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Anne Wylie & Band zu Gast in der Dreikönigskirche

Mystische Sagen Anne Wylie & Band zu Gast in der Dreikönigskirche

Mit dem Konzert von Anne Wylie hat sich der Veranstalter von Musik zwischen den Welten, Andreas Grosse, alle Ehre gemacht. Dessen Motto lautet "Konzertreihe zwischen Tradition und Moderne" - genau dies haben die Zuhörer in der Dreikönigskirche dargeboten bekommen.

Dresden. Mit dem Konzert von Anne Wylie hat sich der Veranstalter von Musik zwischen den Welten, Andreas Grosse, alle Ehre gemacht. Dessen Motto lautet "Konzertreihe zwischen Tradition und Moderne" - genau dies haben die Zuhörer in der Dreikönigskirche dargeboten bekommen. Die irische Sängerin spinnt die Traditionslinie ihrer Heimat in die heutige Zeit weiter, so dass man nicht bemerkt, welch altes Geschichtengut sich hinter den energiegeladenen Liedern verbirgt.

Nach wie vor bestimmen alte, keltische Sagen von Fischern, Schäfern und Bauern, aber auch traurige und mitunter schaurige Balladen den Inhalt der Lieder, doch musikalisch gesehen haben die Interpretationen und Arrangements mit dem traditionellen Irish Folk, wie man ihn aus den Pubs kennt, recht wenig zu tun. Keine Fiddle, keine Bodhrán, stattdessen E-Bass, Schlagzeug, Cello und Djembé. Die Band überrascht mit modernen, mitunter jazzigen Arrangements - hoch virtuos und perfekt aufeinander abgestimmt. Dass die Musiker in dieser Besetzung seit 1995 miteinander spielen, wird genau hierin überaus deutlich. Die Spiellust und die Experimentierfreude sind den Musikern ins Gesicht geschrieben - hier mal ein Lächeln, da ein Kopfnicken, Kommunikation ohne Worte.

So muss eine Band funktionieren. Markus Faller am Schlagzeug, Uwe Metzler an der Irish Bouzouki, Gitarre und Dobro sowie Henrik Mumm am Kontrabass, Cello und E-Bass liefern sich ein derart blind harmonisches Zusammenspiel, was einer perfekten Grundlage für die warme Stimme Anne Wylies gleicht. Wunderbar von daher die Entscheidung, jedem Musiker auch Raum für eigene, virtuose Soli zu geben. Der erhaltene Zwischenapplaus war mehr als verdient.

Anne Wylie reiht sich mit ihrem Gesang mühelos zwischen die makellose Darbietung ihrer Musiker. Ihre klare und intonatorisch glänzende Stimme erzählt so lebendig und emotional die mystischen Geschichten, dass man nicht anders kann, als ihr gefesselt zu lauschen. Sie spielt mit ihrer Stimme, haucht, flüstert, schreit und gibt den Inhalten der Lieder so mehr Authentizität. Besonders wenn sie auf Gälisch singt, verleiht dies den sagenumwobenen Geschichten einen zusätzlichen Zauber.

Auch wenn Anne Wylie seit rund 20 Jahren in Bietigheim-Bissingen wohnt: Irland hat sie nicht losgelassen, sie lässt sich nicht nur in der Thematik, sondern auch in der Melodieführung stark von den Liedern ihrer Heimat inspirieren, wie beispielsweise die Eigenkompositionen "The Body in the Swamp" oder "September Bird" zeigen. Doch sucht sich die Sängerin auch anderweitig ihre Ideen. So erzählt sie, wie sie eine Delfinologin aus Düsseldorf, die sie zufällig auf der irischen Insel Inisheer traf, so sehr beeindruckt hat, dass sie ihr das Lied "The Waters of the Wild" gewidmet hat.

Auch das Volkslied aus Siebenbürgen "Es saß ein klein wild Vögelein" hat sie zu einem eigenen Song inspiriert, den sie "The Nightingale" taufte. Der irische Dichter William Butler Yeats diente mit seinem Gedicht "The Song of Wandering Angus" als Vorlage für ihr Lied "Silver Apples of the Moon". Sie mag am liebsten "Geschichten, die nicht so nett sind", da diese ja die interessanteren seien, wie sie in fließendem Deutsch auf der Bühne zugibt.

Anne Wylies Verknüpfung von alten, mystischen Sagen und aktuellen Geschichten zeugt davon, wie sehr sie durch ihre musikalische Überzeugung als Vermittlerin zwischen Tradition und Moderne gilt. In ihren Liedern findet alles einen angemessenen Platz, seien es das uralte Erbe der grünen Insel oder aktuelle Bekanntschaften mit ihren Mitmenschen. Eben diese Verknüpfung findet sich auch auf musikalischer Ebene wieder, auch dort verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart zu einer völlig neuen Klangerfahrung - das ist schlichtweg grandios.

von Annette Thoma

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