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Anja Himmel und Michael Böhlitz führen ihre Galerie seit Anfang Juni auf eigene Rechnung

Anja Himmel und Michael Böhlitz führen ihre Galerie seit Anfang Juni auf eigene Rechnung

Seit Anfang Juni hat Dresden mit der Galerie Himmel Am Obergraben eine neue Kunstadresse, und schon mit dem Auftakt werden ihr gewissermaßen beste Zeugnisse ausgestellt - allein schon durch die Persönlichkeit des ausstellenden Künstlers Wieland Förster, der hier bis Mitte Juli eine erlesene Auswahl von Bronzeplastiken, Zeichnungen und Druckgrafik zeigt (ein ausführlicher Bericht dazu ist in den DNN vom 1. Juli 2014 erschienen).

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Anja Himmel und Michael Böhlitz neben Wieland Försters Aufrechtem weiblichem Torso von 1971/87 in der Ausstellungshalle der Galerie Himmel.Fotos: Tomas Petzold

Quelle: Tomas Petzold

Eine Ausstellung, würdig der Kunststadt und dem besonderen Rang des Künstlers, ein Statement auch in Bezug auf mancherlei Verwerfungen im Hinblick auf die Präsentation des Werks in seiner Geburtsstadt.

Dass nun gerade der stellvertretende Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Bernhard Maaz, die Eröffnungsrede hielt, lässt im Speziellen hoffen und stellt im Allgemeinen die Galerie ins Zentrum des Dresdner Kunstbetriebs. So etwas fällt allerdings nicht "vom Himmel", sondern hat eine längere Vorgeschichte.

Acht Jahre ist es her, dass die beiden jungen Kunsthistoriker Anja Himmel und Michael Böhlitz nach Dresden kamen, um im Auftrag von Martin Koenitz, der in Leipzig bereits unter seinem Namen eine Galerie sowie ein Graphik- und ein Buchantiquariat betrieb, die Kunsthandlung Koenitz zu führen. Sie kamen mit viel Elan, wussten gut Bescheid über Dresdner Kunst und Künstler, wie die Probleme des Kunstmarkts, aber sie waren wohl auch ein bisschen arglos und ahnten wenig von Dresden-Leipziger Animositäten und von der Skepsis, die eine Ansiedlung im Quartier an der Frauenkirche bei einheimischen Kunstliebhabern auslösen musste.

Überzeugt haben die Galeristen, die von Anfang an nach ihren eigene Vorstellungen schalten und walten durften und dafür sehr dankbar sind, letztlich schon hier durch ihr Ausstellungsprogramm, das konsequent und solide auf die ihnen wichtigen Namen wie Andreas Wachter, Hubertus Giebe und Johannes Heisig ausgerichtet ist - statt auf vermeintliche Shooting Stars des Kunstmarkts oder gar die Wünsche von Schicky-Micky-Sammlern. Dennoch war die zunächst als Schock empfundene Vertreibung aus dem QF "heilsam", wie Böhlitz in seiner Ansprache zur Übernahme der Galerie in Eigenregie gestand. "Hier erst haben wir die passende räumliche Hülle für Kunstausstellungen gefunden, hier erst hat uns ein genuines Dresdner Publikum für sich entdeckt."

Freilich, ein bisschen irritierend sind für manchen gerade auch jüngeren Kunstfreund oder Künstler die gediegene Bürgerlichkeit und die auf den ersten Blick doch etwas bunte Mischung des Angebots, die den Besucher auch in der Inneren Neustadt empfängt, das heißt im ehemaligen Ladengeschäft, von wo aus ein schmaler Durchgang in die großzügige, helle Ausstellungshalle führt, wo statt der Fülle auf Konzentration und Klarheit gesetzt wird. Konzept sei es, mit dem traditionellen Kunsthandel, mit Rahmungen und Restaurierungen, Ausstellungen zu ermöglichen, deren Exponate nicht nur im Hinblick auf Verkäuflichkeit ausgewählt werden und so dem Vergleich mit Präsentationen in Museen standhalten. Gerade in der derzeitigen Dresdner Situation ein sehr wertvolles Engagement, um das Bewusstsein für Tradition und Bezüge wachzuhalten.

Der Verkaufsraum indes, in dem das Gespräch stattfand, ist "unser Schaudepot", erklärt Michael Böhlitz, und beide Galeristen weisen mit Recht darauf hin, dass sich hier ja auch überwiegend Arbeiten der von der Galerie vertretenen Künstler finden. "Und im Übrigen entspricht die Einrichtung ganz einfach unserem Lebensgefühl." Das Profil - mit figurativer Malerei als Kern - soll allerdings weiter geschärft werden, auch wenn man sich einerseits etwa den Verzicht auf das Angebot von Topographia zur Zeit kaum leisten kann, andererseits überlegt, wie die in Dresden meist vernachlässigte Keramik stimmig einbezogen werden kann. Im Zentrum steht die offene und streitbare Präsentation von Kunst und Künstlern, die in einem engen Bezug zu Dresden stehen, vornehmlich der Gegenwart, aber auch mit Namen wie Carl Lohse oder Wilhelm Rudolph. Was hier auf der Hand liegt, gilt auch in jedem anderen Fall: Es gibt keinen Alleinvertretungsanspruch. "Wir machen keine Knebelverträge." Darüber hinaus wollen die Galeristen - für die übrigens genauso gut eine Laufbahn im Museum vorstellbar gewesen wäre - künftig auch aus dem engeren Dresdner Kreis heraustreten, sich auf Messen präsentieren. "Wir haben auch den Ehrgeiz, jüngere Künstler für uns zu gewinnen. Freilich nicht die ganz jungen von der Akademie, sondern solche, die bereits einen gewissen Stand erreicht haben", erklärt Böhlitz. Allerdings sei der damit verbundene Aufwand derzeit noch kaum zu bewältigen.

Dass man nach so kurzer Präsenz in der Szene schon mit Namen wie eben Wieland Förster und zuletzt Harald Metzkes aufwarten kann, betrachten die Galeristen keineswegs als Ruhekissen, sondern vielmehr als Auszeichnung: "Wir waren überrascht, auf solches Entgegenkommen zu stoßen, wobei man sich sicherlich auch etwas nach uns erkundigt hat", gesteht Anja Himmel. In Vorbereitung sind derzeit die Sommerausstellung mit Künstlern vom Elbhang und Expositionen von Klaus Drechsler, Volker Stelzmann, Gerda Lepke, Werner Lieberknecht und Iris Brankatsch. Wie sich auch daraus ersehen lässt, sind leicht nachvollziehbare oder einseitige Affinitäten für die Galerie Himmel "keine Wahrnehmungsperspektive", wie Böhlitz unterstreicht, "sondern allein die Qualität eines Werks".

Aktuelle Ausstellung: Wieland Förster - Eros und Vergänglichkeit, bis 19. Juli. Galerie Himmel, Obergraben 8, Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-16 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.07.2014

Thomas Petzold

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