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Anke Vondung und Christoph Berner bei "Lied in Dresden"

Anke Vondung und Christoph Berner bei "Lied in Dresden"

Am Ende war es fast so etwas wie eine Lebensreise in vier Abschnitten mit insgesamt 22 Stationen, deren Überschwang und Reichtum an Emotionen nur so rigoros zu beenden war, wie es Anke Vondung mit ihrer knappen Zugabe von Gustav Mahler tat.

"Aus, aus", so ihr letztes Lied, und zum Zeichen, wie ernst sie es meint, nimmt sie auch noch den Notenständer mit. Sie hatte recht. Mehr ging nicht. Zweifellos dürften die Reserven der Sängerin und ihres Pianisten Christoph Berner längst nicht erschöpft gewesen sein, aber dem, was sie zuvor in der Auswahl an Liedern von Franz Liszt, Alexander Zemlinsky, Arnold Schönberg und Gustav Mahler geboten hatten, war einfach nichts mehr hinzuzufügen. Allein die Namen der Komponisten lassen darauf schließen, wie weit der Bogen gespannt war, wie groß die Unterschiede waren und welche Sensibilität gefordert war, sie erlebbar werden zu lassen. Da waltete das Glück auf beiden Seiten. Auf dem Podium im Konzertsaal der Dresdner Hochschule für Musik ergänzten sich Sängerin und Pianist vorzüglich. Jede Station auf der Reise durch Höhen und Tiefen der Gefühle, jede Feier des Lebens und jeder Gesang des Abschieds, Töne überschwänglichen Liebesglückes oder verzweifelter Einsamkeit wurden zum Erlebnis für die Konzertbesucher.

Anke Vondung versteht es, ihre Bühnenerfahrungen zu nutzen, und kann sich stilgerecht zurücknehmen, allein dem Klang vertrauen. Technik und Timbre gestatten es in allen Lagen der weiten Dimensionen ihres Mezzosoprans, vom zartesten Flüstern bis in den jubelnden oder verzweifelten Aufschrei, präsent zu sein und dabei absolute Sicherheit zu vermitteln. Dies alles im spannenden Dialog mit dem Pianisten, dessen Klanggestus sowohl fordernd als auch besänftigend sein kann, der den kleinen Dramen oder heiteren Szenen Farbnuancen gibt, wie die lichtdurchfluteten Triller in Mahlers "Frühlingsmorgen". Die Komödiantin Anke Vondung kostet den witzigen Dialog "Verlorne Müh" aus und überzeugt mit der in aller Schlichtheit berührenden Klage in einem anderen der Mahlerschen Wunderhornlieder, "Nicht wiedersehen". Begonnen hatte sie mit Liedern von Liszt. Vehement wird Uhlands "Hohe Liebe" eingangs gefeiert, doppelbödige Zurückhaltung bei "Über allen Gipfeln ist Ruh" nach Goethe, um dann in praller Sinnlichkeit Schillers badenden Fischerknaben lustvoll zu verschlingen. Aus Heines "Lorelei" macht Liszt eine dramatische Szene. Gut, dass Sängerin und Pianist wissen, was romantische Ironie ist.

Zemlinskis Gesänge nach Maurice Maeterlinck sind von dunklen Todesahnungen durchzogen, um damit zu bestehen, braucht man Maß und Geschmack, an beidem ist kein Mangel auf dem Podium. Für das Publikum ist der Ausflug ins weniger bekannte Repertoire der Liedkunst ein Geschenk. Nicht ganz so unbekannt dürften Schönbergs "Vier Lieder op. 2" nach Richard Dehmel sein. In der Dramaturgie des Abends eine Hinführung zur von Ironie durchzogenen Schwermut Mahlers und, etwa in der Miniatur "Erhebung", für Anke Vondung die Möglichkeit, in einem Aufschrei ihrem expressiven Talent freien Lauf zu lassen.

Mit dem launischen "Rheinlegendchen" und der ironischen Frage "Wer hat das Liedlein erdacht" von Mahler geht der Abend zu Ende, für den man den Künstlern und natürlich den unerschrockenen Initiatoren der Reihe "Das Lied in Dresden" sehr dankbar ist. Wo aber sind bei einem solchen Konzert in der Musikhochschule die Gesangs- studenten im Publikum?

Eröffnungskonzert "Das Lied in Dresden 2012": 29. Januar, 19.30 Uhr, Konzertsaal der Musikhochschule. Ingeborg Danz (Mezzosopran) und Tobias Krampen (Klavier) bieten Lieder von Brahms und Schumann.

www.dasliedindresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.12.2011

Boris Michael Gruhl

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