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Anke Vondung singt die Titelpartie in "Carmen" zum Saisonauftakt der Semperoper Dresden

Anke Vondung singt die Titelpartie in "Carmen" zum Saisonauftakt der Semperoper Dresden

Wer ist Carmen? Eine männerverzehrende Femme fatale, das verruchte Lustweib schlechthin? Oder ein Opfer der Gegebenheiten, in denen Clan-Denken, Prominentenkult und soldatische Verblödung eine Rolle spielen? Carmen ist die faszinierende Frau, der alle Männer erliegen, die im Kreise anderer Frauen stets eine Sonderrolle einnimmt, weil sie selbstbestimmt leben will, wo dies noch keine Selbstverständlichkeit ist.

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Anke Vondung

Quelle: PR

Carmen ist die Titelfigur einer der heute berühmtesten Opern, die zu ihrer Uraufführung 1875 in Paris ein ziemlicher Misserfolg für den bald darauf im Alter von nur 36 Jahren verstorbenen Komponisten Georges Bizet gewesen sein muss. Den Siegeszug des heute so populären Vier-Akters erlebte der grandiose Pianist und vor allem posthum gefeierte Komponist nicht mehr.

Carmen betört nun zum dritten Mal innerhalb von nur wenig mehr als zehn Jahren das Publikum der Semperoper. 2002 sollte die gleichnamige Oper just zum Saisonstart inszeniert werden, als das damals so genannte Jahrhunderthochwasser weite Teile Dresdens grundlegend durchnässte. Regisseur Harry Kupfer machte aus der Not eine Tugend und inszenierte "Carmen" in der noch ganz neuen Gläsernen Volkswagen-Manufaktur. Davon gab es nur wenige, aber unvergessliche Aufführungen.

Zwei Jahre später hat Konstanze Lauterbach Bizets "Carmen" in der trockengelegten Semperoper herausgebracht - ausgerechnet mit einer Unmenge von Wasserhähnen im Bühnenbild. Die Premiere und weitere Vorstellungen sang Waltraud Meier, später stieg auch Anke Vondung, seinerzeit Ensemblemitglied der Sächsischen Staatsoper, in die Titelpartie ein. Inzwischen ist die heute in Zürich lebende Sängerin bei den Salzburger Festspielen ebenso begehrt wie an der New Yorker Met, ist im Opernfach genauso wie im Konzertbereich zu Hause.

Die in Dresden vor allem aus Hosenrollen in Mozart- und Strauss-Opern bekannte Mezzosopranistin, deren Spektrum von Händels "Giulio Cesare in Egitto" bis hin zu Henzes "Wir erreichen den Fluss" reicht, wird am Samstag erstmals eine "Carmen"-Premiere gestalten. Für die Neuinszenierung von Regisseur Axel Köhler, den die aus Speyer stammende Künstlerin als guten Kollegen bereits aus seiner Sängerlaufbahn kennt, hat sie sich gründliche Gedanken über die Figur gemacht: "Das Problem bei Carmen ist natürlich immer, dass das ganze Sujet wahnsinnig überladen ist mit Erwartungshaltungen." Genau diese Klischeevorstellungen, so Vondung, würden diese Oper auch so schwierig machen. Und dennoch höchst reizvoll. "Als Figur ist Carmen für mich kein übertriebenes Individuum, sondern einfach eine ganz normale Frau in ihrer Zeit und ihrem Umfeld, die mit sehr eigenen Freiheitsidealen versucht, durchs Leben zu kommen. Also da ist nichts nur Femme-Fatale-Mäßiges, sie ist nicht nur das große Opfer, insofern reduziere ich das für mich gern auf die Beziehungsebene. Es ist natürlich überzeichnet, ganz klar. Mit tödlichem Ausgang."

Für Anke Vondung, die Bizets Titelpartie gemeinsam mit der Ägypterin Gala El Hadidi einstudiert - das Ensemblemitglied wird in späteren Vorstellungen alternierend zu erleben sein - sei dies eine der schwierigsten Partien überhaupt. "Ja, von der inneren Haltung und von der Vorbereitung her! Weil in keiner anderen Oper so sehr das eigene Empfinden mit der Gestaltung der Rolle zu tun hat. Und wenn man sich nicht ganz wohlfühlt mit der Inszenierung, dann merkt man das sofort auf der Bühne." Bei keinem Stück sei das so extrem wie bei "Carmen".

Der Konflikt in dieser Oper - Vondung betont, dass ja auch Carmens Widerpart Don José "als Mann nicht ganz unproblematisch" sei - wird extrem zugespitzt. Das mache jedes Herangehen an den Stoff so kompliziert. Und während Anke Vondung in ihren zahlreichen Hosenrollen, die sie als Mezzo zu verkörpern hat, stets eine Spur Distanz zur dargestellten Figur beibehalte, gebe es dies bei Carmen, einer emotional betont weiblichen Partie, eben nicht. Man müsse sich so präparieren, dass man mit der Rolle quasi eins ist, betont sie und sieht als wichtige Voraussetzung dafür, dass man sich in der Regie "gut aufgehoben fühlen kann."

Bei Axel Köhler spüre sie "absolutes Vertrauen", zumal der langjährige Countertenor mit seiner reichen Bühnenerfahrung genau wisse, was er den Sängerdarstellern in welcher Weise vermitteln kann. Daher genießt Anke Vondung die Proben und freut sich darüber, "mal wieder eine Frau spielen zu dürfen." Im Oktober wird sie diese Passion fortsetzen und für zwei Vorstellungen als Angelina in Rossinis "Cenerentola" mitwirken. "Ich brauche die Abwechslung und will mich nicht festlegen lassen." Aber genau so gern sei sie nächstes Jahr auch wieder als Idamante in Mozarts "Idomeneo" dabei.

Carmen, Premiere am 28. September, 18 Uhr, Semperoper

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.09.2013

Michael Ernst

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