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Architekt will Dresdner Plattenbaumuseum wiederbeleben

Architekt will Dresdner Plattenbaumuseum wiederbeleben

Von 1958 bis 1990 wurden im Johannstädter Plattenwerk an der Gerokstraße alle Außenplatten der Dresdner Wohnblöcke angefertigt. Als die Fabrik 2001 abgerissen wurde, waren viele froh, dass die Industriebrache endlich verschwand.

Es gab allerdings auch Dresdner, die das Andenken an den DDR-Plattenbau erhalten wollten.

Zu ihnen zählte der Johannstädter Hobbyfotograf Lars Beetz. Gemeinsam mit Werner Ehrlich, der den Stadtladen Johannstadt leitete und das Projekt angestoßen hatte, setzte er sich dafür ein, dass auf dem Grundstück ein Plattenbaumuseum entsteht.

2004 war es dann so weit und das Plattenbaumuseum "Betonzeitschiene" öffnete auf einem 1500 Quadratmeter großen Streifen an der Arnoldstraße seine Pforten. Konzipiert wurde es von dem Dresdner Architekten Ruairi O'Brien. Der gebürtige Ire erkannte das architekturhistorische Potenzial des Ortes und entwarf das weltweit erste Plattenbaumuseum.

"Wir brauchen solche Projekte, um der Zerstörung der Stadt am 13. Februar 1945 eine andere Sichtweise zu geben", so O'Brien. Der Name "Betonzeitschiene" wurde in diesem Zusammenhang ganz bewusst als Kunstwort erfunden: "Beton ist nur für kurze Zeit formbar, dann ist er hart. Genauso ist es mit unserer Zeit auf Erden. Wir müssen unsere Gesellschaft gestalten und dürfen sie nicht Gruppen wie den Nazis überlassen, die uns erstarren lassen wollen", betont der Architekt.

Auf insgesamt neun Stationen konnten die Besucher in dem Museum durch die Vergangenheit reisen. Den Anfang bildete dabei die Zeit, als sich auf dem Gelände das Carolakrankenhaus befand, eines der ersten Kinderkrankenhäuser in Europa. Diese Epoche wurde mit Hilfe von authentischen Sandsteinfragmenten dargestellt.

In einem weiteren Bereich symbolisierte eine graue, leere Betonfläche die Nazizeit und ein paar Schritte weiter standen einzelne in Beton eingelassene Trümmersteine für die Zerstörung am 13. Februar. Auf diese Weise wanderte der Besucher durch die Geschichte und konnte nachvollziehen, wie die Stadt nach dem Krieg mit den Betonelementen des Johannstädter Plattenbauwerkes wieder aufgebaut wurde.

Neben zahlreichen Betonplatten mit ihren bunten Außenfliesen wurden in dem Museum außerdem Abbruchstücke, Gerüstteile und vorgefertigte Nasszellen gezeigt. Diese kreative Atmosphäre machte die "Betonzeitschiene" auch zu einem beliebten Anlaufpunkt für kulturelle Veranstaltungen.

"Es gab zum Beispiel Theateraufführungen und Malereiworkshops oder Videoprojektionen", erinnert sich der stellvertretende Vorsitzende des Vereins "Betonzeitschiene", Lars Joachim. Auch für ausländische Touristen sei der Ort daher interessant gewesen. 2005 wurde O'Brien's Museum von der Kunstkommission der Stadt Dresden mit einem Preis für Kunst im öffentlichen Raum geehrt.

Trotz des großen Zuspruchs war 2007 ganz unerwartet Schluss. Nur drei Jahre nach seiner Eröffnung musste das Museum schließen. Grund war, dass es der Stadtverwaltung in Verhandlungen mit dem Berliner Eigentümer des Grundstücks nicht gelungen war, eine weitere Zwischennutzung für den Verein zu erreichen. Seitdem sind die Exponate eingelagert und warten auf eine Wiedereröffnung des Museums. Pläne gibt es schon seit langem, aber es scheiterte immer wieder an der Umsetzung.

"Im Jahr 2006 wurde im Stadtrat der Bebauungsplan für das gesamte Gelände des ehemaligen Betonwerks beschlossen. Teil des Plans ist auch die Wiederherstellung der alten Stephanienstraße, die durch das Grundstück führt. Hier soll die Ausstellung wieder neu entstehen, auf einem Abschnitt, der nur für Fußgänger und Radfahrer genutzt werden kann", erklärt Christoph Mann vom Stadtplanungsamt.

Die Passanten könnten dann rechts und links daran vorbeifahren. Allerdings sei es im Moment schwer, den Bau der Straße voranzutreiben, wenn auf dem angrenzenden Grundstück kein Baubeginn in Sicht sei. Ohne Straße gibt es aber keine Ausstellung. Von der Berliner Firma "Idealwert", die seit langem auf dem Areal bauen will, gab es auf DNN-Anfrage nur die Nachricht, dass der Eigentümer des Grundstücks verstorben sei und daher in absehbarer Zeit nicht gebaut werde. Ruairi O'Brien bedauert das sehr, weil er das Freiluftmuseum als große Chance sieht: "Alt und Jung könnten sich hier begegnen und über die Geschichte ins Gespräch kommen."

Im Moment bleibt den sieben Vereinsmitgliedern der "Betonzeitschiene" jedoch nur das Prinzip Hoffnung. Und das, obwohl sich viele Menschen wünschen, dass es das Museum bald wieder gibt. "Zahlreiche Anfragen aus dem In- und Ausland beweisen, dass das Interesse nach wie vor sehr groß ist", berichtet Lars Joachim.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.02.2012

STH

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