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Arche in bewegter Landschaft: Bilder aus Landschaften von Franziska Kunath im Zahnärztehaus

Arche in bewegter Landschaft: Bilder aus Landschaften von Franziska Kunath im Zahnärztehaus

Röhrsdorf bei Klipphausen ist das selbst gewählte Refugium der Malerin Franziska Kunath (geb.1964 in Dresden). Hier lebt und arbeitet die Künstlerin seit einigen Jahren fast ohne Komfort, glücklich und auch künstlerisch produktiv.

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Franziska Kunath. Kleine Geschöpfe, Öl auf Leinwand, 2008. Repro: Ralf Wöhling

In einer Gegend mit magischer Anziehung, wie der dort geborene Dichter Wulf Kirsten in seinem Gedicht-Band "Die Erde bei Meißen" spricht. Die Scholle fruchtbar, weite Horizonte, hügelig, mit verwunschenen Tälern, erdiges Braun, frische Luft, spirituelle Kraftorte. Auf einer Anhöhe steht Franziska Kunaths Bauernhof, wirsch im Wind. Im Stall nebenan zwei Schafe. Auf der Tenne aber reihen sich, sorgsam an die Wand gelehnt, Franziska Kunaths Bilder: immer wieder Landschaften, gesehene, erdachte, ja gefühlte, meist in einer äußern und inneren Zusammenschau. Das Dresdner Zahnärztehaus zeigt eine Auswahl von ihnen, zwei Dutzend Arbeiten der vergangenen Jahre, deren Zauber einen umfängt und in deren lebendige Bildsprache man versinkt.

Franziska Kunath entwickelt ihre Bildideen auf der Leinwand im Atelier, manchmal sofort nach der Natur als fast fertige Skizze. Ihre von weiten Spaziergängen erfüllten Erlebnisse drängt sie in die jeweilige Form als Aquarell oder Ölbild. Dabei erzeugt sie eine seltsame Mischung aus realen Landschaftselementen und einem von eigenen Gedanken und Gefühlen getragenen Animismus: Zweige des ersten Frühlings strecken sich empor und wirken wie Finger, die den Himmel abtasten. Geheime Räume von Gärten und Wald öffnen sich aus frischem und dunklem Grün. Fein getönte und zart lavierte Flächen, über die sich ein vegetatives, feinnerviges, verspieltes Lineament spannt, spiegeln ein inneres Chaos, das Traum und Realität gleichermaßen in einer offenen Bildordnung assoziiert. Eine schwer zu identifizierende Figürlichkeit, Schemen von Gesichtern, gelbe Sonnen und Monde, rote Himmel sind oft Teil des Bildes und haben etwas Naives an sich, das die Malerin bewusst sucht. Bewegung und Sehnsucht nach einer gedachten Welt, in der Freiheit und Sicherheit gleichermaßen walten, führen zu "Arche-Bildern", in denen Geborgenheit und Überleben wirklich werden. Diese Art Insel ist nicht weltfremd: Sie ist geprägt von der Sehnsucht nach Ganzheitlichkeit und Durchschaubarkeit der Dinge. Das Unterbewusste jedoch bahnt sich seinen Weg über das Bild, meistens in traumvoller, surrealer Verwandlung.

In ihren Ölbildern hat sie einen formalen Kanon entwickelt, der immer abrufbar ist und ständig variiert. Um aber eine Wiederholung zu vermeiden, sucht sie das Erlebnis der Natur immer wieder und baut (eher dirigiert) das Bild nach einem neuen Plan. Musikalität und eruptive Emotionen kennzeichen den Pinselduktus. Heftig und spontan, kraftvoll und eigensinnig ist ihr malerisches Temperament, das besonders in den kleinen Formaten Stimmungen und landschaftlich Typisches herüberbringt, wie ihre überelbischen Bilder mit den in der Ferne sanft-dunklen ruhenden Hängen. Zum Teil trägt sie in ihre Bilder manch kuriose Idee als Allegorie, wie in dem Bild vom Frosch mit grüner Krone. Aber auch Alpträume und Nachtmahre finden sich dort wieder, die zunächst irritieren, aber nach und nach erkennbar werden als Psychogramme und emotionale Niederschriften.

Bis 9. Juli. Zahnärztehaus. Schützenhöhe 11. Mo-Fr 8-17 Uhr.

www.zahnaerzte-in-sachsen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.07.2012

Heinz Weißflog

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