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Antrittslesung des Dresdner Stadtschreibers Akos Doma

Antrittslesung des Dresdner Stadtschreibers Akos Doma

Der leichte bayerische Dialekt mischt sich bei dem Schriftsteller Akos Doma mit einem ungarischen Akzent. Vergangenheit und Gegenwart, Herkunft und neue Heimat - in der Sprache existiert es nebeneinander und ineinander.

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Mitgebracht hat der neue Dresdner Stadtschreiber - der 17. mittlerweile - das Manuskript zu einem neuen Roman. "Plattensee" lautet der vorläufige Arbeitstitel. Es geht um eine Familie, die in den 1970er Jahren aus Ungarn nach Italien flüchtet. Abschied, Aufnahmelager, Aufbruch in ein neues, unbekanntes Leben - das sind Themen, die sehr viel mit der Biografie des 1963 in Budapest Geborenen zu tun haben, der mit seinen Eltern in den Westen floh und heute im bayerischen Eichstätt lebt.

In Dresden ist er schon einmal gewesen, wie er bei seiner Antrittslesung in der Villa Augustin berichtete. Auf einer Fahrt von Germanisten durch Sachsen hat er kurz hier Station gemacht. Aber das war in einer anderen Zeit, in der Endphase der DDR, im Sommer 1989.

In den Osten zieht es auch die vier jungen Randsiedler der Leistungsgesellschaft in seinem Roman "Die allgemeine Tauglichkeit", aus dem Akos Doma drei Passagen las. Diese Aussteiger - einer von ihnen aus Russland, ein anderer ein Illegaler aus dem Iran - klauen gelegentlich Autos. "Wenn es geht, fahren wir in den ehemaligen Osten, wo noch nicht alles abgeschleckt und ausgelutscht ist, die Straßen noch holprig sind und die Fabriken schon stillgelegt. Dort, wo der Pöbel abhaut und die Wildnis wieder zu wuchern beginnt, dort zieht es uns hin, dort gibt es Luft zum Atmen und rechtsfreie Räume."

Diese Jungs konfrontiert der Autor mit einem, der das Gegenteil ihrer Lebensauffassung vertritt, ein "Macher", der Ordnung in ihrem heruntergekommenen Haus schafft und ihr Leben verändert. "Grübelt nicht so viel", fordert er sie auf. "Handelt." Zwei Konzepte einer Existenz in der Gesellschaft treffen aufeinander. Beide haben etwas für sich, beide haben etwas Fragwürdiges. "Gefährlich wird es nur, wenn eine Seite das Übergewicht bekommt", merkt Akos Doma an. Eine eindeutige Botschaft will er nicht vermitteln. Er will uns Leser in eine Geschichte verwickeln.

Die Entscheidung für die eine oder andere Art zu leben überlässt er uns.

Anders als seine Helden will Akos Doma in Dresden zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Straßenbahn und Bus unterwegs sein. Die eine oder andere Lesung ist schon geplant. Aber ansonsten ist noch alles offen, wie er in diesem leichten Bayerisch sagt. "Schau mer mal, was noch alles kommt."

Akos Doma, Die allgemeine Tauglichkeit, Roman, 272 S., 18,95 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.07.2012

Tomas Gärtner

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