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Anna Netrebko und Piotr Beczala als Lohengrin erstmals in Wagnerpartien

Jubel für Schwanenritter in Dresden Anna Netrebko und Piotr Beczala als Lohengrin erstmals in Wagnerpartien

Die „Lohengrin“-Inszenierung feierte am Donnerstag Premiere in der Dresdner Semperoper. Die russische Sopranistin Anna Netrebko verkörperte an der Seite von Piotr Beczala die Rolle der Elsa.

Wagners „Lohengrin“ in der Dresdner Semperoper.

Quelle: Daniel Koch/Semperoper Dresden

Dresden. Stars hin oder her. Weder die russische Sopranistin Anna Netrebko noch der polnische Tenor Piotr Beczala hätten ihre bejubelten Erfolge mit ihren Debüts im romantischen Wagnerfach in der Dresdner Semperoper feiern können, wären sie nicht getragen worden vom Klangzauber eines Orchesters wie dem der Sächsischen Staatskapelle Dresden und einem Dirigenten wie Christian Thielemann am Pult. Für Richard Strauss steht Wagners Lohengrin-Partitur am Anfang der modernen Instrumentation, und für Franz Liszt nahm mit diesem Werk „die alte Opernwelt ein Ende“. Mögen es die ätherischen und entrückten Klangwelten Elsas und vor allem Lohengrins im Vorspiel zum ersten Aufzug sein, gebrochen durch die Modulation zu den dunklen Themen der Intrigen Ortruds, oder dann der Jubel im Vorspiel zum dritten Aufzug und das verstörende, kriegslüsterne Schmettern vor dem zweiten Bild mit dem Finale, grandios und zart zugleich in der Gralserzählung des Schwanenritters Lohengrin, die ganz große Kraft dieses außergewöhnlichen Opernabends kommt aus der Tiefe des Orchestergrabens.

Im Vorfeld stellte die Werbung Anna Netrebko mit ihrem Debüt als Elsa, mit ihrem somit beginnenden Fachwechsel in die dramatischeren Sphären in den Vordergrund, entsprechend hoch waren die Erwartungen. Enttäuscht wurden sie nicht. Gesanglich ist das eine außerordentliche Leistung, gerundeter Klang in allen Lagen, feinste Piani und wenn nötig auch dramatischer Aufbruch.

Die Schönheit des Gesanges aber entfaltet sich in der betörenden Geschmeidigkeit des Tenors Piotr Beczala in der Titelpartie. Nach verhaltenem Beginn, einer minimalen Verunsicherung beim Auftritt im zweiten Aufzug, verbindet der Sänger in so kluger wie sensibler Dynamik bis hin zum gesanglichen Höhepunkt des Abends in der Gralserzählung Wort und Klang mit beglückender Legatokunst bei makelloser Diktion und damit verbundener Textverständlichkeit.

Keine Frage, Georg Zeppenfeld ist ein seriöser Bass erster Güte. So wird auch seine Interpretation der Partie des Deutschen Königs Heinrich der Vogler zu einem klangvollen und in der Konsequenz der Darstellung besonderen Ereignis. Im Kampf mit der Diktion unterliegt die gesangliche Präsenz des Baritons Tomasz Konieczny in der Partie des Friedrich von Telramund, auch wenn hier selbstverständlich charaktervolle Töne unerlässlich sind. Nicht zu unterschätzen ist die kleinere Partie des Heerrufers. Da lässt der junge Bariton Derek Welton aus dem Ensemble der Sächsischen Staatsoper wahrhaft vielversprechend aufhorchen.

Im Gegensatz zu den Lichtgestalten Elsa und Lohengrin verkörpert Ortrud die tragische, dunkle Gestalt dieses romantischen Dramas. Die Ortrud dieses Abends ist Evelyn Herlitzius. Den vollen Einsatz dieser hochdramatischen Sopranistin kann man erwarten, hier erlebt man bei höchster Konzentration der Darstellung und so kraftvollem wie ausdrucksstarkem Gesang eine grandiose Leistung. Das ist der Kampf auf verlorenem Posten, da werden alle Register gezogen, verführerische Töne, wenn es gilt, Elsa zu umwerben, schauerlich werden die Götter der Vergangenheit beschworen und vor allem in der großen Szene des zweiten Aufzuges, die Herlitzius lockt auch Anna Netrebko regelrecht aus der Reserve. Und somit hat auch sie hier in der Auseinandersetzung mit ihr ihre dramatischen Höhepunkte.

Und so wie durch das Spiel des Orchesters die Dynamik der Aufführung sich vom ersten bis zum letzten Ton fortsetzt, so tut sie es auch in den großen Szenen der von Jörn Hinnerk Andresen einstudierten Chöre. Der Chor der Staatsoper und die Herren des Dresdner Sinfoniechores bereiten dem Publikum Klangerlebnisse der besonderen Art.

Dass der Zahn der Zeit an der Inszenierung von Christine Mielitz in der 112. Vorstellung seit der Premiere im Januar 1983, damals noch im Großen Haus, kräftig genagt hat, ist nicht zu übersehen, so wird sie auch gerechterweise „nach“ Christine Mielitz angekündigt.

Aber die Starparade des Abends findet an der Rampe statt und wird am Ende einhellig mit stehenden Ovationen vom Publikum im ausverkauften Opernhaus enthusiastisch gefeiert. Und als müsste es so sein, pünktlich, beim Verlassen der Semperoper, steigt ein imposantes Feuerwerk über den Elbwiesen.

In der neuen Saison gib es einen ganz neuen „Lohengrin“, nicht von Richard Wagner und auch nicht auf der großen Bühne der Semperoper, sondern in der dann eröffneten neuen Spielstätte Semper zwei. Im April 2017 kommt Salvatore Sciarrinos tiefenpsychologisch orientiertes Porträt der Elsa, sein „Anti-Lohengrin“ von 1982, als Kammeroper in Dresden auf die Bühne.

Nächste Aufführungen: 22. Mai, 16 Uhr, mit Semper Open Air: Übertragung auf den Theaterplatz bei freiem Eintritt, 25. Mai, 18 Uhr, 29. Mai, 16 Uhr

www.semperoper.de

Von Boris Gruhl

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