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Assemblagen, Skulpturen und Objekte von Günter Schöttner in der Galerie Falkenbrunnen in Dresden

Assemblagen, Skulpturen und Objekte von Günter Schöttner in der Galerie Falkenbrunnen in Dresden

1982 begegnet Günter Schöttner dem Maler Willy Wolff und fasst kurz darauf den Entschluss, Künstler zu werden. Der ehemalige Metallbauer, dessen Großvater Schmied war, geht mit Begeisterung an die Arbeit: Freunde wie Bernd Meyer-Rähnitz und Dr. Heiner Protzmann bestärken ihn in seinem Tun.

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Günter Schöttner, Spachtel auf gelb.

Quelle: Winfried Melzer

1985 waren die ersten gültigen Arbeiten - allesamt Collagen, in der Folge auch Tuschezeichnungen - entstanden. Schöttner experimentiert (er begreift sich als Autodidakt) in dieser Zeit sehr viel. Durch die Freundschaft mit dem Maler Dieter Weise empfängt er viele Ideen und einen wahrhaften Schub. Farbe und Form, Struktur und Material treten in den Mittelpunkt. Dieter Weises malerische Gestik und seine bildnerischen Ordnungsprinzipien faszinieren ihn: Die Vielschichtigkeit zwischen Freiheit, Strenge und Ordnung. Aber auch Christine Weises form- und farbvollendete Textilkunst.

Ende der 80er Jahre wird Schöttner beim Arbeiten mit Holz der Weg klar. Damit ist das Material für Skulpturen, Objekte und Reliefs gegeben. In dieser Zeit beendet er seine Arbeit als Heizer im Krankenhaus St. Marien, wird dort Hausmeister. Bis heute organisiert er in den Klinikräumen regelmäßig Ausstellungen mit Malerei und Grafik von Dresdner Künstlern. Mitte der 90er Jahre begründet Günter Schöttner zusammen mit dem Maler Dieter Weise eine Produzentengalerie im Falkenbrunnen, wo er diesmal erstmals seit 1998 wieder mit einer Ausstellung präsent ist.

Günter Schöttner arbeitet in Serien als Variationen zu einem Thema. Die Korrespondenz der Fundstücke führt zu einem eigenwilligen Dialog der Dinge, die an ihre eigentliche Funktion nur noch andeutungsweise erinnern. Die Philosophie der Dinge zeigt sich im Materialbild als Übersetzung eines grafisch-malerischen Konstruktes aus Linien und Flächen. Am Material findet er die Idee. Ein gewisser Formenkanon ergibt sich aus dem vorgefundenen Material im Fundus selbst. Dort befinden sich Drähte, korrodierte und deformierte Bleche, Antennenteile, ausgestanzte Bruchstücke, alte Spachteln, landwirtschaftliches Gerät, Sägeblätter, abgefallene Autoteile und anderes.

Die Anordnung seiner Fundstücke erfolgt in einem langwierigen Prozess, der immer vom Material ausgeht. Die Teile werden spielerisch gelegt, Zwischenzustände skizziert oder fotografiert, bis die gefundene Bildlösung geklebt oder verschraubt wird. Alle Assemblagen, Skulpturen und Objekte von Günter Schöttner tragen keine Titel. Die sind ihm nicht wichtig. Der Betrachter hat das zu leisten, was der Künstler ihm vorenthält. Er muss sich fragen: "Was bedeutet es mir? Hat es etwas mit mir zu tun?" Wenn auf diese Weise eine Assoziationskette ausgelöst wird, ist das Ziel erreicht. Schöttners Arbeiten sind weniger erzählerisch, vielmehr, wie er selbst sagt, "lyrische Metaphern und lapidare Aphorismen", die sich zu Bild- und Motivformeln verdichten, immer wieder in Varianten von sich sprechen und die man wie einen Code lesen muss.

Die Ausstellung umfasst einen Zeitraum von 30 Jahren, gibt aber keine Werkpräsentation, sondern eher einen sporadischen Überblick. Materialbilder, Objekte und Collagen dominieren. Am Anfang stehen die 1984 entstandenen konstruktiven Objekte in drei Varianten zusammen mit einem wie eine Metallplatte erscheinenden Relief aus montierten Leisten und Rundhölzern. Schöttners Arbeiten entbehren nicht eines feinen Humors, manche davon wirken kreatürlich-grotesk, sind eine Narretei des angeordneten Materials. Aus den "Passagen" (2002), einem zehnteiligen Zyklus, wurden fünf Assemblagen ausgewählt, die die Möglichkeiten des Künstlers anschaulich zusammenfassen.

Die zum großen Teil farbig gefassten Arbeiten bestehen aus einem Zentrum mit Metallcollagen und Blechen, die an den Rändern von einer stark strukturierten Flächenmalerei gespiegelt und kommentiert werden. In jüngster Zeit betont Günter Schöttner die konstruktive Zeichnung, die wie im elektrischen Schaltkreis die einzelnen Metall-Module verbindet.

Die ausgestellten Kunstwerke frappieren durch eine Neuordnung des funktionalen Materials mit deutlichem Wertewandel. Funktion wandelt sich zum ästhetischen Konstrukt, Verworfenes erlebt plötzlich seine Auferstehung als Kunstwerk. Die Poesie des Materials schließt den Zusammenhang von Mensch, Natur, Technik, Kosmos und Kultur ein. Die Vergänglichkeit aller Dinge wird zur Wurzel eines stilllebenhaften Arrangements, das zur Schönheit zurückkehrt und die Dinge in ihren vielfältigen Verwandlungen feiert.

Bis 21. März. Galerie Falkenbrunnen, Chemnitzer Straße 48, Mo-Fr 7.30-18.30 Uhr geöffnet

www.artfoto-wm.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.03.2013

Heinz Weißflog

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