, Thomas Stecher dessen Sohn Thomas, der als Republikflüchtling in den Westen rüber machte und dort die Tochter eines Autohausbesitzers heiratete. Und Robert Seiler verkörpert Benjamin, den Sohn von Thomas' bzw. den Enkel des Familienpatriarchen. Das Männertrio streitet ständig. Es geht bei diesem tragikomischen Resümee der letzten 25 Jahre deutscher Einheit in einer sächsischen Kleinstadt laut Detlef Rothe, dem Geschäftsführer des Theaterkahns, nicht zuletzt "um die Deutungshoheit über das geführte Leben, aber auch um die eigenen Lebenslügen". Und wie das so ist: Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen und realen Handlungen sind "rein" zufällig, aber beabsichtigt.

Die Idee für dieses Stück kam von Junge, Regisseur Holger Böhme war es dann, der alles verdichtete, "Fleisch auf die Knochen packte" (Junge). Böhme verstehe es, "dem Volk aufs Maul zu schauen", versichert Rothe. Angekündigt wird das Stück als Komödie, die drei Voraufführungen vor der Sommerpause hätten gezeigt, dass "Bauland" auch als solche aufgefasst und angenommen worden sei.

Während Junge und Stecher alte bis mittelalte Hasen auf dem Theaterkahn sind, ist Seiler ein "Häschen", ist erstmals mit von der Partie. Bei den Voraufführungen waren die Zuschauer überwiegend auf seiner Seite, "auf der Seite des Rebellen", schwärmt Rothe. Geboren wurde Seiler 1983 in Mediasch in Rumänien, wo seine Eltern zur Minderheit der Siebenbürger Sachsen gehörten. Als Seiler sieben Jahre alt war, zog die Familie in die Bundesrepublik.

Er war und ist "fußballverrückt". Er strebte eine Fußballkarriere bei Mainz 05 an, trainierte sogar mal in Dortmund unter Klopp, musste aber nach einer schweren Sportverletzung die Töppen an den Nagel hängen. Aber es blieb die Schauspielerei, wobei Fußballspiel und Theaterspiel für Seiler "eng nebeneinander liegen". Schon während des Studiums in Graz wirkte der Mime in diversen Produktionen mit. Von 2009 bis 2013 gehörte Seiler fest zum Ensemble des Theaters Aachen und ist nun freischaffend tätig. Sein Lebensmittelpunkt liegt heute in Berlin.

Ein weiteres neues Gesicht ist dann bei der zweiten Uraufführung zu sehen, die für den 5. Februar 2016 angesetzt ist. Jörg Schüttauf, nicht nur für Junge "ein grandioser Schauspieler", wird an der Seite von Tom Pauls in dem ebenfalls von Böhme verfassten Stück "Lothar und der große Geist" agieren. Ausgangspunkt: Bei den Karl-May-Festspielen kriegen sich zwei Mitglieder eines Indianervereins in die Wolle. Der eine ist ein Sachse, der auf Sioux macht, genauer gesagt, in die Mokassins von Häuptling Sitting Bull schlüpft. Der andere ist ein aus Hannover Zugezogener, der einen US-Kavalleristen verkörpert. Da wird nicht nur um die historische Wahrheit gestritten, sondern auch um die Bewertung der jüngsten deutschen Geschichte.

Mit der letzten Spielzeit ist man laut Rothe mehr als zufrieden. In 284 Vorstellungen (gezählt sind nicht die Gastspiele auswärts) konnte man sich über 45 000 Zuschauer freuen, etwas mehr als in den beiden vergangenen Jahren. Die Auslastung liegt damit derzeit bei 74 Prozent. Zuschauermagnet Nummer Eins waren die heiteren Betrachtungen von Friedrich-Wilhelm Junge unter dem Motto "Altern ist nichts für Feiglinge" - sämtliche Vorstellungen waren ausverkauft.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.08.2015

Christian Ruf

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