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Arne Walther ist Technischer Produktionsleiter der Semperoper - und 25 Jahre am Haus

Arne Walther ist Technischer Produktionsleiter der Semperoper - und 25 Jahre am Haus

Er ist ein Bastler, ein Tüftler, ein Mensch, der vom Kosmos des Musiktheaters besessen ist. Arne Walther, im Hauptberuf Technischer Produktionsleiter an der Sächsischen Staatsoper, begeistert sich für Raumlösungen im Theater, die mit klug durchdachter Originalität zu überzeugen vermögen.

Und doch wirkt er für einen Besessenen unglaublich nüchtern. Sein Büro in der Semperoper ist aufgeräumt, funktional. Den Modellbau betreibt er zu Hause. Dort entstehen die kleinsten Details für all das, was Opern- und Ballettbesucher dann im großen Bühnenrund bestaunen dürfen.

Hand aufs Herz, wer kann sich vorstellen, dass die komplette Szenerie einer Opernproduktion in einen größeren Schuhkarton passt? Es muss aber passen, weil es ansonsten auf der Bühne unweigerlich zu Reibereien kommen würde. Schon beim Modell muss also klar sein, wie es später auf-, um- und abgebaut werden kann.

Arne Walther, im November 1971 in Dresden geboren, ist durch und durch Theatermann. Einen Großteil seines Lebens hat er in der Oper verbracht, der er nun seit genau 25 Jahren auch beruflich eng verbunden ist. Doch schon lange vorher besuchte er mit seinen vom Tanz kommenden Eltern Ballettaufführungen, beobachtete die angehenden Eleven der Palucca Schule bei ihren Exerzitien. Sein Faible war beizeiten das Handwerk, verbunden mit Bastelei und Malerei. Keine Musik? "Als Kind galt meine Leidenschaft eher dem Schlagzeug, da war ich sehr impulsiv", erinnert sich Walther, "gelernt habe ich dann aber auf der Gitarre." Ein musikalischer Freiraum, der nicht von langer Dauer war. Ein Schlüsselerlebnis brachte ihn zum Musiktheater: "Dass ein Besuch von 'Hänsel und Gretel' mal solche Auswirkungen haben wird, konnte ich damals nicht ahnen. Aber ich war so beeindruckt von dieser Aufführung im Großen Haus - die Semperoper war ja noch nicht wieder eröffnet -, dass ich die komplette Bühne nachgebaut hatte und mit dem Modellbahn-Trafo sogar für Beleuchtung sorgte."

Als es Zeit war, über die Berufswahl nachzudenken, hat sich Arne Walther gesagt, Handwerk hat goldenen Boden. Schon sein älterer Bruder hatte Tischler im Dekorationsbau gelernt. Und so begann er am 1. September 1988 die Lehre im neueröffneten Opernhaus, arbeitete danach zwei Jahre als Bühnentechniker. "Diese Zeit war unglaublich spannend, heute vermisse ich sie manchmal. Ich wollte einfach nur dahin, wo Theater gemacht wird."

Ein Zufall führte ihn wenig später in die Technische Direktion des Hauses, dort war er als Assistent des Direktors fasziniert von den Bühnenbildmodellen. Seine theatrale Feuertaufe bestand er in der Doppelproduktion "Der Zwerg" / "Der Gefangene" Alexander von Zemlinskys und Luigi Dallapiccolas. Dabei habe er sich erstes Rüstzeug für grobes Vorplanen, die Konstruktionen sowie die Zusammenarbeit mit diversen Firmen, Gewerken und den künstlerischen Teams erworben, resümiert der immer noch jugendlich wirkende Theaterjubilar im Rückblick auf dieses Vierteljahrhundert Bühnenleben. Was in jenen Jahren begann, sieht Arne Walther heute als "Beginn einer Entdeckungsreise, auf der ich mich noch heute befinde." Prägend waren ihm beeindruckende Kontakte zu Regiegrößen wie Ruth Berghaus, Willy Decker und Peter Konwitschny. "Wenn solche in jeder Hinsicht intensiven Menschen ihr Konzept vorgestellt haben, war mir jedes Mal klar, so muss es sein, anders geht es gar nicht! Die leben und leiden für die Kunst, verlangen sich alles ab und wissen wirklich, warum sie was tun."

In dieser Reihe sieht Arne Walther auch Regisseure wie Stefan Herheim und Axel Köhler, mit dem er aktuell an Bizets "Carmen" arbeitet. Die meisten seiner inzwischen etwa 70 Produktionen als Bühnenbildner hatten bislang allerdings mit dem Ballett zu tun. "Durch einen Zufall kam es Anfang 1994 zur ersten Zusammenarbeit mit Christan Schwaan, 'UnHeilBar' in der Kleinen Szene. Bald darauf folgten Arbeiten mit Annette Jahns und dann vor allem mit Stephan Thoss." Mehrere dieser Projekte gingen später zu anderen Häusern, nach Stuttgart, Hamburg, Kiel, Hannover, Wiesbaden. Stets eine neue Erfahrung für den Dresdner, der sich noch heute auch der Kleinen Szene erinnert: "Hier konnten wir experimentell arbeiten, die Intimität des Raumes hatte besonderen Charme, und ich bedauere, dass sie oder eine vergleichbare Spielstätte uns fehlen."

Einen vollkommen anderen Ansatz brachte die Koopera- tion mit dem Ballettchef Vladi- mir Derevianko mit sich, "für mich aber trotzdem sehr reiz- voll, denn wir näherten uns einander über die bildende Kunst". Walther sei bis heute "nicht festgelegt, immer auf der Suche nach neuen Erzählwei- sen, nach neuen Räumen". Neue Herausforderungen erfolgten mit dem Amtsantritt von Aaron S. Watkin. "Dornröschen", "La Bayadère" und "Schwanensee" legten beredte Zeugnisse der Ballettausstattung ab. Wichtig für Walther, immer genügend Freiraum für den Tanz zu berücksichtigen, ohne das Bild zu verlieren.

Als Produktionsleiter muss er darüber hinaus auch Sachzwänge wie Kosten, technische Lösungen und Termine im Auge haben. Da ist viel Kommunikation gefragt: "Ich mag diese Teamarbeit, denn es gibt ja keine Produktion aus einer Hand, weder gedanklich noch handwerklich. Es geht immer darum, wie kann ich mit meinen Partnern eine ästhetische Intensität erreichen?" Bei der aktuellen "Carmen", verrät er, sei dies im Ausschlussverfahren gelungen. Mit Regisseur Axel Köhler, dessen "Schwanda"-Inszenierung er bereits ausgestattet hatte und dafür in der Zeitschrift "Opernwelt" als Bühnenbildner des Jahres nominiert und die Inszenierung zur Wiederentdeckung des Jahres prämiert wurde, ging er die Fragen durch, was man nicht sehen wollte. "Kein Klischee, kein Ballast, wir wollen nah an den Menschen und am Drama sein, um die riesigen Fallhöhen in dieser Oper zu zeigen und dem Zuschauer Raum für Interpretation zu geben." Die Premiere ist erst Ende September, doch schon jetzt ist klar, diese Künstlerzusammenarbeit wird fortgesetzt, noch in diesem Jahr an der Oper Halle mit der Rarität "Schahrazade" von Bernhard Sekles.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.09.2013

Michael Ernst

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