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Ariadne und die Mediclowns: Strauss-Oper an Landesbühnen

Ariadne und die Mediclowns: Strauss-Oper an Landesbühnen

Nach der Wagnerwelle des letzten Jahres, auf der die Landesbühnen Sachsen nicht mitgeschwommen sind, folgt jetzt die Richard-Strauss-Welle aus Anlass des 150. Geburtstages des Komponisten.

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"Ariadne auf Naxos" mit Iris Stefanie Maier, Peter Diebschlag, Kazuhisa Kurumada, Stephanie Krone, Hagen Erkrath und Andreas Petzoldt.

Quelle: Hagen König

Jetzt stürzt man sich in Radebeul mutig in die Strauss-Flut und kommt mitunter dabei ganz schön ins Schwimmen. "Ariadne auf Naxos", die Oper nebst einem Vorspiel mit dem wunderbaren Text Hugo von Hofmannsthals, braucht zwar im Vergleich zu anderen Stücken des Meisters ein kleineres Orchester und keinen Chor, aber die diffizile Partitur hat es in sich, die Partien der Protagonisten erst recht. Und das hört man beim Spiel der Mitglieder der Elbland Philharmonie Sachsen unter der Leitung von Jan Michael Horstmann immer wieder im Verlauf des Abends. Auch bei den Sängerinnen und Sängern sind die Eindrücke recht unterschiedlich.

Eindeutig gelungen hingegen ist das Bühnenbild von Ulrike Kunze. In strengem Schwarzweiß hat sie zunächst für das Vorspiel einen engen Raum auf der Hinterbühne eines kleinen Theaters mit deutlichen Verweisen auf etwas strengere Formen des Jugendstils entworfen. Hier sind die Vorbereitungen für eine Aufführung im Gange, die tragische Oper "Ariadne auf Naxos" soll erstmals gespielt werden, danach ein lustiges Nachspiel. Die Zeit ist knapp, denn für pünktlich neun Uhr ist das Feuerwerk vorbereitet. Getafelt werden muss auch noch, die Opern- und die Komödiantentruppe konkurrieren, Theater vor dem Theater auf dem Theater. Zum Chaos kommt die Aufregung des jungen Komponisten der Oper. Strauss und Hofmannsthal wussten gut, wie das Geld die Kunst regiert. Am Ende hat der Mäzen die Macht und macht kurzen Prozess. Nicht nacheinander, sondern gleichzeitig möchte er das Ernste und den Spaß erleben, alles zugleich, alles zu einer Zeit, und die läuft ab, wenn es kracht, das Feuerwerk, pünktlich um neun.

Die Bühne des privaten Theaters im Hause dieses launigen reichen Herrn soll eine wüste Insel darstellen, dahin ist nämlich die von Theseus verlassene Ariadne geflüchtet. In ein liebliches, himmelblaues Halbrund mit niedlichen Wölkchen hat Ulrike Kunze ein großes rundes Bett gestellt für die kranke Ariadne, die ja nach eigenem Gesang mindestens an zerstückeltem Herzen leidet und sich ins Reich der Toten sehnt.

Aus den Rollen einer Najade (Miriam Sabba), einer Dryade (Silke Richter) und eines Echos (Elena Patsalidou) werden beherzte Krankenschwestern und aus den Komödianten ganz praktische Mediclowns. Gekleidet und maskiert im Stile der Commedia dell'arte versuchen sie die vor Trauer und Depression vergehende Ariadne zu erheitern. Und sie verrennen sich in ihren improvisierten Ermunterungsbemühungen, sie spielen mit possierlichen Handpüppchen, sie verpuppen sich selbst. Was den Gesang angeht, könnte man heilende Kräfte am ehesten Kazuhisa Kurumada als Harlekin zutrauen.

Zur Truppe der erfolglosen Clowns gehört noch eine Frau namens Zerbinetta, der hat Strauss eine halsbrecherische Arie mit vielen Koloraturen und einigen Spitzentönen geschrieben, aber die Sängerin Iris Stefanie Maier ist an diesem Abend selber nicht gut drauf und versingt ihre Chancen auf Erfolg bei der ungerührt sich entfernenden großmächtigen Prinzessin Ariadne.

Gesanglich hat diese Ariadne einiges zu leisten, sie muss in lyrischen, zarten Passagen ihren Sehnsüchten glaubwürdigen Ausdruck verleihen, dann aber auch in der Lage sein, mittelschweres dramatisches Pathos zum Klingen zu bringen, sie muss dem Wagnerschen Heroinenton entkommen, und bei aller Kraft darf der klingende Geist Mozarts nicht abhanden kommen. Das alles hört man an diesem Abend großartig bei Stephanie Krone in der Titelpartie.

Der Tod kommt nicht ans Krankenbett, auch nicht sein Bote, Bacchus legt an, daher tritt Christian S. Malchow als ranghoher Kapitän auf. Als hätte sein Navigationsgerät versagt, wirkt er verwirrt, und in der Tat, es ist verwirrend. Er hält die todestrunkene Ariadne für die männerbetörende Zauberin Circe, von der er eigentlich weg wollte. Sie hält ihn für den Fährmann und seinen Kriegskreuzer für die bewusste Barke. Dann wird das Krankenbett zur Liebesinsel, "innerste Lust" steigt auf, er ist ein anderer, sie eine andere, sie will bei ihm sein, er hat ihrer bedurft, eben noch krankenhausreif, regt er die Glieder in göttlicher Lust. Und es ist eine Lust zuzuhören, wie der Tenor Christian S. Malchow diese wahrhaft nicht einfache Partie des verwirrten Gottes ohne das kleinste Anzeichen von Verunsicherung singt.

Spätestens da ist wohl auch Patrizia Häusermann in der Rolle des jungen Komponisten versöhnt, denn als solcher ist sie voller Aufregung durch den Theatersaal gepirscht und hat zugehört, wie ihre tragische Geschichte mit den heiteren Intermezzi eigentlich doch ganz gut zusammengeht. Zu singen hatte sie ja nur im Vorspiel, eine Hosenrolle, ein Cherubino auf dem Weg zum Octavian, recht scharf in den Höhen, pubertäre Überschätzung, passt aber gut zum Typ.

Inszeniert hat diesen Mix aus Improvisation und Interpretation Annette Jahns, eigentlich hält sie sich an den vorgeschriebenen Gang der Dinge. Etwas erfindet sie hinzu, ein Vorspiel vor dem Vorspiel, weil das Stück 1916 in Wien uraufgeführt wurde, ist der Tenor an der Front. Kaum aber dass von ihm gesprochen wird, ist er da und singt. Dass er als kriegsversehrter Irrfahrer ins Inselsanatorium kommt, passt dann und noch mehr, dass er fürs Leben genug hat von Feuerwerken und daher pünktlich um neun Uhr Opernzeit, wenn's wieder kracht und sich die anderen freuen, unters Bett kriecht.

Im Vorspiel vor dem Vorspiel kann auch Intendant Manuel Schöbel sich als Graf, für den ja eigentlich kein Platz auf der Bühne vorgesehen ist, präsentieren und kann Peter Kube mit herrlicher Selbstironie seine Rolle als Haushofmeister zelebrieren. Keine Frage, wer hier das letzte Wort hat.

Aufführungen: 6., 12., 18.4.; 4.5.

www.landesbuehnen-sachsen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.04.2014

Boris Gruhl

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