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Arbeiten von neun Malern, Grafikern und Bildhauern in der "Galerie unterm Dach" im Bürgerhaus Langebrück

Arbeiten von neun Malern, Grafikern und Bildhauern in der "Galerie unterm Dach" im Bürgerhaus Langebrück

Das Bürgerhaus in Langebrück (ehemals Gasthof und Kino) gleich neben dem Bahnhof ist ein großzügiger Multifunktionsbau, der in diesen Tagen (auch aus Anlass des 725. Jubiläums der Ortschaft) mit Kunst bis unters Dach angefüllt ist.

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Ölbild und Bronzeplastiken von Tud Majores: v.l.n.r.: Das Steinchen; Selbstporträt; Liegender am Meer.

Quelle: Galerie Sillack

Zu sehen sind Arbeiten von neun Malern, Grafikern und Bildhauern aus dem Heideort, die dort zwischen Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts arbeiteten und lebten. Einige Straßen in der seit zehn Jahren zu Dresden gehörenden Ortschaft tragen den Namen wie Jean Louis Nicodé (Komponist) und Jakob Weinheimer (Maler). Der Schriftsteller und Arzt Dr. Friedrich Wolf praktizierte hier im zum Lazarett umfunktionierten "Lindenhof" an der Dresdner Straße zwischen 1918 und 1920.

Eine ständige Ausstellung ist dem bodenständigen Maler Karl Hanns Taeger gewidmet, der neben den Alpen und der Lausitz auch die Heide malte. Eine Kopie einer Zeichnung von ihm wurde von einer seiner Schülerinnen, der Malerin Marie Proell (1877-1945), 1898 als Bleistiftzeichnung ausgeführt ("Bergweg"). Roswitha Koch, eine der Ortschronisten, hat das Verdienst, die verlorenen Spuren der kunstsinnigen Familie Proell wieder aufgenommen zu haben: Eine Frau aus Langebrück hatte vor einigen Jahren eine Mappe mit Arbeiten von Marie Proell an den Galeristen Manto Sillack übergeben (die ganze Familie Proell war am Kriegsende 1945 freiwillig aus dem Leben geschieden). Der Galerist und Kurator Manto Sillack, der seitdem mit einer umfangreichen Präsentation liebäugelte, forschte im Ortsarchiv und baute die Ausstellung mit viel Mühe selbst auf.

Johanna Roth Schaberschul (1903-1991) studierte an der Kunstakademie Dresden als letzte Meisterschülerin von Robert Sterl. Sie ist eine kultivierte Landschaftsmalerin in einer vom Impressionismus beeinflussten strahlenden und leuchtenden Malerei. Für die Gemeinde Langebrück schuf sie 1949 ein Wandbild für die Schule.

Wie Max Schaberschul war sie als Karikaturistin für verschiedene Dresdner Zeitschriften aktiv. Mehrere ihrer Kinderbücher wurden im Ausland verlegt. Max Schaberschul (1875-1940) studierte an der Dresdner Kunstakademie bei Gotthardt Kuehl. Seine karikaturistische Veranlagung brachte ihm den Spitznamen "erster technischer Karikaturist Sachsens" ein. Er schuf Illustrationen für die bei Schmidt&Co in Berlin erschienenen Bücher für Kraftwagenführer und den "Schnauferlclub" (Vorläufer des ADAC). 1907 zog er nach Langebrück.

Der Historienmaler Rudolf Trache (1866-1948) ist mit vier Landschaften vertreten. Trache war Student an der Kunstakademie Dresden und bis 1889 Meisterschüler im akademischen Atelier für Geschichtsmalerei unter F. Pauwels. Damit begann seine Laufbahn als Militärhistorienmaler der sächsischen Armee. "Bauer am Pflug" ist ein eher stilles Feldstück, das die Besitzerin extra für diese Ausstellung restaurieren ließ.

1908 kam der hessische Maler Jakob Weinheimer (1878-1962) nach Dresden. Er war hier Meisterschüler und Assistent bei Professor Eugen Bracht an der Akademie der Bildenden Künste Dresden. Als Landschaftsmaler erschloss er sich in Langebrück ab 1911 zahlreiche Motive der Dresdner Heide und ihrer Umgebung. Dort entstand auch sein grafisches Hauptwerk "Der Sauerbusch", ein Radierzyklus, der den Rieseneichen bei Langebrück gewidmet ist. Weinheimers Stich "Obstgarten" wurde noch von dem legendären Drucker Alfred Erhard von der Presse aufs Papier gebracht. Auch einige Jugendstilarbeiten sind zu sehen.

Aus Eisfeld in Thüringen stammte der Maler Rosso H. Majores (1911-1996), der 1936 von Weixdorf nach Langebrück umzog. Ein Großteil seiner Ölbilder stammt aus den 30/40er Jahren. Sie pflegen zunächst einen bodenständigen Realismus, werden aber immer expressiver und haben die Langebrücker Landschaft zum Gegenstand, wie "Kornpuppen am Dorfrand" .

Tud, die erste Frau Rosso H. Majores (1908-2004), arbeitete vorwiegend als Bildhauerin. In Kassel und Weimar erhielt sie ihre künstlerische Ausbildung. Bei den ausgestellten Bronzen handelt es sich um die überschlanke Kleinplastik "Steinchen", ein realistisches Selbstporträt und das Bildnis von Christian Voss, vormals 1944 Vorsitzender des Sächsischen Kunstvereins Dresden.

Der Bildhauer Dr. Johannes Friedrich Rogge kam 1945 von Berlin nach Langebrück. 1921 hatte der Vielbegabte an den Universitäten Jena und Berlin promoviert. Im Atelier von Paul Türpe arbeitete er von 1924-30 als Plastiker, um fortan Literaten und Dichtern mit seinen Bildnissen ein Denkmal zu setzten. Die kleine Bronze von 1923, die er Mary Wigman widmete, ist eine Studie für eine nicht ausgeführte lebensgroße Plastik der Tänzerin. Zu Gerhard Hauptmann verbanden ihn freundschaftliche Beziehungen. Umstritten sind seine Bildnisse von Persönlichkeiten der öffentlichen Politik vor und nach dem Krieg. In Moskau studierte er bei Tomski Monumentalplastik. Er und seine Frau organisierten nach dem Krieg das kulturelle Leben von Langebrück.

ibis 10. Mai. Bürgerhaus Langebrück, Galerie unterm Dach, Hauptstraße 4, Tel. 0352 01-81 60, geöffnet Mo, Mi, Fr 16-18, Sa 14-18 Uhr, oder Tel. 880 40 01

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.04.2013

Heinz Weißflog

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