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Apocalyptica mit ihrem Cello-Metal-Rock im ausverkauften Schlachthof

Alles Mögliche Apocalyptica mit ihrem Cello-Metal-Rock im ausverkauften Schlachthof

Wer Apocalyptica noch nicht gesehen hat, muss sich schon erstmal an das gewöhnen, was es zu sehen gibt: Drei Metalheads mit tätowierten Armen stehen im Lichtgewitter der Bühnenshow und malträtieren mit Inbrunst ihre Violoncelli.

Wehendes Haupthaar über rauchenden Celli: Apocalyptica bleiben ein unverwechselbares Musik-Projekt.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Wer Apocalyptica noch nicht gesehen hat, muss sich schon erstmal an das gewöhnen, was es zu sehen gibt: Drei Metalheads mit tätowierten Armen - zwei davon mit wehenden blonden Haaren, die Rapunzel zur Ehre gereichen - stehen im Lichtgewitter der Bühnenshow und malträtieren mit Inbrunst ihre Violoncelli.

Zunächst war am Freitag im ausverkauften Alten Schlachthof jedoch die Vorband am Zuge: dreckiger Stoner-Rock aus Australien, garniert mit einer einprägsamen, bisweilen powermetallischen Stimme. Tracer heißt die Band, die den Schuppen anheizt, während etliche Gäste noch draußen am Einlass Schlange stehen. Dann schließlich kommen die sehnlichst erwarteten Finnen von Apocalyptica und steigen mit einem langen, fetten, fast alle Wünsche erfüllenden Intro und grandioser Lichtshow ein.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie die mittlerweile nur noch drei Cellisten Eicca Toppinen (musikalischer Leader der Band und der mit den blondesten Haaren), Perttu Kivilaakso und Paavo Lötjönen (mit kurzen Haaren) aus ihren klassischen Streichinstrumenten Tonfolgen herausholen, die dem schönsten Metal in Form von Gitarren, Bass und Schlagzeug in nichts nachstehen. Erstaunlich, wie Toppinen und Kivilaakso ihre Mähnen im Rhythmus schütteln, ohne Blondhaar-Cellosaiten-Bogen-Salat herzustellen. Erstaunlich, wie man auf einem Cello spielen und es gleichzeitig über die Bühne tragen kann.

Seit einer Weile gehört auch Schlagzeuger Mikko Sirén zur Formation und seit Kurzem ein einziger Sänger: Franky Perez. Zuvor hatten sich Apocalyptica immer wieder bekannter Gastsänger bedient - Ville Valo von HIM zum Beispiel oder Marta Jandova (Die Happy). Mit Perez scheint der Pop Einzug im apocalyptischen Universum gehalten haben. Mit Metal haben die Stücke vom aktuellen Album "Shadowmaker" nur wenig gemein, manches kommt fast balladesk. Auch rücken die Celli - eigentlich das Besondere am Konzept Apocalyptica - in den Hintergrund: Was da rauskommt, ist guter, kein besonderer Poprock.

Das Publikum nimmt's hin und mit, einige vor allem weibliche Fans sind ganz begeistert. Den echten Schwung in die Bude bringen jedoch die älteren, rein instrumental gehaltenen Stücke, die weit mehr dem Metal huldigen, darunter Eigenkompositionen von Toppinen, aber auch Adaptionen von Metalgrößen wie Sepultura. Selbst ein Stück vom 2014-er Projekt "Wagner Reloaded" anlässlich des 200. Geburtstages des Komponisten darf nicht fehlen. Und selbstverständlich wird auch das gespielt, was diese so außergewöhnliche Formation vor fast 20 Jahren ins Laufen brachte: Apocalyptica plays Metallica. Großartig.

Franziska Schmieder

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