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Auf dem Theaterkahn in Dresden laufen zwei Junge-Produktionen aus, aber Ersatz ist in Sicht

Auf dem Theaterkahn in Dresden laufen zwei Junge-Produktionen aus, aber Ersatz ist in Sicht

frei nach Schiller - seine Pappenheimer. Und insofern weiß Friedrich-Wilhelm Junge bei seinem Kästner-Abend "Es gibt nichts Gute, außer: Man tut es", wer im Publikum Teile seines Lebens in der DDR verbrachte, nämlich alle die, die bei den Worten "real existierend" auflachen oder -glucksen.

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Seit 20 Jahren spielt Friedrich-Wilhelm Junge sein Kästner-Programm, so auch wieder heute Abend auf dem Theaterkahn.

Quelle: Carsten Nüssler

Man kennt. 20 Jahre hat das Kästner-Programm nun schon auf den Buckel, ist schon 500 Mal gespielt worden, wobei "leichte Modifizierungen" natürlich erfolgten, denn so zeitlos manche Texte scheinen, einige hatten dann doch ihre Aktualität verloren. Zum Jubiläum ist es nun heute Abend wieder auf dem Theaterkahn zu sehen.

Als Theaterkahn-Urgestein Junge einst gefragt wurde, ob er nicht ein Kästner-Programm machen wolle, hatte er sich "Bedenkzeit erbeten". Denn zu sehr standen ihm Bilder von vor allem Kolleginnen vor Augen, die mit ihrem Kästner-Programm im Staatsauftrag unterwegs waren, auch im NSW (Nichtsozialistischen Wirtschaftgebiet). "Ich hatte eine Aversion" gegen bestimmte Titel", sagte Junge gegenüber den DNN. Insofern suchte er nach vergleichsweise unbekannten Texten fern jeglicher möblierter Melancholie" und fand sie vor allem in der Neuen Zeitung, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der amerikanischen Besatzungszone herausgegeben worden war und in der Kästner bis 1948 das Feuilleton geleitet hatte. Junge war nach eigener Aussage "überrascht", wie viel die Jahre 1945-1948 mit der Nachwendezeit 1990-1993 gemeinsam hatten.

Das Kästner-Programm Junges läuft und läuft wie ein alter VW-Käfer, von zwei anderen Programmen des Vollblutschauspielers heißt es dagegen endgültig Abschied nehmen. Am 13. November präsentiert Junge um 20 Uhr in der Dreikönigskirche Dresden den "Traum eines lächerlichen Menschen" nach Fjodor M. Dostojewski (Regie: Klaus Dieter Kirst), am 18. November, 18 Uhr, auf dem Kahn den Heine-Abend "Das Glück ist eine leichte Dirne", bei dem ebenfalls das Michael-Fuchs-Trio mitwirkt.

Aber ein Mangel an Fiete-Junge-Abenden muss nicht vermeldet werden. Ersatz ist in Aussicht: Am 2. Februar, 20 Uhr, hebt sich auf dem Theaterkahn der Vorhang für Holger Böhme Inszenierung "Der Zauberlehrling oder Wir wollen sein wie Gott!", einem Cabaret-Programm mit Musik, Wort und Bild, in dem seitens Junges intensiv gefragt wird: "Darf der Mensch alles, was er kann?" "Wie hoch ist der Preis des steten und wohl zutiefst menschlichen Strebens nach Fortschritt?" Der Pandora-Mythos wird ebenso eine Rolle spielen wie die Sage von König Midas oder die Geschichte vom Turmbau zu Babel. Auch Texte von Tucholsky und Böll fließen ein. "Running Gag" sei, so Junge, das Märchen vom "Fischer un sin Fru".

Noch im November, am 26. des Monats, hat auch die musikalische Kreuzfahrt "Mann über Bord" Premiere, mit drei Damen wie Strohwitwen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber den Tisch neben der Bordkapelle teilen müssen. Die war für Oktober geplant gewesen, hatte aber verschoben werden müssen, weil Uta Simone plötzlich erkrankt war. Aber mit Jeannette Oswald, Solistin der Staatsoperette Dresden, habe man guten Ersatz gefunden, freut sich Theaterkahn-Intendant Detlef Rothe.

Was die von ihm geleitete Schwimmobilie angeht: Die bekam 5000 Euro Zuschuss mehr im Jahr. Mit insgesamt 105000 Euro unterstützte also die Stadt im Geschäftsjahr 2012 den Theaterkahn, womit (gerade mal) knapp über zehn Prozent des Gesamtbedarfs gedeckt sind. Jede Strompreiserhöhung erfordert schärfste Kalkulation, erst recht wenn ein neuer Anstrich der Bordwand fällig ist. Mag ja sein, dass alte Lieben nicht rostet, Eisen irgendwann definitiv schon. Und wenn ein Kleid für eine Produktion benötigt wird, wird nicht das für 40, sondern das für 30 Euro genommen. Völlig undenkbar, für ein solches Teil 200 Euro hinzublättern.

Feste Größe neben den hauseigenen Produktionen sind die Gastspiele: An nächstes kommt der MDR-Figaro-Moderator Thomas Bille, der am 6., 7. und 8. November, jeweils 18 Uhr, auf dem Theaterkahn "Der kleine Nick" von René Goscinny, und außerdem am 9. November, 19 Uhr, Louis Pergauds Buch "Der Krieg der Knöpfe" lesen wird. Und am 15. November stellt der Berliner Musik-Kabarettist Sebastian Krämer sein neues Programm "Akademie der Sehnsucht" vor, das laut Ankündigung voll "bitterer Ironie und poetischer Leuchtkraft" sein soll.

Christian Ruf

Karten: Tel. 0351/496 94 50

Infos: www.theaterkahn.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.11.2012

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