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Arbeiten von 18 internationalen Künstlern bei Friesen

Was lehrt uns Kunst? Arbeiten von 18 internationalen Künstlern bei Friesen

Der Begriff des "Abstrakten" in der Kunst beschränkt sich nicht bloß auf seine ungegenständliche Seite. Er beinhaltet auch konkrete und geometrische Kunst und alle auf das Wesentliche eines Gegenstandes beschränkten Aspekte, die den Betrachter zur Assoziation und gesteigerten Wahrnehmung verführen.

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Hermann Glöckner (1889-1987): "o. T.", (blaue, rote und gelbe Farbfelder um eine Mittelachse), 1953, Tempera auf Zeichenpapier, Faltung, 33,8 x 23,1 cm. (Ausschnitt)

Quelle: Galerie

Dresden. Abstraktion, das ist vor allem Genuss einer lebendigen Wirklichkeit durch Kunst, die mit geschärften Sinnen erfahrbar wird. Durch das Weglassen von Einzelheiten werden die Dinge in ihrer formelhaften Einfachheit erlebbar. In ihrer jüngsten Ausstellung zeigt die Galerie Friesen zum Jahresende eine gemischte, aber dennoch wohlkomponierte Ausstellung, die unter dem Titel "Abstrakt" Arbeiten (Collagen, Grafiken, Licht-und Wandobjekte, Skulpturen, farbige Arbeiten auf Papier) von 18 internationalen Künstlern.

Der weit gefasste Rahmen lässt Freiräume zum intensiven Betrachten und Staunen über die Vielseitigkeit künstlerischen Herangehens und die Fülle der Ideen und ihren Zusammenklang. Kunst soll gut tun und beflügeln, aber auch in diesen kühlen Tagen wärmen wie ein Kamin. Eines lehrt uns Kunst vor allem: So wie in einer Ausstellung unterschiedliche Handschriften, Mentalitäten und Temperamente nebeneinander bestehen und miteinander zu einem Ganzen wirken, so ließe sich vielleicht ein demokratischer Diskurs zur gegenwärtigen politischen Situation denken?

In den vier Räumen der Galerie, im Treppenhaus und in der Küche hat Frau Dr. Margareta Noeske ihr fantasievolle Hängung verwirklicht, die Arbeiten aus dem Bestand der Galerie vereint: So hielt sie eine ganze Wand für eine kostbare Lavage von Wilhelm Müller frei ("Turkmenische Impression", 1997, Purpurtempera auf Japanpapier), die wie ein gewirkter orientalischer Kelim ausschaut und sich wohltuend vor dem zart graublauen Hintergrund der Wand abhebt. Gleich daneben beherrscht eine Fantasie von Alison Hall in blauer Ölfarbe mit einer feingliedrig-eingeschriebenen Graphitzeichnung in venezianischem Gips auf Holz die Wand ("Brooklin Nocturne", 2015). Eine alte Technik, die an die noblen Arbeiten der italienischen Renaissance erinnert, aber auch die Faszination der Neuen Welt sehr gefühlvoll beschreibt. Anders gestimmt ist die Mixed Media-Arbeit "GERM GAS" (Nummer#5) von Jochen Gerz aus seinem gleichlautenden Werkkomplex. Hart und sachlich wird durch den Titel und die konstruktive Form der Schrifteinbindung auf eine fatale Zweideutigkeit hingewiesen. Vor einer Fotografie vom winterlichen Park von Weesenstein von Klaus-Dieter Weber, die durch eine besondere Blaufärbung Kühle und Künstlichkeit der beschnittenen Bäume verdeutlichen, stehen die in Holz geschaffenen und in Bronze abgegossenen Bronzeköpfe des Bildhauers Dietrich Klinge.

Raum II enthält sieben Mischtechniken und Drucke von Hermann Glöckner (!), dem sächsischen Wegbereiter der Abstrakte per se, die zum Teil aus Farbklecksen entwickelt wurden. Blaue und rote Farbfelder drehen sich um eine Mittelachse (o.T., Tempera auf Zeichenpapier, Faltung), kurvige Linien liegen über Faltungen in Grau (o.T. Tempera und Blei auf festem Papier). Dimitri Krenzer aus Kasan, ein junger Absolvent der HfBK Dresden, Student bei Ulrike Grossarth, schuf gerahmte, objektartige Bildminiaturen in einer minimalistischen Malerei, die durch ihre zahlreichen Schichtungen irrlichternd-gegenstandslos wirkt.

Im Raum III fällt die großformatige Plexiglasarbeit "zwei Zentren" (2011) von Klaus Staudt auf. Er gehört zu den führenden noch lebenden konstruktivistischen Künstlern Deutschlands, der für seine Rasterarbeiten (besonders in Kunststoff) bekannt ist. Die beiden bemalten, mächtigen Keramikköpfe von Detlef Reinemer (Radebeul) bilden einen schönen Dialog zu der schwungvollen, der chinesischen Schrift nahestehenden Tuschearbeit der in Deutschland ausgebildeten und hier lebenden Südkoreanerin Eun Nim Ro. Wie gewohnt thronen über allem an der Decke Tim von Vehs freskenartige Wandtattoo-Bilder, ebenso auf einem Paravent im Treppenhaus. Leuchtobjekte von Gerhard Bär (2012, 2010, 2011) am gleichen Ort schmücken das Ambiente der Galerie auf eindrucksvolle Weise.

bis 31. Dezember, Galerie Friesen, Basteistraße 3, geöffnet: Di-Do 14-19 Uhr und nach Vereinbarung, Kontakt: 0351/216 52 52

www.galerie-friesen.de

von Heinz Weißflog

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