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Anna Loos: Der Name AfD ist eine Lüge

Interview Anna Loos: Der Name AfD ist eine Lüge

Silly war eine der wichtigsten Bands der DDR. Nach dem Mauerfall suchte sie nach neuen Wegen. Dann starb 1996 Frontfrau Tamara Danz mit nur 43 Jahren an Krebs. Vor gut zehn Jahren übernahm die Schauspielerin und Sängerin Anna Loos ihre Rolle

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Anna Loos

Quelle: dpa

Berlin. Silly war eine der wichtigsten Bands der DDR. Nach dem Mauerfall suchte sie nach neuen Wegen. Dann starb 1996 Frontfrau Tamara Danz mit nur 43 Jahren an Krebs. Vor gut zehn Jahren übernahm die Schauspielerin und Sängerin Anna Loos ihre Rolle. Am 6. Mai erscheint mit „Wutfänger“ das dritte Album in dieser Formation. Auch beim Interview mit der Band in der Plattenfirma ist Anna Loos die Frontfrau. Sie quatscht viel und gern. Buddy, der Schoßhund von Gitarrist Uwe Hassbecker, schlummert derweil friedlich in einer Tasche auf dem Boden.

Frage: Das Lied „Wutfänger“ auf Ihrem neuen Album klingt politisch, als Ansage gegen Hass. Sie haben sich auf Facebook vergangenen Sommer für Flüchtlinge stark gemacht. Ist das jetzt die Fortsetzung einer Botschaft?

Antwort Anna Loos: Der Song ist schon vor etwa zwei Jahren entstanden. Wir haben damals zusammengesessen und gedacht: Wenn hier nicht richtig etwas passiert, wird es einen echten Rechtsruck geben. Das ist etwas, vor dem wir Angst haben. Das war schon zwei Jahren totales Thema bei uns: Wer fängt die Leute auf? Was machen die Volksparteien? Beschäftigen sie sich mit den Leuten, die Angst haben, oder wird es einen Rechtsruck geben? Und den haben wir jetzt. Damit setzt sich dieses Lied auseinander. Wut wird erzeugt durch Angst. Man muss versuchen, den Leuten die Angst zu nehmen. Es wäre geil, wenn es einen Impfstoff geben würde, eine Schluckimpfung. Als erstes würde ich sie an alle Politiker weltweit verteilen.

Frage: Können Sie mit der Musik etwas ausrichten? Silly-Fans gehen doch eh nicht zu Pegida, oder?

Antwort Anna Loos: Da bin ich mir nicht so sicher. Ich glaube, dass viele Leute auch unsere Platte hören, die vielleicht mal auf einer Pegida-Demonstration waren oder, vielleicht auch nur aus Protest, die AfD gewählt haben. Wir sagen: Der Name, AfD, ist eine Lüge. Das ist keine Alternative für Deutschland. Und wir stehen für Offenheit, Toleranz und Hilfsbereitschaft. Es geht vor allem darum, eine Haltung zu haben und damit Anstöße zu geben.

Antwort Uwe Hassbecker: Eigentlich will man es nicht wahrhaben, aber rechtes Gedankengut ist sehr tief in die Mitte der Gesellschaft eingesickert. Nicht nur als Künstler, als Band, sondern als Menschen haben wir die Verantwortung, Farbe zu bekennen und den Mund aufzumachen.

Frage: Haben Sie da schon in Ihrem Umfeld negative Erfahrungen gemacht?

Antwort Uwe Hassbecker: Bei einem Konzert in Dresden mit Herbert Grönemeyer für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit, da hat jemand aus unserem direkten Umfeld gesagt, er versteht nicht, dass wir mitspielen. Da habe ich die Welt nicht mehr verstanden.

Antwort Ritchie Barton: Dabei war der Inhalt der Veranstaltung, dass man sich gegenseitig zuhören soll. Da kann man nicht verstehen, dass es solche Reaktionen hervorruft.

Frage: An Silly hat viele Jahre das Etikett „Ost-Band“ geklebt. Ist das heute noch so?

Antwort Anna Loos: Wir sind halt aus dem Osten, das ist unsere Herkunft. Silly war für mich meine Jugend, Tamara meine Heldin. Ich verbinde viele Momente in meinem Leben mit Musik von Silly. Das waren einfach im Osten Stars. Es wird immer mit der Band zu tun haben, auch wenn es jetzt eine andere Konstellation und Zeit ist. Heute empfinden wir uns als Berliner Band. Für uns gesehen sind wir schon lange keine Ost-Band mehr. Unsere Wurzeln liegen dort und wir sind die Kinder des Ostens, aber den Osten gibt es seit 26 Jahren nicht mehr und so lange hat die Band in der DDR auch keine Musik gemacht. Wir denken, leben, arbeiten und lieben im hier und jetzt.

Antwort Uwe Hassbecker: Wir haben uns selbst während der Zeit in der DDR nicht als Ost-Band begriffen. Es ist auch kein Problem, so lange es mit den Erfahrungen und Empfindungen von Leuten zu tun hat, die wie wir, oder auch die mit uns im Osten groß geworden sind. Wenn es gemeint ist, um uns in eine Schublade zu stecken, dann ist es falsch.

Ist es traurig, dass es die Etiketten Ost/West noch gibt?

Antwort Uwe Hassbecker: Es nervt manchmal.

Frage: Ist Ihnen durch Silly schon mal eine Fernsehrolle flöten gegangen, Frau Loos?

Antwort Anna Loos: Oh, einige, auch Kinorollen. Aber ich habe als Schauspielerin das Glück, dass ich meine Projekte planen kann. Als ich angefangen habe mit Silly, war es wie ein luxuriöses Hobby. Das hat sich geändert. Jetzt ist es fast mehr mein Erstberuf.

Frage: Wie funktioniert das Wechseln zwischen Schauspiel und Musik?

Antwort Anna Loos: Das funktioniert ganz einfach. Ich bin ja auch noch Mutter, Freundin und Frau. Das habe ich gelernt im Laufe meines Lebens. Einfach abschalten. Ich schließe meine Haustür auf und sage: Ich bin jetzt Mutti. Das kann man lernen, autogenes Training. Sonst wird man ja verrückt. Man kriegt nicht immer alles unter einen Hut, manchmal ist auch Chaos.

Antwort Uwe Hassbecker: Das geht aber nicht nur ihr so. Das war heute auch nicht geplant, dass der Hund mit hier ist ...

Frage: Spielt es für Sie eine Rolle, dass Sie mit Männern in der Band spielen?

Antwort Anna Loos: Es gibt auch Frauen in unserem Team. Aber ich bin immer schon ein Jungstyp gewesen, hatte als Kind kaputte Knie, habe Fußball gespielt, hatte ein Mofa und habe mit meinem Vater in der Garage geschraubt. Ich hab auch Freundinnen, aber ich bin einfach sehr gerne mit Jungs unterwegs.

Zur Band: Silly wurde 1978 in Ost-Berlin gegründet. Zu den bekannten Songs gehören „Bataillon D'Amour“, „So 'ne kleine Frau“, „Mont Klamott“ oder „Alles Rot“. Bandmitglieder sind Uwe Hassbecker (Gitarre), Ritchie Barton (Keyboard) und Jäcki Reznicek (Bassist). 1996 starb die Frontfrau Tamara Danz. Seit gut zehn Jahren steht die 45 Jahre alte Schauspielerin Anna Loos („Weissensee“, „Helen Dorn“) als Sängerin im Mittelpunkt. Musik liegt in der Familie: Auch ihr Mann, Schauspieler Jan Josef Liefers, spielt in einer Band.

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