Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Ansgar Weigner inszeniert "Cagliostro in Wien" zur Eröffnung des Johann-Strauss-Festivals

Ansgar Weigner inszeniert "Cagliostro in Wien" zur Eröffnung des Johann-Strauss-Festivals

Immerhin, ein Jubiläum gilt es zu feiern an der Staatsoperette in Dresden. Zum fünften Mal als Hommage an den Wiener Walzerkönig gibt es - vom 2. bis zum 10. Mai - das Johann-Strauss-Festival: "Acht Tage im Dreivierteltakt".

Voriger Artikel
Rainer König lädt im Dresdner Comedy- & Theaterclub zum Striptease-Abend
Nächster Artikel
Webers "Freischütz" wieder an der Semperoper: Interview mit dem Regisseur Axel Köhler

"Cagliostro in Wien" mit Gerd Wiemer, Christian Grygas, Andreas Sauerzapf, Jannik Harneit und Marcus Günzel.

Quelle: Kai-Uwe Schulte-Bunert

Und wie es sich gebührt, zur Eröffnung eine Premiere, nicht irgendeine, sondern gemäß dem Anspruch eines Festivals, ein sehr selten zu erlebendes Werk von Johann Strauss: "Cagliostro in Wien".

Für die Inszenierung dieser Operette über den Trickbetrüger und Quacksalber Cagliostro, den es wirklich gab, und auf dessen Versprechen, genau die Mittel zu haben, die ewige Jugend, fett- und faltenfreie Schönheit garantieren, konnte der Regisseur Ansgar Weigner gewonnen werden, der in Dresden sein Regiedebüt gibt. Ralph Benatzkys Aussage, "Leichtigkeit erringt man nur mit großer Müh", ist das programmatische Motto seiner Arbeiten, bei denen er sich gerne dem heiteren und unterhaltenden Genre widmet. Mit Erfolg, denn die Presse, ob in Luzern, Wiesbaden oder beispielsweise in Frankfurt am Main, bescheinigt dem jungen Regisseur, dass er es verstehe, Operetten, Spielopern oder Revueprogramme "spritzig und mit subtilem Augenzwinkern" in Szene zu setzen.

In der Dresdner Staatsoperette in Leuben laufen die Proben auf Hochtouren. Vor einer entscheidenden Beleuchtungsprobe nimmt sich der Regisseur Zeit für ein Gespräch und gibt zunächst Einblicke in seinen künstlerischen Werdegang. Der begann vor genau 30 Jahren. Als Neunjähriger, der bereits mit fünf das Klavierspiel erlernte und sich ab dem 12. Lebensjahr für das Orgelspiel begeisterte, erlebte eine Aufführung von Webers romantischer Oper "Der Freischütz". Das, so heute in der Rückschau, war "mein Urerlebnis". Später sah Ansgar Weigner eine Aufführung von Lortzings "Zar und Zimmermann", der Regisseur ließ darin ein kleines Schiffchen über die Bühne schwimmen, das hat ihn begeistert. Und so war es fast selbstverständlich, dass Ansgar Weigner in Bonn Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Germanistik studierte.

Am Staatstheater in Wiesbaden war er drei Jahre Assistent und Abendspielleiter, bald folgten erste Inszenierungen "Das Weiße Rössl" oder "Der Vetter aus Dingsda". Nach Dresden führte ihn eine Hospitanz bei der Inszenierung der Oper "Ariadne auf Naxos". Hier empfing er wichtige Impulse und lernte vor allem die Arbeit eines Operndirektors wie Rolf Wollrad zu schätzen.

In der nun folgenden künstlerischen Entwicklung fällt auf, dass die Operette für Ansgar Weigner eine besondere Rolle spielt, auch wenn man ihn ganz und gar nicht einseitig auf dieses Genre festlegen kann. Aber er findet Gefallen an dieser Kunst, die so komisch sein kann, so lustig, so schwungvoll unterhaltend, deren zumeist vorhandene tragische Fallhöhe das Fingerspitzengefühl des Regisseurs fordert, um bei aller nötigen Rasanz dem Publikum auch immer wieder kurze Momente des Innehaltens zu vermitteln.

Darum geht es auch, wenn er jetzt jenen historischen Schwindler und Quacksalber Cagliostro, so wie er durch Johann Strauss zum Operettenhelden wurde, dem Dresdner Publikum vorstellen will. Dabei ist ja gerade dieses Phänomen der Trickbetrügerei ganz aktuell, und die Motive derer, die darauf reinfallen, auch manchmal nachvollziehbar. So wird es nicht darum gehen, dem Publikum einen moralischen Spiegel vorzuhalten sondern mit Witz und Charme zum Lachen oder wenigstens zum Lächeln über eigene Reinfälle zu bringen. Die Liebe mit allen ihren Irrungen und Wirrungen spielt in diesem personenreichen Stück auch eine Rolle, dazu hat der Komponist sich auch besonders schöne Themen einfallen lassen.

Dafür steht in der Staatsoperette Dresden ein musikalisch, gesanglich und spielerisch tolles Ensemble auf der Bühne, und es spielt unter der Leitung von Andreas Schüller ein in diesem Genre versiertes Orchester.

Das ganze Ensemble, so der Regisseur, befinde sich in einem anhaltenden Kreativprozess. Die Risikobereitschaft, sich auf immer neue Varianten einzulassen, sie auch mal wieder zu verwerfen und andere Lösungen zu finden, ist da. Beste Voraussetzungen, um dieses wenig bekannte Stück in der Bearbeitung von Alexander Kuchinka und in einer Bühnenkonzeption, die Ansgar Weigner gemeinsam mit Carsten Süß erstellt hat, der unverdienten Vergessenheit zu entreißen. Für Weigner ist die immer wieder totgesagte Operette höchst lebendig, und wer sie auf die Bühne bringt, sollte nicht aufhören, auf die musikalischen Untertexte ihrer Komponisten, die ja Meister ihres Faches waren, zu hören. Was ja im Falle von Johann Strauss auch niemand bezweifelt.

Viel über seine Inszenierung will der Regisseur im Gespräch nicht verraten, nur so viel, dass er die Besucher abholen, weiterführen und vielleicht zu überraschenden Entdeckungen verführen will. Das können sie ganz praktisch erfahren, wenn sie von Mitwirkenden empfangen und auch wieder entlassen werden.

Und wenn dem von Christian Grygas alternierend mit Bryan Rothfuss gespielten Verführer Cagliostro auf den Dresdner Brettern, die die Operettenwelt bedeuten, die Herzen zufliegen werden, dann geht es für Ansgar Weigner gleich weiter. In Kiel inszeniert er Kurt Weills Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" mit dem Libretto von Bertolt Brecht, darauf Leo Falls Operette "Madame Pompadour" in Bremerhaven, "Die Lustige Witwe" folgt in Oldenburg.

Der Kalender ist gut gefüllt, der Arbeitsplan straff, längst aber haben sich nicht alle Wünsche erfüllt. Opern von Verdi würde er gerne inszenieren, erfahre ich, Donizettis unbekannte Oper "Maria Rudenz" und eine "Lucia di Lammermoor", der man anmerkt dass sie nach einem Schauerroman entstanden ist. Und dann wäre es ja auch mehr als gerecht nachzuweisen, dass Albert Lortzing, der deutsche Spielopernweltmeister, viel besser ist als sein Ruf. Das habe er auch durch den von ihm verehrten Regisseur Dietrich Hilsdorf begriffen, dessen großartige Inszenierung von Lortzings "Der Wildschütz" auch an der Dresdner Staatsoperette zu erleben war.

Nicht alle, aber viele Wege führen noch nach Leuben, ganz sicher sollte man sich auf den Weg machen, wenn sich der Vorhang hebt für "Cagliostro in Wien".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.04.2015

Boris Gruhl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr